Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt: Landwirtschaft
Der Verlust der Artenvielfalt findet in besonderem Maße in der Agrarlandschaft statt. Dies zeigt sich in alarmierender Weise beim Rückgang der Insekten- und Feldvögelbestände. Um Biodiversität zu schützen, müssen Agrarlandschaften deshalb so gestaltet werden, dass Arten Lebensräume und Nahrung finden. Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Flächen weiterhin in ausreichendem Maße zur Ernährungssicherheit beitragen sowie Wirtschaftlichkeit für die Landwirte gewährleisten. Um alle Interessen zu berücksichtigen, braucht es vielfältige Lösungen und komplexe Rahmenbedingungen.
Biodiversität in die Agrarlandschaft zurückholen
Große Ackerbauflächen verdrängen Baumreihen, Hecken, lose Steinmauern und Brachen. In der Folge fehlen Nistplätze, Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für Wildtiere und Vögel. Auf den Feldern stehen zudem effiziente Pflanzensorten, die auf hohe Erträge optimiert sind. Diese produzieren oft nur noch wenige Abwehrstoffe. Landwirte setzen deshalb vorbeugend und flächendeckend Dünger und Pestizide ein, wie etwa Glyphosat. Die Überdüngung erschwert Pflanzen und Insekten, die auf nährstoffarme Böden spezialisiert sind, das Überleben.
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Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese über Ursachen des Artenrückgangs
Biologin
Copyright: Peter Kiefer
Um Biodiversität in der Agrarlandschaft zu unterstützen, sollte Landschaft so gestaltet werden, dass Landwirtschaft und Biodiversität miteinander einhergehen. Hierfür empfehlen sich beispielsweise die folgenden Maßnahmen:
Viele der intensiv bewirtschafteten Flächen werden aber auch in Zukunft weiterhin für intensive Landwirtschaft beansprucht. Um so wichtiger ist es, durch präziseren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und angepasstes Saatgut Druck aus der Intensivwirtschaft zu nehmen. Durch neue Rückzugsräume für Arten, die sinnvoll miteinander verbunden sind, kann Austausch zwischen den einzelnen Gebieten ermöglicht werden.
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Prof. Dr. Andreas Graner über Landwirtschaft und Naturschutz
Pflanzengenetiker
Ein Ansatz, um Landwirtschaft und Natur besser zu kombinieren sind sogenannte biodiverse Produktionssysteme. Diese Systeme verbinden die wirtschaftliche Nutzung mit dem Schutz von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen. Durch eine Kombination von Nutzpflanzen, Mischkulturen und strukturgebenden Elementen wie Hecken, Bäumen und Gewässern unterstützen biodiverse Produktionssysteme die Biodiversität und nutzen gleichzeitig die Ökosystemleistungen, beispielsweise die Bestäubungsleistung der Insekten oder das Holz und die Früchte von Bäumen. Beispiele für biodiverse Produktionssysteme sind Agroforstsysteme (also eine Kombination aus Ackerbau oder Tierhaltung mit Bäumen und Sträuchern), Polykulturen (also der gemeinsame Anbau von Feldfrüchten wie Bohnen, Mais und Kürbissen) oder naturnahe Aquakultur.
Integrierende Nutzung von Mooren
Wie im Kapitel 2 beschrieben, leisten Moore einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Biodiversitätsschutz. Es ist daher entscheidend, in Deutschland so viele trockengelegte Moorflächen wie möglich wiederzuvernässen. Für trockengelegte Moorstandorte, die intensiv für die Landwirtschaft genutzt werden, sollten gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten neue Nutzungskonzepte entwickelt werden. Zahlreiche landwirtschaftliche Produkte ließen sich auch auf Moorflächen erwirtschaften, sogenannte Paludikulturen. Moore könnten auch als Nassweiden oder als Standorte für Photovoltaikanlagen genutzt werden.
Eine weitere Möglichkeit wäre, die Ökosystemleistungen der Moore zu honorieren. Wenn der Moorschutz in den CO2-Emissionshandel einbezogen würde, könnten Landbesitzerinnen und Landbesitzer ökonomisch davon profitieren, dass ihre Flächen wiedervernässt werden und große Mengen an CO2 binden. Im Gegenzug sollten klimaschädliche Subventionen, die noch immer die Entwässerung der Landschaft fördern, abgeschafft werden.
Vertiefung zum Thema
- „Moore für Morgen" – Nachricht (15. Mai 2026)
- Digitales Dossier „Moore und Auen: Vom Wandel nasser Landschaften“
- Stellungnahme „Klima – Wasserhaushalt – Biodiversität: für eine integrierende Nutzung von Mooren und Auen“ (2024)
- Virtuelles Podium „Nasse Moore! Klimaschutz, Naturschutz und Nutzungsperspektiven“
- „Die Leistungen technischer und natürlicher Systeme klug verknüpfen“ – Interview mit Klement Tockner und Franziska Tanneberger
Landwirtschaft im Wasser: Aquakultur
Fische, Krustentiere, Muscheln und Algen spielen eine wichtige Rolle in der Ernährung des Menschen. Sie liefern wertvolle Proteine und Omega-3-Fettsäuren. In vielen Ländern wie den Malediven, Japan, Korea oder Island sind Fisch und Krustentiere die Hauptquelle für tierisches Protein. Die hohe Nachfrage führte jedoch zu einer Überfischung der Meere. Als Alternative zur Fischerei etablierte sich vielerorts die Aquakultur, also die kontrollierte Zucht von Wasserorganismen. Mehr als die Hälfte der weltweit konsumierten Fische, Muscheln, Krebstiere und Algen stammt heute aus Aquakultur.
Frage und Antwort
Nachgefragt
Welche Herausforderungen gibt es bei der Aquakultur?
Antwort
Die Aquakultur entwickelt sich zu einer Alternative für die Erzeugung von tierischem Eiweiß, da Fische Futtermittel effizienter umwandeln als Nutztiere an Land. Es gibt aber auch negative ökologische Auswirkungen: Futterreste, Fischkot und Chemikalien gelangen ins Gewässer und führen zu einer hohen Wasserverschmutzung. Krankheiten können sich in der Aquakultur schnell ausbreiten und auch auf Wildtiere übertragen werden. Die Bekämpfung der Krankheiten mit Medikamenten kann Antibiotikaresistenzen fördern. Das Fischfutter besteht oft aus Wildfisch und trägt somit weiterhin zur Überfischung der Meere bei. Problematisch sind auch Ausbrüche einzelner Zuchtfische aus der Aquakultur. Diese Zuchtfische können sich in der Natur mit den Wildpopulationen kreuzen und genetisch verändern, was zum Artenverlust der Wildtierpopulationen führt.
Besonders die Süßwasseraquakultur hat das Potenzial eine nachhaltige Alternative zur Erzegung tierischen Eiweißes zu werden. Hier lassen sich abgeschlossene Kreislaufsysteme etablieren, die beispielsweise Abwasser wieder aufbereiten oder es als Dünger für andere landwirtschaftliche Erzeugnisse nutzen. Neue KI-Technologien können beim effizienten Einsatz von Futtermitteln unterstützen und die Populationen bezüglich Krankheiten und Anomalien überwachen.
Video Virtuelles Podiumsgespräch „Can Aquaculture Boost Food Security? Sustainable Fish Production in Brazil and Europe“
Vertiefung zum Thema
Agrarpolitik der EU
Landwirtinnen und Landwirte sind in ihrer Entscheidung über die Ausrichtung der Landwirtschaft nicht unabhängig. Sie müssen wirtschaftliche Interessen wie auch äußere Rahmenbedingungen einbeziehen. In der Europäischen Union gibt es zudem die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die hohe Lenkungswirkung erzielt.
Frage und Antwort
Nachgefragt
Was ist die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union?
Antwort
Die Gemeinsame Agrarpolitik regelt, wie die EU die Landwirtschaft finanziell unterstützt. Prinzipiell sollen dadurch die Ernährungssicherheit in Europa, die finanzielle Sicherheit der Landwirtinnen und Landwirte sowie stabile Lebensmittelpreise in der EU gewährleistet werden. Die Maßnahmen bestehen vor allem aus Direktzahlungen an die landwirtshaftlichen Betriebe. Zudem widmet sich die GAP aucht der Entwicklung des ländlichen Raums und beinhaltet Klima-, Umwelt- und Tierwohlmaßnahmen. Durch die GAP kann die EU aber auch steuern, an welchen Zielen die Flächenbewirtschaftung ausgerichtet wird. Die Transferzahlungen orientieren sich vor allem an der Größe der Flächen. Sie sind unabhängig von der Art der Produktion, also nicht daran gekoppelt, ob die Bewirtschaftung etwas für das Gemeinwohl leistet indem sie z. B. biodiversitätsfreundlich gestaltet wird.
Um mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erzielen, sollten sich die biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung auch wirtschaftlich lohnen, indem diese Gemeinwohlleistungen auch stärker als bislang finanziell honoriert werden.
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Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese über die Agrarpolitik der EU
Biologin
Copyright: Peter Kiefer
Mit der Reform 2023–2027 erkennt die GAP Ökosystemleistungen ausdrücklich an und beinhaltet auch Zahlungen für konkrete Umweltleistungen wie Blühflächen, vielfältige Fruchtfolgen und die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln. Der Großteil der Mittel wird jedoch weiterhin pauschal nach Flächen verteilt. Der Anreiz für Landwirtinnen und Landwirte, biodiversitätsfreundlich zu wirtschaften, ist deshalb noch zu gering.
Vertiefung zum Thema
Veröffentlicht: Oktober 2020, Aktualisiert: April 2026