Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt: Individuelles Handeln

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Was kann jeder und jede Einzelne zum Erhalt der Biodiversität beitragen? Im individuellen Handel liegt viel Potenzial, um die Biodiversität vor Ort zu erhöhen. Durch die eigenen Kaufentscheidungen kann weniger oder bewusster konsumiert werden. Das hat Auswirkungen auf den Biodiversitätsschutz.

Ernährungs- und Konsumverhalten

Die eigene Ernährung beeinflusst, wie viel Fläche für die Lebensmittelherstellung bewirtschaftet werden muss. Biodiversität kann geschützt werden, wenn Ernährung möglichst wenig Fläche beansprucht. Derzeit wird der größte Anteil der landwirtschaftlichen Fläche für den Anbau von Futtermitteln verwendet.

Eine Ernährung, die mit einem deutlich geringeren Flächenanspruch in der Agrarproduktion einhergeht, ist vor allem eine stärker pflanzenbasierte Ernährung. Auf weniger Fläche lassen sich mehr Nahrugsmittel herstellen, wenn sie direkt vom Menschen konsumiert und nicht erst an Nutztiere verfüttert werden. 

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Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese zur Rolle unserer Ernährung

Biologin

Copyright: Peter Kiefer

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Auch die Wahl der landwirtschaftlichen Erzeugnisse an der Supermarktkasse kann indirekt Biodiversität unterstützen. Betriebe, die nach den Regeln der ökologischen Landwirtschaft arbeiten, erzielen im Durchschnitt eine um 30 Prozent höhere Artenvielfalt. Bei international gehandelten Agrargütern wie Kaffee, Kakao oder Zucker ist es möglich, auf entwaldungsfreie Lieferketten zu achten. Den weltweit höchsten Einfluss auf den Verlust der Vielfalt von Wirbeltierarten haben Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Zucker, Rindfleisch und Kautschuk. Mit bewussten Kaufentscheidungen an der Supermarktkasse kann jeder und jede Einzelne Produkte wählen, die bei der Herstellung dieser Güter entwaldungsfreie Lieferketten beachten.

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Prof. Dr. Josef Settele über das Konsumverhalten

Agrarbiologe

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Für einen nachhaltigeren Konsum braucht es geeignete politische Rahmenbedingungen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt. Bisher ist beispielsweise ein Großteil der Folgekosten, die intensive Viehwirtschaft und der hohe Flächenanspruch für die Fleischproduktion verursachen, nicht sichtbar.

Frage und Antwort

Nachgefragt

Was sind die externen Kosten der Fleischproduktion?

Antwort

Externe Kosten der Fleischproduktion sind Kosten, die nicht im Ladenpreis von Fleisch enthalten sind, aber von der Gesellschaft, der Umwelt oder künftigen Generationen getragen werden. Dazu zählen hohe Emissionszahlen. Laut einem Bericht der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) stammen rund 14,5 Prozent der globalen menschengemachten Emissionen aus der Tierhaltung. In der EU spielt Soja als Futtermittel für die Viehhaltung eine immer größere Rolle. Pro Kopf und Jahr werden in der EU ca. 60 Kilogramm Soja konsumiert. Davon verbergen sich ganze 55 Kilogramm als Futtermittel in Fleisch, Eiern, Milch oder Fisch. Für dessen Anbau wird in Ländern wie Brasilien tropischer Wald abgeholzt. Im Inland verursacht intensive Viehhaltung zudem hohe Nitratbelastungen sowie Luft- und Wasserverschmutzung.

Eine Möglichkeit, nachhaltigen Konsum zu steuern, wäre es, die bisher nicht berücksichtigten Kosten der tierischen Lebensmittelproduktion sichtbar zu machen, etwa über Änderungen der Mehrwertsteuern, durch Kennzeichnung auf Lebensmitteln und Förderung der Ernährungsbildung.  

Neben der Verringerung des Flächenanspruchs hätte auch die individuelle Verringerung von Lebensmittelabfällen einen positiven Effekt. Weltweit gehen nämlich circa 14 Prozent der Nahrungsmittel zwischen Ernte und Groß- sowie Einzelhandel verloren. Etwa 17 Prozent der globalen Lebensmittelabfälle entstehen in Summe in privaten Haushalten, in der Außer-Haus-Verpflegung (Restaurants, Hotels, Kantinen, Mensen etc.) sowie im Groß- und Einzelhandel. In Deutschland fallen mehr als 50 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten an. 

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Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein über die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher

Landschaftökologin

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Biodiversität vor der Haustür

Biodiversität beginnt schon im Kleinen. Auf dem eigenen Balkon oder im eigenen Garten kann die Artenvielfalt mit wenigen Mitteln unterstützt werden. Gegenüber exotischen Garten- und Balkonpflanzen bieten heimische Pflanzenarten für hiesige Insekten mehr Nahrung. Blühwiesen, Unterholz und der Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger unterstützen ebenso die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Der Einsatz für mehr Grünflächen, grüne Fassaden und Dächer trägt zudem zur Gesundheit bei und hilft beim Umgang mit Hitzeperioden.

Zukunftswerkstatt Landwende

Im April 2024 fand in der Leopoldina die Zukunftswerkstatt „Landwende: Wie wollen wir Leben?“ statt. 29 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 27 Jahren diskutierten über den idealen Landkreis 2070. Der ideale Landkreis ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem Fragen des gemeinsamen nachhaltigen Wirtschaftens mit denen des sozial gerechten Zusammenlebens in Einklang gebracht werden sollen. Die Ideen reichen deshalb von lokaler und regionaler Wertschöpfung im Rahmen der planetaren Grenzen über Kreislaufwirtschaft, ökologische Land- und Waldwirtschaft bis hin zu lebenswertem Wohnraum, nachhaltiger Mobilität, Inklusion und Partizipation. 

Video Zukunftswerkstatt Landwende: Wie wollen wir leben?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten ihre unterschiedlichen gesellschaftlichen und fachlichen Perspektiven, beispielsweise aus der Landwirtschaft, sozialen Berufen, der Medizin, der IT und der Forstwirtschaft in die Diskussion ein. Sie wurden dabei von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Disziplinen Biodiversität, Klima, Ernährung, Ethik, Psychologie, Ökonomie, Recht und Politik unterstützt. 

Veröffentlicht: Oktober 2020, Aktualisiert: April 2026

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