Internationale Wissenschaftspolitik
Als Nationale Akademie der Wissenschaften bringt die Leopoldina wissenschaftliche Evidenz in politische Entscheidungsprozesse ein und fördert den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf nationaler und internationaler Ebene. Sie bringt die Perspektiven ihrer Mitglieder in globale Diskurse ein und setzt Impulse für wissenschaftsgeleitete Entscheidungsgrundlagen.
Zuletzt bearbeitet: 22. Juni 2026
EU-Wissenschaftspolitik
Die EU ist ein zentraler Handlungsraum der Wissenschaftspolitik. Ziel der Leopoldina ist es, die Interessen der deutschen Wissenschaftscommunity in der Gestaltung europäischer Politik sichtbar zu machen. Dabei steht die Forschenden-zentrierte Perspektive im Mittelpunkt, ebenso Grundwerte wie Forschungsfreiheit, Exzellenz, Integrität und Inklusivität.
Die Leopoldina engagiert sich in wichtigen Debatten zum Europäischen Forschungsraum (ERA), zum EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (FP9 & FP10) und zur europäischen Wissenschaftsdiplomatie. In Policy-for-Science-Diskussionen – etwa zu Genome Editing oder zur Umsetzung des EU-Wettbewerbsfähigkeitskompasses – bringt sie Evidenz und Expertise ein. Zusätzlich arbeitet sie in Gremien der Allianz der Wissenschaftsorganisationen aktiv mit und ist Mitglied im Forum.EU, der zentralen Beratungsstruktur der Bundesregierung für europäische Forschungs- und Innovationspolitik.
Auch über die Akademiennetzwerke EASAC, ALLEA und FEAM gestaltet die Leopoldina EU-Wissenschaftspolitik und wirkt an der Erarbeitung evidenzbasierter Empfehlungen für die Politik mit. Als Konsortium SAPEA sind diese Netzwerke zudem fest in den wissenschaftlichen Beratungsmechanismus der Europäischen Kommission integriert.
European Science Advisors Forum (ESAF)
ESAF wurde 2014 gegründet und ist ein semiformelles Gremium der wissenschaftlichen Chefberaterinnen und -berater der EU-Mitgliedstaaten sowie der EU-assoziierten Länder und -Kandidatenstaaten. ESAF dient vor allem dem Austausch bewährter Verfahren wissenschaftsbasierter Politikgestaltung. In Abstimmung mit der Bundesregierung vertritt die Präsidentin der Leopoldina Deutschland im ESAF.
Forschungssicherheit
Internationale Kooperation ist für die Wissenschaft unverzichtbar, wird jedoch zunehmend durch geopolitische Spannungen, Sicherheitsfragen und unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen geprägt. Fragen der Wissenschaftsfreiheit, Integrität und Sicherheit gewinnen dadurch an Bedeutung.
Die Leopoldina trägt mit Analysen, Stellungnahmen und vertraulichen Austauschformaten dazu bei, Risiken differenziert zu bewerten, einen ausgewogenen Umgang zwischen Offenheit und Schutzinteressen zu unterstützen und Risikoabwägungsprozesse zu fördern. Sie setzt sich dafür ein, restriktive Maßnahmen evidenzbasiert abzuwägen und zugleich die Eigenverantwortung von Forschenden im Umgang mit internationalen Kooperationen zu stärken. Besonders relevant ist dabei der Gemeinsame Ausschuss zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung von Leopoldina und DFG. Außerdem arbeitet die Leopoldina aktiv in den entsprechenden Gremien der Allianz der Wissenschaftsorganisationen sowie in nationalen, europäischen und internationalen Austausch- und Netzwerkformaten, beispielsweise mit dem BMFTR, im Kontext der G7 oder bei ENCORS.
Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit
Die Leopoldina bringt ihre Expertise auch in die bilaterale Außenwissenschaftspolitik der Bundesregierung ein, beispielsweise in den Kommissionen für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ), die der Abstimmung und Ausgestaltung gemeinsamer Forschungs- und Innovationsprioritäten sowie der Förderung bilateraler Kooperationsvorhaben auf staatlicher Ebene dienen. Hierzu beteiligt sich die Akademie an den länderbezogenen Austauschrunden der zuständigen Ministerien wie BMFTR und Auswärtiges Amt und berichtet bei den Sitzungen der WTZ-Kommissionen, vielfach gemeinsam mit ihren jeweiligen länderspezifischen Partnerorganisationen.
Kontakt Dr. Ruth Narmann