Mit Dingen aus Papier, Wachs und Glas: Wie die Natur- und Geisteswissenschaften um 1900 gemeinsam Geschichte schrieben

  • Wissenschaftshistorische Seminare
  • Halle (Saale)
  • Präsenz
Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Dr. Josephine Musil-Gutsch (Nürnberg) und Verleihung des Georg-Uschmann-Preises 2023
  • Datum
  • Ort Halle (Saale)

Als Ende des 19. Jahrhunderts historische Gegenstände aus kolonialen Ausgrabungen die europäischen Museen füllten, erkannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen: Das Material (kunst-)historischer Objekte birgt Informationen, die sich nur mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden entschlüsseln lassen. Dafür kooperierten Forschende aus Archäologie, Kunstgeschichte, Orientalistik und Paläographie mit Forschenden aus den Naturwissenschaften. Sie legten mittelalterliche Papiermanuskripte unters Mikroskop, analysierten Wachskunstwerke chemisch und untersuchten antike Praktiken der Glasherstellung. Dazu bearbeiteten sie gemeinsam unter anderem folgende, kulturhistorisch relevante Fragen: Lassen sich alte Papiermanuskripte anhand der in ihnen enthaltenen Pflanzenfasern datieren? Wie lässt sich das Alter eines Wachskunstwerkes mittels Materialanalyse bestimmen? Und wie lässt sich die babylonische Kunst des Glasmachens aus Texten und Objekten erschließen?

Der Versuch, diese spezifischen Fragestellungen zum Material kulturhistorischer Objekte zu lösen, brachte Forschende aus Paläographie und Botanik, Kunstgeschichte und Chemie und Chemiegeschichte und Assyriologie in der Zeit von 1880-1930 im deutschsprachigen Raum in Forschungsprojekten zusammen. Beide Seiten profitierten von der Zusammenarbeit: Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler etablierten sich sowie ihre Methoden in neuen Forschungskontexten und entwickelten sich weiter – oftmals selbst zu kulturhistorischen Fachkräften. Forschende der Geisteswissenschaften währenddessen nutzten die naturwissenschaftlichen Ergebnisse dazu, ihre Forschungsgegenstände zu datieren und zu interpretieren.

Durch einen mikrohistorischen Zugang werden Entstehungsbedingungen, Entwicklung und Ergebnisse der interdisziplinären Kooperationen zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlerinnen und - wissenschaftlern analysiert und eine neue Perspektive auf die Geschichte der Wissenschaften um 1900 eröffnet.

Dr. Josephine Musil-Gutsch war von 2018 bis 2022 Doktorandin am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von November 2022 bis April 2024 war sie als Beraterin bei RGE Unternehmensberatung in München tätig. Seit April 2024 lehrt Musil-Gutsch am Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Es laden Sie herzlich ein:

Prof. Dr. Christina Brandt ML, Prof. Dr. Rainer Godel und Prof. Dr. Dieter Hoffmann ML

Die Verleihung des Georg-Uschmann-Preises für Wissenschaftsgeschichte an Dr. Josephine Musil-Gutsch erfolgt durch Leopoldina-Präsident Prof. (ETHZ) Dr. Gerald Haug ML.

ML = Mitglied der Leopoldina

Livestream

Die Veranstaltung wird online übertragen:

https://leopoldina-org.zoom.us/j/95448644487

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Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
Leiter der Abteilung Zentrum für Wissenschaftsforschung
E-Mail: lzfw(at)leopoldina.org

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