Natürliche und sexuelle Selektion und die Evolution des Paarungssystems der Skorpionsfliegen

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Prof. Dr. Klaus-Peter Sauer, Bonn
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Wie setzen sich in der Natur die Fittesten durch, wie gelingt es ihnen, mehr Nachkommen zu erzeugen als unterlegene Artgenossen? Diesen Fragen gehen Evolutionsbiologen aus der Arbeitsgruppe von Klaus Peter Sauer am Beispiel des Modellorganismus der in Europa heimischen Skorpionsfliege Panorpa vulgaris nach und finden wissenschaftlich quantifizierbare Gründe. Sauer wird in seinem Vortrag erläutern, dass weibliche Skorpionsfliegen die zeitliche Dauer eines Paarungsaktes davon abhängig machen, wie sehr sie vom männlichen Partner durch "Brautgaben" verwöhnt werden. So halten Köder in Form von Insekten, je größer desto besser, Weibchen beim Paarungsakt bei Laune. Als noch effizienter erweist sich aber Speichel, den Männchen während des Paarungsaktes produzieren und den Weibchen offerieren. Hört die Speichelproduktion auf oder wird überhaupt kein "Brautgeschenk" angeboten, bricht das Weibchen den Paarungsakt nach kürzester Zeit ab. Sauer konnte zeigen, dass während des Paarungsaktes kontinuierlich Spermien fließen, die das Weibchen in einer Samentasche sammelt. Je länger der Akt also dauert, desto mehr Spermien werden übertragen. Wie kommt es nun zur Selektion für den Fittesten? Sauer konnte nachweisen, dass männliche Skorpionsfliegen, die bei Zweikämpfen oder dem Ergattern von Futter überlegen, d.h. fitter sind, bei der Paarung auch mehr und länger Speichel produzieren können und daher auch eine längere Paarungszeit erzielen. Molekularbiologische und genetische Analysen der Nachkommen eines Geleges haben darüber hinaus gezeigt, dass sich weibliche Skorpionsfliegen innerhalb kürzester Zeit mit bis zu neun Partnern gepaart hatten. Bei der Befruchtung der Eier haben damit fittere Partner, die längere Paarungszeiten erzielen und mehr Samen hinterlassen können, größere Chancen, sich mit Nachwuchs durchzusetzen.

Klaus Peter Sauer ist Biologe. Von 1979 bis 1992 war er C4-Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Bielefeld. Seit 1992 ist er C4-Professor für Zoologie und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn. Er ist in zahlreichen nationalen akademischen Gremien tätig und hat sich als Präsident der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (1994-1996) bzw. mit der Herausgabe Zoologischer Jahrbücher besonders verdient gemacht. Seit 1999 ist er Mitglied der Akademie Leopoldina (Sektion Ökowissenschaften).

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