Pasteur, Koch und die bakteriologischen Forschungseinrichtungen um 1900

  • Wissenschaftshistorische Seminare
  • Halle (Saale)
Zwei Vorträge im Wissenschaftshistorischen Seminar nehmen die Gründung von bakteriologischen Forschungseinrichtungen und die Entwicklung persönlicher Beziehungen in der Infektionsforschung um 1900 in den Blick.
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  • Ort Halle (Saale)

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Entangled Histories Die Gründung und Etablierung bakteriologischer Forschungseinrichtungen in Europa 1885-1914

Dr. Axel C. Hüntelmann, Berlin

In den beiden Jahrzehnten um 1900 wurden weltweit zahlreiche mikrobiologische und bakteriologische Forschungsinstitutionen gegründet: Das Institut Pasteur in Paris, das Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten in Berlin, das Königlich Preußische Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt, das British Institute for Preventive Medicine oder die Liverpool und London School of Tropical Medicine – um nur einige Einrichtungen zu nennen. Die Institute erwarben schon kurze Zeit nach ihrer Gründung internationale Anerkennung und wurden zu „Leuchttürmen“, zu „Tempeln der Wissenschaft“ und zu nationalen Erinnerungsorten. Die in den Forschungseinrichtungen tätigen Wissenschaftler arbeiteten zu ähnlichen Forschungsthemen, standen im brieflichen und persönlichen Austausch, kooperierten und konkurrierten miteinander. Die Gründung der Institutionen war implizit oder explizit aufeinander bezogen; die frühe Entwicklung und Etablierung der Institute zeigte sowohl Parallelen als auch gravierende Unterschiede.

Die Beziehung der einzelnen nationalen Institutionen untereinander, die Parallelität ihrer Entwicklung und die Kooperation und Konkurrenz der in den Instituten tätigen Forscher legt nahe, die Gründung und Etablierung der Einrichtungen um 1900 zu untersuchen. Der Vortrag wird die aufeinander bezogene Gründung einiger europäischer Institute und deren Verflechtungsgeschichte skizzieren, den sozio-kulturellen und politischen Kontext der Gründung umreißen, die Forschungsfelder darstellen und die impliziten Strategien der Institute analysieren. In dem Vortrag geht es darum, trotz vieler Ähnlichkeiten die nationalen Einflüsse herauszuarbeiten, die die institutionelle Ausgestaltung und Formierung der Institute determinierten.

Pasteur und Koch Ein Duell von Giganten in der Welt der Mikroben

Prof. Dr. Maxime Schwartz, Paris

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten. Eine schriftliche deutsche Version wird dem Publikum zur Verfügung gestellt.

Für Franzosen, die den Namen Robert Koch kaum kennen, ist Louis Pasteur der Vater der Mikrobiologie. Für Deutsche, die im Gegenzug sehr wenig über Pasteur wissen, ist Koch ein Nationalheld, der die Bakterien entdeckt hat, die für die tödlichsten Krankheiten verantwortlich sind. Diese beiden berühmten Wissenschaftler standen sich in einem erbitterten Konkurrenzkampf gegenüber. Bei Pasteur hatte er seinen Ursprung in einem glühenden Nationalismus infolge des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870. Im Fall von Koch resultierte er aus dessen Schwierigkeit, sich auf einem Fachgebiet zu beweisen. Es war von einem weithin anerkannten Wissenschaftler erschlossen worden, der 20 Jahre älter war als er und den Status einer Ikone erreicht hatte.

Der Streit von Pasteur und Koch entzündete sich am ersten Nachweis, dass ein Bakterium, der Milzbranderreger Bacillus anthracis, für eine Infektionskrankheit verantwortlich war. Er setzte sich während der Suche nach dem Cholera-Bakterium fort – auch während Kochs Arbeit an der Tuberkulose und nach der Entdeckung des Tollwutimpfstoffs durch Pasteur. So erbittert der Kampf auch war – er erstreckte sich durch die durch die Konkurrenten gegründeten Schulen – so überaus schöpferisch erwies er sich. Gemeinsam haben dieser deutsche und französische Wissenschaftler die Lebenserwartung der Menschen erheblich erhöht. Pasteur and Koch – A duel of giants in the world of microbes
For French people, who hardly know the name of Robert Koch, the father of microbiology is Louis Pasteur. For German people, conversely, who know very little about Pasteur, Koch is a national hero who discovered the bacteria responsible for the most deadly diseases. A ferocious rivalry opposed these two famous scientists. For Pasteur it took its source in a fierce nationalism resulting from the Franco-Prussian war of 1870 and, for Koch, in his difficulty to impose himself in a field opened by a widely recognized scientist, who was 20 years older than him and had reached the status of an icon.

Their disputes started over the first demonstration that a bacterium, Bacillus anthracis, was responsible for an infectious disease. It continued during the search for the bacterium causing cholera, during the work of Koch on tuberculosis and after the discovery of the rabies vaccine by Pasteur. Violent as this rivalry was – it extended to the schools that they created –it turned out to be far from sterile. Together, this German and French scientist significantly increased the life expectancy of human beings.

Prof. Dr. Rainer Godel, Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Florian Steger laden Sie herzlich ein.

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Prof. Dr. Rainer Godel
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -115

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