Prof. Dr. Albrecht Eduard Nagel (✝︎)
- Ort Tübingen, Deutschland
- Wahljahr 1888
Forschung
Zur Person
Albrecht Eduard Nagel wurde am 14. Juni 1833 in Danzig als Sohn eines Schulrektors geboren. Er starb noch im Amt am 22. Juli 1895 in Tübingen. Über sein Privatleben und sein Grab ist so gut wie nichts bekannt. Sein Nachfolger auf dem Tübinger Lehrstuhl wurde sein Schüler Gustav von Schleich (1851 - 1928), der ebenfalls Mitglied der Leopoldina war. Nagels Sohn Willibald (1870 - 1911) wurde Ordinarius für Physiologie an der Universität Rostock und erfand das Anomaloskop zur Prüfung des Farbensehens.
Werdegang
Albrecht Eduard Nagel studierte 1851 bis 1855 in Königsberg und Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten der Mediziner und Physiker Hermann von Helmholtz (1821 - 1894) und der Augenarzt Albrecht von Graefe (1828 - 1870), bei dem er 1855 mit einer Arbeit zur Ophthalmoskopie promovierte.
Nagel arbeitete nach dem Studium als praktischer Arzt in Danzig und gründete dort bereits im Jahr 1855 die erste Augenklinik. Im Jahr 1859 ging er auf Studienreise nach Holland zu Frans Cornelis Donders (1818 - 1889) in Utrecht sowie nach England. Im Jahr 1861 habilitierte sich Nagel in Bonn. Widrige Umstände zwangen ihn, sich 1862 als Landarzt in Ostpreußen niederzulassen, bis er 1864 einen Lehrauftrag an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen erhielt. Gegen erhebliche Widerstände aus der Fakultät wurde er 1867 Extraordinarius, 1874 dann erster Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Tübingen. Seine in der Tübinger Wilhelmstraße gelegene Privatklinik wurde 1875 vom Land Württemberg übernommen und zur Universitätsklinik erhoben.
Albrecht Eduard Nagel befasste sich, beeinflusst insbesondere durch seinen Lehrer Helmholtz, vor allem mit der physiologischen und der pathophysiologischen Optik des Auges.
Zu seinen wesentlichen Werken zählen „Das Sehen mit zwei Augen und die Lehre von den identischen Netzhautstellen“ (1861) sowie „Die Refractions- und Accommodations-Anomalieen des Auges“ (1866). Nagel gilt als Begründer der physikalischen Maßeinheit „Dioptrie“, die die Brechkraft optischer Systeme beschreibt.
Neben klinischen Beobachtungen machte sich Nagel auch Gedanken um die augenärztliche Weiterbildung. Seine Schrift „Die Reform des ophthalmologischen Universitäts-Unterrichts“ von 1870 trug maßgeblich zur Einrichtung ophthalmologischer Lehrstühle bei. Ab 1872 gab Nagel den „Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte im Gebiete der Ophthalmologie“, ab 1881 die „Mittheilungen aus der ophthalmiatrischen Klinik in Tübingen“ heraus.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Albrecht Eduard Nagel wurde 1888 Mitglied der Leopoldina.