Alexander von Humboldt (✝︎)
- Wahljahr 1793
Forschung
Zur Person
Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 als zweiter Sohn des aus Pommern stammenden preußischen Offiziers Alexander Georg von Humboldt und seiner Frau Marie Elizabeth von Holwede, geborene Colomb, in Berlin geboren. Sein Bruder Wilhelm wurde bereits 1767 in Potsdam geboren. Die Kinder wuchsen auf Schloss Tegel auf und wurden von Hauslehrern unterrichtet, darunter der Schriftsteller, Verleger und Pädagoge Joachim Heinrich Campe. Alexanders und Wilhelms Vater starb 1779, so dass die Mutter, nun bereits zum zweiten Mal verwitwet, die Söhne allein großzog.
Alexander blieb als Kind in seinen schulischen Leistungen deutlich hinter denen seines Bruders zurück und galt als lernunwillig. Jedoch liebte er die Gesellschaft von Menschen, die ihn interessierten. Einer von ihnen war der Botaniker Carl Ludwig Wildenow, der über eine Sammlung tropischer Pflanzen verfügte. Er weckte in Humboldt das Interesse für die Botanik.
Von Humboldt blieb Zeit seines Lebens ledig und war kinderlos. Er unterhielt briefliche Kontakte zu zahlreichen Persönlichkeiten weltweit, darunter zu dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß, den Sprachwissenschaftlern Jacob und Wilhelm Grimm, dem Philosophen August Wilhelm Schlegel sowie zu den Dichtern Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. So konnte er enorme zusätzliche Wissensquellen erschließen. Heute gilt er als ein Vordenker von Vernetzung und globalisierter Wissenschaft.
Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859 in Berlin. Er wurde im Familiengrab in Tegel beigesetzt.
Sein Name ist noch heute weltweit bekannt. Denkmäler erinnern an ihn unter anderem in seiner Heimatstadt Berlin, aber auch im Central Park in New York sowie im Humboldt-Park in Chicago. Nach ihm sind Tiere (Humboldt-Pinguin), Pflanzen (Humboldt-Lilie), Pilze (Wulstling Amanita humboldtii Singer) benannt, ebenso sind zahlreiche geografische Begriffe wie Gebirge (Humboldt-Gebirge in der Antarktis), Berge (Mount Humboldt in Neuseeland) und Ortschaften (USA) mit seinem Namen verbunden. Die Berliner Humboldt-Universität trägt seit 1949 seinen Namen. Vor dem Hauptgebäude erinnert ein Denkmal an den Namensgeber.
In Deutschland fördert die Alexander von Humboldt-Stiftung mit Hauptsitz in Bonn Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Sie vergibt den Alexander von Humboldt-Forschungspreis an verdiente ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Seit 2008 verleiht die Stiftung außerdem die Alexander von Humboldt-Professur. Sie ist der höchstdotierte Forschungspreis in Deutschland.
Das Humboldt Forum, dessen Namensgeber Alexander und seine Bruder Wilhelm sind, wurde 2020 digital und 2021 für das Publikum geöffnet und versteht sich als Ort vielfältiger künstlerischer und wissenschaftlicher Ausstellungen und Angebote.
Werdegang
Alexander von Humboldt begann 1787 ein Studium der Kameralwissenschaft an der Brandenburgischen Universität Frankfurt (Oder) Alma Mater Viadrina. Ergänzend hörte er Altertumswissenschaften, Medizin, Physik und Mathematik. Aufgrund offenkundiger Unterforderung verließ er gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die Viadrina bereits nach einem Semester und widmete sich in Berlin zunächst wieder seinen botanischen Interessen. Im April 1789 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen, die zu jener Zeit ein Zentrum der Aufklärung war. 1791 wechselte er nach Freiberg in Sachsen, wo er Naturwissenschaften und Bergbau studierte. Im Anschluss war er von 1792 bis 1796 als Berg-Assessor im preußischen Staatsdienst tätig. 1793 gründete von Humboldt in Bad Steben, einem kleinen Ort im Frankenwald, die Freie Königliche Bergschule, die fortan als erste Ausbildungsschule für Bergarbeiter in Deutschland fungierte.
Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1796 erbte er einen Teil des Vermögens und beschloss, sich wieder seinen Forschungsreisen zu widmen. Er schied aus dem Staatsdienst aus. Die von Napoleon ausgelösten Kriege zwangen Humboldt jedoch immer wieder, seine Pläne zu ändern.
1798 reiste er nach Spanien und erhielt nach einer Audienz bei König Karl IV. einen Pass für die spanischen Kolonien. Damit brach er 1799 gemeinsam mit dem französischen Naturforscher Aimé Bonpland, der 1857 in die Leopoldina aufgenommen wurde, zu einer fünfjährigen Reise nach Amerika auf. Neben Tier- und Pflanzenstudien führte er Messungen zum Erdmagnetismus durch und bestieg den in Ecuador gelegenen Chimborazo bis zur Höhe von 5.850 Metern. Der lateinamerikanische Freiheitskämpfer Simon Bolivar bezeichnete ihn als den „eigentlichen Entdecker Amerikas“.
Seine Rückkehr im Jahr 1804 wurde in der Öffentlichkeit gefeiert. Humboldt lebte im Anschluss zumeist in Paris, wo er seine Expeditionen auswertete. Ein Jahr später begann er mit der Arbeit an einem insgesamt 36 Bände umfassenden Werk über diese Reise unter dem Titel „Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent fait en 1799, 1800, 1801, 1802, 1803 et 1804 par Alexandre de Humboldt et Aimé Bonpland“.
1807 zog Humboldt gänzlich nach Paris und begann mit der Arbeit an einer Geografie der Pflanzen, deren erste deutsche Ausgabe er Johann Wolfgang von Goethe widmete, der 1818 Mitglied der Leopoldina wurde. 1808 veröffentlicht von Humboldt seine „Ansichten der Natur“. 1827 kehrte er nach Berlin zurück und wurde dort Berater des preußischen Königs. Außerdem hielt er naturwissenschaftliche „Kosmos-Vorlesungen“ an der dortigen Universität. Die Einrichtung hatte 1810 unter Beteiligung seines Bruders Wilhelm ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Humboldts Vorlesungen wurden schnell zu einer Attraktion.
1829 folgte eine weitere große Reise, die von Humboldt im Auftrag des russischen Zaren über das Baltikum nach Moskau und schließlich in den Ural, nach Sibirien und bis zur chinesischen Grenze führte. Die Ergebnisse dieser Reise mündeten in das 1843/44 erschienene Buch „Asie Centrale“.
1837 lernte Humboldt in London den britischen Evolutionsforscher Charles Darwin kennen, der ebenfalls 1857 in die Leopoldina aufgenommen wurde. Darwin bezeichnete seinen Zeitgenossen später als „größten Wissenschaftsreisenden, der jemals gelebt hat“. 1842 wurde von Humboldt zum Kanzler des neu gestifteten Ordens „Pour le mérite“ ernannt. 1845 erschien der erste Band seines Werks „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“, dem weitere vier Bände – der letzte drei Jahre nach seinem Tod – folgten.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Alexander von Humboldt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Schwarze Adlerorden, das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone, Großkreuz des Brasilianischen Rosen-Ordens, Großkreuz vom Dänischen Dannebrogorden, Großkreuz der französischen Ehrenlegion, Großkreuz des Mexikanischen Ordens von Guadeloupe, Großkreuz des Portugiesischen Christusordens, Russischer Alexander-Newski-Orden und Orden des Heiligen Wladimir, Großkreuz des Sächsischen Ordens für Zivilverdienste, Großkreuz des Weimarschen Hausordens vom Weißen Falken, Großkreuz des Sardinischen Ritterordens der heiligen Mauritius und Lazarus, Großkreuz des Spanischen Ordens Karls III. sowie die Copley Medal der Royal Society in London. Im Jahr 1856 wurde Humboldt außerdem Ehrenbürger von Berlin.
Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien, darunter der Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der American Academy of Arts and Sciences sowie der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften.