Prof. Dr. Eberhart Zrenner
- Fachbereich Ophthalmologie, Oto-Rhino-Laryngologie, Stomatologie
- Ort Tübingen, Deutschland
- Wahljahr 1997
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Struktur und Funktion der aufsteigenden Sehbahn, Pathophysiologie der Netzhaut, Neuroprotektion, Neuroprothetik, okuläre Toxikologie und Elektrophysiologie
Eberhart Zrenner ist ein deutscher Augenarzt, der die Erforschung degenerativer Netzhauterkrankungen maßgeblich geprägt hat. Seine Arbeiten zeigen, dass ein vollständiger Verlust des Sehvermögens nicht irreversibel sein muss. Gemeinsam mit einem multidisziplinären Team, entwickelte er subretinale elektronische Sehhilfen, die blinden Patientinnen und Patienten erstmals wieder Seheindrücke ermöglichen. Auch an der Entwicklung gentherapeutischer und neuroprotektiver Behandlungsmöglichkeiten erblicher Netzhautdystrophien ist er maßgeblich beteiligt.
Ein Schwerpunkt seiner Forschung lag auf den Ursachen erblicher Netzhautdegenerationen, insbesondere der Retinitis pigmentosa, einer fortschreitenden Erkrankung, bei der die lichtempfindlichen Sinneszellen (Stäbchen und Zapfen) der Netzhaut zugrunde gehen. Mithilfe von Tiermodellen charakterisierte Eberhart Zrenners Arbeitsgruppe deren pathophysiologische Mechanismen und entwickelte hochsensitive Verfahren zur funktionellen Diagnostik des Sehsystems.
Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgte Eberhart Zrenner das Ziel, zerstörte Photorezeptoren durch elektrische Stimulation zu ersetzen. Dabei nutzte er konsequent den subretinalen Ansatz, ein Verfahren, bei dem winzige Photodioden-Arrays direkt unter die Netzhaut implantiert werden – an jener Stelle, an der sich die natürlichen Photorezeptoren ursprünglich befinden. Diese Photodioden wandeln Licht in elektrische Signale um und stimulieren die verbliebenen Nervenzellen der Retina. Das Implantat arbeitet somit „lichtgetrieben“ und benötigt keine externe Kamera. Diese Methode fügt sich besonders harmonisch in die physiologische Signalverarbeitung des Auges ein.
Internationale Aufmerksamkeit erregte eine multizentrische Studie, die 2013 in den „Proceedings of the Royal Society B“ kommentiert wurde. Das von Eberhart Zrenner und seinem Team entwickelte Implantat mit rund 1.500 Mikro-Photodioden wurde bei Patientinnen und Patienten getestet, die infolge einer Retinitis pigmentosa vollständig erblindet waren. Mehrere Teilnehmende konnten nach der Implantation erstmals wieder Lichtquellen, Formen und Buchstaben unterscheiden. Einige erkannten Gesichter, konnten kurze Wörter lesen oder fanden sich im Raum selbstständig zurecht. Diese Ergebnisse galten als wissenschaftlicher Durchbruch, da sie belegten, dass das Gehirn selbst nach jahrelanger Blindheit erneut elektrische Signale der Netzhaut verarbeiten kann.
Die klinischen Erfolge basierten auf langjähriger Grundlagenforschung, die die 2018 veröffentlichte Studie „Electrical activation of degenerated photoreceptors in the rd10 mouse model“ widerspiegelt.Dafür untersuchte Eberhart Zrenners Forschungsgruppe die elektrische Erregbarkeit degenerierter Photorezeptoren im Mausmodell der Retinitis pigmentosa. Es zeigte sich, dass selbst stark geschädigte Stäbchen- und Zapfenzellen weiterhin elektrisch aktivierbar sind, wenn sie mit spezifischen Stimulationsparametern angesprochen werden. Diese Erkenntnis war wegweisend: Sie belegte, dass auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien ein funktionelles Restpotenzial in der Retina vorhanden bleibt, auf das sich die Wirksamkeit subretinaler Implantate stützt.
Mit seiner Grundlagen- und klinischen Forschung legte Eberhart Zrenner die wissenschaftliche Basis für das heutige Forschungsfeld der retinalen Neuroprothetik, das sich international zu einem der innovativsten Bereiche der Augenheilkunde entwickelt hat. Die Publikationen des Augenarztes gelten als Referenz für die elektrische Aktivierung neuronaler Netzwerke im degenerierten Auge und zeigen eindrucksvoll, wie präklinische Forschung, technologische Innovation und patientenorientierte Medizin ineinandergreifen können, um neue Wege der visuellen Rehabilitation zu eröffnen.
Werdegang
- seit 2025 Emeritierter Seniorprofessor, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2013-2025 Seniorprofessor, Forschungsinstitut für Augenheilkunde sowie Werner Reichardt Center für Integrative Neurosciences (CIN), Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2007-2012 Gründungsdirektor, Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1991-2007 Geschäftsführender Direktor, Augenklinik, Universitätsklinikum, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1989-2013 Professor für Augenheilkunde, Abteilung III, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1985-1989 Professor, Augenklinik, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
- 1981 Habilitation in Physiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen
- 1973-1985 Postdoktorand sowie Arbeitsgruppenleiter, Max-Planck-Institut für Physiologische und Klinische Forschung, Bad Nauheim
- 1973 Promotion in Humanmedizin, Technische Universität München (TUM)
- 1969-1973 Studium der Humanmedizin und Elektrotechnik, TUM
- 1967-1969 Studium der Humanmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- 1966-1967 Studium der Elektrotechnik, TUM
Funktionen
- seit 2025 Vorsitzender, Stiftung für Medizininnovationen, Tübingen
- seit 2025 Vorstand, Tistou und Charlotte Kerstan Stiftung, Tübingen
- 2018-2022 Mitglied, Scientific Advisory Board, IOB – Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel, Basel, Schweiz
- 2017-2020 Mitglied, Strategiekommission Forschung, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2012-2015 Mitglied, Kuratorium, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart
- 2011-2018 Sprecher, Zentrum für Neurosensorik (ZfN), Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2005-2011 Sprecher, Klinische Forschergruppe (KFO) 134 „Erbliche Netzhautdegenerationen“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2005-2013 Mitglied, Senat, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2005-2018 Vorsitzender, European Vision Institute (EVI), Brüssel, Belgien
- 2004-2015 Mitglied, Fachkollegium „Neurowissenschaften“, DFG
- 2003-2009 Mitglied, Wissenschaftsrat, Köln
- 2002-2004 Leiter, Senatskommission „Medical Engineering“, Helmholtz-Gemeinschaft, Berlin
- 2001-2008 Beirat, Neurowissenschaftliches Forschungszentrum, Berlin
- 1998-2000 Dekan, Medizinische Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1999-2005 Senator, Max-Planck-Gesellschaft, München
- 1997-2004 Sprecher, Sonderforschungsbereich (SFB) 430 „Zelluläre Mechanismen sensorischer Prozesse und neuronaler Mechanismen“, DFG
- 1996-1997 Mitglied, Landesforschungsbeirat Baden-Württemberg
- 1994-1995 Dekan, Medizinische Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1993-2007 Mit-Herausgeber, Vision Research
- 1993-2007 Mit-Herausgeber, Neuro-Ophthalmology
- 1991-2000 Präsident, International Society for Clinical Electrophysiology of Vision
Projekte
- seit 2025 Vorsitzender, Stiftung für Medizininnovationen, Tübingen
- seit 2025 Vorstand, Tistou und Charlotte Kerstan Stiftung, Tübingen
- 2018-2022 Mitglied, Scientific Advisory Board, IOB – Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel, Basel, Schweiz
- 2017-2020 Mitglied, Strategiekommission Forschung, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2012-2015 Mitglied, Kuratorium, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart
- 2011-2018 Sprecher, Zentrum für Neurosensorik (ZfN), Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2005-2011 Sprecher, Klinische Forschergruppe (KFO) 134 „Erbliche Netzhautdegenerationen“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2005-2013 Mitglied, Senat, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2005-2018 Vorsitzender, European Vision Institute (EVI), Brüssel, Belgien
- 2004-2015 Mitglied, Fachkollegium „Neurowissenschaften“, DFG
- 2003-2009 Mitglied, Wissenschaftsrat, Köln
- 2002-2004 Leiter, Senatskommission „Medical Engineering“, Helmholtz-Gemeinschaft, Berlin
- 2001-2008 Beirat, Neurowissenschaftliches Forschungszentrum, Berlin
- 1998-2000 Dekan, Medizinische Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1999-2005 Senator, Max-Planck-Gesellschaft, München
- 1997-2004 Sprecher, Sonderforschungsbereich (SFB) 430 „Zelluläre Mechanismen sensorischer Prozesse und neuronaler Mechanismen“, DFG
- 1996-1997 Mitglied, Landesforschungsbeirat Baden-Württemberg
- 1994-1995 Dekan, Medizinische Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1993-2007 Mit-Herausgeber, Vision Research
- 1993-2007 Mit-Herausgeber, Neuro-Ophthalmology
- 1991-2000 Präsident, International Society for Clinical Electrophysiology of Vision
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- 2025 Wahl in die „Hall of Fame in Ophthalmology“
- 2019 Leaders of Innovation in Ophthalmology Award, Polish Society of Ophthalmic Surgeons, Polen
- 2018 Honorary Member Award, Polish Ophthalmological Society, Polen
- 2017 Ehrenmitgliedschaft und Auszeichnung, ProRetina Deutschland
- 2016 Albrecht-von-Graefe-Medaille, DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft
- 2015 Gold Medal, Saudi Ophthalmological Society (SOS), Saudi-Arabien
- 2014 Reinhard von Koenig Preis, Reinhard von Koenig-Stiftung, Ulm
- seit 2013 Hector Fellow, Hector Stiftung II, Weinheim
- 2012 Ludwig von Sallmann Prize, Dr Ludwig von Sallmann Memorial Fund, Pittsburgh, USA
- 2012 Ehrendoktorwürde, Medical University of Lublin, Lublin, Polen
- 2011 Ehrendoktorwürde, Naresuan University, Phitsanulo, Thailand
- 2011 Innovation Award, European Society of Retina Specialists (EURETINA)
- 2011 Edridge Green Award, Royal College of Ophthalmologists, UK
- 2010 Special Recognition Award, Retina International
- 2009 Claere Jung Preis, Claere Jung Stiftung, Hamburg
- 2009 Karl-Heinz-Beckurts-Preis, Karl-Heinz-Beckurts-Stiftung, Zeuthen
- 2009 Pfizer-Award und Gastprofessur, State University (SUNY), New York City, USA
- 2007 Emiko Adachi-Award, International Society for Clinical Electrophysiology of Vision (ISCEV)
- 2006 Bartimaeus Award, Detroit Institute of Ophthalmology, Detroit, USA
- 2002 Bundesverdienstkreuz am Bande, Bundesrepublik Deutschland
- 2000 Albrecht-von-Graefe-Medaille, DOG
- seit 1999 Mitglied, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften
- 1998 Mitglied, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- 1995 Alcon Research Award, Alcon Research Institute, Genf, Schweiz
- 1979 Franceschetti-Liebrecht-Preis, DOG
- 1976 Fogarty Award, National Institute of Health (NIH), Bethesda, USA