Prof. Dr. Elfriede Aulhorn (✝︎)

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  • Ort Tübingen, Deutschland
  • Wahljahr 1985

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Pathophysiologie des Sehens, insbesondere Gesichtsfeld, Dämmerungssehen, Binokularsehen, Neuroophthalmologie, Sehbehinderung, Verkehrsophthalmologie
Elfriede Aulhorn war Augenärztin und die erste Ordinaria für Augenheilkunde in der Bundesrepublik Deutschland. Ihr Name ist verbunden mit der Pathophysiologie des Sehens, insbesondere der Untersuchung und Beurteilung des Gesichtsfeldes. Auf sie gehen zahlreiche Geräteentwicklungen zurück, unter anderem das Perimeter zur exakten Gesichtsfeldmessung, das Mesoptometer zur Bestimmung des Dämmerungssehens und das Phasendifferenzhaploskop zur Untersuchung des beidäugigen Sehens. Wesentlich waren darüber hinaus ihre Beiträge zur Neuroophthalmologie, zur Verkehrsophthalmologie und zur Sehbehindertenversorgung.
Während ihres Medizinstudiums in Göttingen lernte Elfriede Andreae den Arzt Otfried Aulhorn kennen, der sich als wissenschaftlicher Assistent sinnesphysiologischen Fragen widmete. Sie arbeiteten gemeinsam an der Erforschung des Lesevorgangs. 1947 heirateten sie. Zwei Tage vor der Geburt ihrer Tochter starb Otfried Aulhorn 1948 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung. Elfriede Aulhorn schloss ihr Medizinstudium und ihre Doktorarbeit „Über Fixationsbreite und Fixationsfrequenz beim Lesen gerichteter Konturen“ ab und arbeitete zunächst am Physiologischen Institut, einer Inneren Abteilung und an der Nervenklinik in Göttingen.
Entscheidend für ihre wissenschaftliche Laufbahn wurde der Kontakt mit dem Augenarzt Heinrich Harms, Lehrstuhlinhaber in Tübingen, der am Bau eines exakt messenden Gerätes zur Gesichtsfeldprüfung interessiert war. Diese Aufgabe übernahm Elfriede Aulhorn 1954 und brachte sie erfolgreich ins Ziel. Das „Tübinger Perimeter“ wurde zum Goldstandard der Perimetrie. Darauf lag ihr Forschungsschwerpunkt in ihren ersten Tübinger Jahren.
1961 habilitierte Elfriede Aulhorn sich mit der Arbeit „Über die Beziehung zwischen Lichtsinn und Sehschärfe“. Sie war die vierte Frau, der die Habilitation an der Medizinischen Fakultät in Tübingen gelang. Ihre drei Vorgängerinnen erhielten allerdings keinen Lehrstuhl. 1966 übernahm sie die Leitung der neu geschaffenen Abteilung „Pathophysiologie des Sehens“ an der Augenklinik. Für diese Abteilung wurde 1970 ein eigener Lehrstuhl eingerichtet. Elfriede Aulhorn war die erste Ordinaria für Augenheilkunde in der Bundesrepublik Deutschland. 1974 wurde ihr Bereich um das Fach Neuroophthalmologie erweitert.
Viele weitere Verfahren, die große Bedeutung in der Augenheilkunde erreichten, gehen auf Elfriede Aulhorn zurück, zum Beispiel das Phasendifferenzhaploskop zur Untersuchung des beidäugigen Sehens und das Mesoptometer zur Untersuchung des Dämmerungssehens, das in der Verkehrsophthalmologie eine wichtige Rolle spielt. Daraus ergaben sich weitere Forschungsschwerpunkte.
Ihr war es außerordentlich wichtig, ihre in der Sinnesphysiologie erworbenen Kenntnisse zum Nutzen der Patienten und Patientinnen einzusetzen. Besonders am Herzen lag ihr die Versorgung Sehbehinderter. Sie richtete eine Sprechstunde für Sehbehinderte ein und setzte um, was sie in der Forschung erarbeitet hatte. Noch heute beeinflussen ihre Erkenntnisse die Sehbehindertenbetreuung weltweit. Sehbehinderung und Neuroophthalmologie wurden somit ein weiterer Forschungsschwerpunkt.
Elfriede Aulhorn war und ist an der Tübinger Augenklinik als Wissenschaftlerin, als Ärztin und als Mensch hochgeachtet und verehrt – ein Vorbild für alle, die sie kannten. Nach ihr sind zwei Ehrungen bezeichnet: Zum einen der Elfriede-Aulhorn-Preis, der von der Gesellschaft zur Förderung der neuro-ophthalmologischen Forschung gestiftet wurde, um im Gedenken an die Namensträgerin die Forschung zur Physiologie und Pathophysiologie des Sehens sowie zur Neuroophthalmologie zu unterstützen; und zum anderen veranstaltet die Sektion Neuroophthalmologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft alle zwei Jahre die Elfriede-Aulhorn-Vorlesung als Anerkennung für Verdienste um die Neuroophthalmologie im deutschsprachigen Raum. Zudem ist die Straße, in der die neue Tübinger Augenklinik liegt, nach ihr benannt. Auch in Bietigheim-Bissingen ist sie Namensgeberin einer Straße.
Sie verstarb 1991 nach langer schwerer Erkrankung und ist mit ihrem Vater auf dem Tübinger Bergfriedhof beerdigt.

  • 1989 Emeritierung
  • 1974 Erweiterung der Abteilung „Pathophysiologie des Sehens“ um das Fach Neuroophthalmologie, Augenklinik, Universitätsklinikum, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1970 Berufung als Ordinaria für Augenheilkunde, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1966 Leitung, Abteilung „Pathophysiologie des Sehens“ (neu begründet), Augenklinik, Universitätsklinikum, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1961 Habilitation für das Fach Augenheilkunde, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1954 Beginn der augenärztlichen Ausbildung, Augenklinik, Universitätsklinikum, Eberhard-Karls-Universität Tübingen (bei Prof. Dr. Heinrich Harms)
  • 1950 Medizinisches Staatsexamen und Promotion, Georg-August-Universität Göttingen 

  • 1986 Mitglied, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • 1961 Karl-Liebrecht-Gedächtnis-Preis (für die Habilitationsschrift „Die Beziehung zwischen Lichtsinn und Sehschärfe“), Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)

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