Hans Jensen (✝︎)

Nobelpreis für Physik 1963

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  • Fachbereich Physik
  • Ort Heidelberg, Deutschland
  • Wahljahr 1964

Forschung

Hans Jensen war ein deutscher Physiker. Er forschte vor allem auf den Gebieten der Festkörper- sowie der Kernphysik. Für die Entwicklung eines Schalenmodells des Atomkerns wurde er 1963 gemeinsam mit der Amerikanerin Maria Goeppert-Mayer mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Hans Jensen wurde am 25. Juni 1907 in Hamburg geboren. Er war das dritte Kind des Gärtners Karl Friedrich Jensen und seiner Frau Helene Auguste Adolphine. Nach dem frühen Tod seiner Eltern – die Mutter starb 1922, der Vater ein Jahr später – wurde Hans Jensen von seiner älteren Schwester Lisbeth betreut. Von 1913 bis 1922 besuchte er in Hamburg die Volksschule. Im Anschluss absolvierte er die Aufbauschule, an der er trotz späterer Einschulung aufgrund seiner hohen Begabung mit 18 Jahren das Abitur ablegte. Hans Jensen war mit der Ärztin Elisabeth Jensen verheiratet und hatte eine Tochter. Er starb am 11. Februar 1973 in Heidelberg.

 

Hans Jensen begann im Jahr 1926 ein Studium in den Fächern Physik, Mathematik, Physikalische Chemie sowie Philosophie; zunächst an der Universität Hamburg, später an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Breisgau. 1931 legte er in Hamburg das Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab. Nach seiner Promotion war er als wissenschaftlicher Assistent in Hamburg tätig, wo er sich 1936 habilitierte. Ein Jahr später wurde er Dozent an der Technischen Hochschule Hannover.
Trotz erheblicher Bedenken trat Jensen in die NSDAP ein. Eine Rolle für diese Entscheidung soll auch die Tatsache gespielt haben, dass seine Frau im Fall einer Verweigerung ihr Medizinstudium nicht hätte fortsetzen dürfen. Quellen belegen, dass Jensen selbst – gemeinsam mit Gleichgesinnten – die Deportation eines jüdischen Physikers verhinderte. Nach dem Krieg berichteten holländische Zwangsverschleppte zudem, dass sie ihre Deportation nur durch den Einsatz der Medizinerin Elisabeth Jensen überlebt hatten. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Jensen 1939 Wehrmachtsbeamter im Rang eines Regierungsrats beim Wetterdienst. 1941 wurde er an der Technischen Hochschule Hannover zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach Kriegsende wandte sich Jensen an Werner Heisenberg, der ihm einen so genannten „Persilschein“ ausstellte. Darin bestätigte Heisenberg, dass Jensen menschlich und politisch integer sei und nur deshalb Mitglied der NSDAP geworden war, um unnötige Schwierigkeiten in seiner akademischen Arbeit zu vermeiden und um nach dem vorausgesetzten Ende der Hitler-Ära beim Aufbau einer neuen akademischen Welt zu helfen. 1946 wurde Jensen ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Hannover. Ein Jahr später wechselte er als Honorarprofessor nach Hamburg und folgte 1949 einem Ruf an die Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Dort war er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1969 tätig. Seine Heidelberger Zeit wurde von mehreren Gastprofessuren unterbrochen: So war er jeweils für längere Aufenthalte an der University of Wisconsin in Madison (1951), am Institute for Advanced Study in Princeton (1952), an der University of California in Berkeley (1952), an der Indiana University (1953), am California Institute of Technology in Pasadena (1953), an der University of Minnesota (1956) sowie an der University of California in La Jolla (1961) tätig.

 

Hans Jensen war Mitglied vieler wissenschaftlicher Einrichtungen und Akademien, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1964), der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1949) sowie Korrespondierendes Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft (1960). 1964 erhielt er zudem die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität in Hannover. 1969 wurde Jensen Ehrenbürger der Stadt Fort Lauderdale, Florida, USA. Anlässlich seines 100. Geburtstags im Jahr 2007 wurde das Institutsgebäude für Theoretische Physik der Universität Heidelberg in Jensen-Haus umbenannt.

 

Das Wissen über den Atomkern war nach dem Zweiten Weltkrieg bereits relativ groß. Sein Aufbau jedoch war zu jener Zeit noch unbekannt. Die Aufstellung eines Kernmodells zu seiner Erklärung lösten die Amerikanerin Maria Goeppert-Mayer und Hans Jensen im Jahr 1949 unabhängig voneinander. Mit Hilfe des von beiden aufgestellten Schalenmodells unter Berücksichtigung der Spin-Bahn-Kopplung konnte eine große Menge bis dahin brachliegenden empirischen Materials qualitativ verstanden werden. Die Vorhersagen des Schalenmodells ermöglichten die Erklärung und Bestimmung einer Vielzahl von Kerneigenschaften wie etwa der Drehmomente und der Spiegelsymmetrien vieler stabiler und radioaktiver Kerne. Da die Wechselwirkungen zwischen den Nukleonen in der Betrachtung vernachlässigt wurden, stellt das Schalenmodell nur eine Näherung dar. Aus diesem Grund können mit seiner Hilfe auch nicht alle Eigenschaften der Kerne erklärt werden. Für die Entwicklung des Schalenmodells der Atomkerne erhielt Hans Jensen gemeinsam mit der Amerikanerin Maria Goeppert Mayer im Jahr 1963 den Nobelpreis für Physik. 

 

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