Prof. Dr. Jutta Schickore

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  • Fachbereich Wissenschafts- und Medizingeschichte
  • Ort Bloomington, IN, Vereinigte Staaten
  • Wahljahr 2025

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Wissenschaften, Philosophie der Wissenschaften, Methodologien empirischer Forschung

Jutta Schickore ist eine deutsche Philosophin, deren Forschung sich auf die Geschichte und Philosophie wissenschaftlicher Methoden konzentriert. Dabei beschäftigt sie sich sowohl mit den empirischen Wissenschaften des 18. und 19. Jahrhunderts als auch mit der heutigen Forschungspraxis.

Einige Grundfragen der Wissenschaftsphilosophie sind auch für die Organisation wissenschaftlicher Arbeit von zentraler Bedeutung: Wie führt man Experimente am besten durch, wie sichert man sie ab? Woran erkennt man aussagekräftige empirische Ergebnisse? Wie entstehen Hypothesen, wie prüft man sie? Und kann wissenschaftliches Wissen je gewiss sein? Die Antworten auf solche grundsätzlichen Fragen nennt Jutta Schickore „Arbeitsphilosophien“ („working philosophies“), weil sie die alltägliche Forschungspraxis mit grundsätzlichen wissenschaftstheoretischen Überlegungen verbinden. Solche Arbeitsphilosophien und ihre Geschichte stehen im Zentrum von Jutta Schickores Arbeit.

Entsprechend beschäftigt sie sich weniger mit den bekannten Philosophen des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts wie Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte oder Friedrich Schelling. Denn die waren zwar wissenschaftlich sehr interessiert, haben aber wenig zur Diskussion über praktische Fragen des Experimentierens oder Prüfens von Hypothesen beigetragen. Stattdessen untersucht die Forscherin Texte, die in der Geschichte der Wissenschaftsphilosophie bisher kaum zur Kenntnis genommen wurden. Dazu gehören Methodenkapitel wissenschaftlicher Handbücher und Einführungen in die „angewandte“ Logik. Diese Texte behandeln systematisch Themen wie Kontrollexperimente und andere Experimentalstrategien, Kausalbeziehungen, Hypothesen, Zuverlässigkeit und Replizierbarkeit. Damit schlagen sie eine Brücke zwischen dem frühneuzeitlichen Blick auf die Wissenschaft und moderner Wissenschaftstheorie. 

Vor allem interessiert sich Jutta Schickore in diesem Zusammenhang für Wissenschaftszweige wie Pharmakologie, Veterinärmedizin, Kriminalpsychologie oder Pädagogik, die sich mit praktischen Problemen des täglichen Lebens befassen. In ihrem 2017 erschienenen Buch „About Method“ zeichnet sie zum Beispiel die Geschichte der Schlangengift-Forschung von 1660 bis ins 20. Jahrhundert nach. Experimente mit gefährlichen Reptilien und ihren Giften waren seit jeher herausfordernd und umstritten. Deshalb haben Forscherinnen und Forscher entsprechende Versuche schon im 17. Jahrhundert akribisch dokumentiert. An diesen sehr detaillierten Aufzeichnungen lässt sich besonders gut nachvollziehen, wie sich die Vorstellung von wissenschaftlichem Arbeiten über die Jahrhunderte verändert hat.

Weitere Schwerpunkte von Jutta Schickores Forschung sind die Geschichte der Mikroskopie, die Rolle von Unsicherheit, Fehlern und Irrtümern in der Wissenschaft und die wechselhafte Beziehung zwischen Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

  • seit 2018 Ruth N. Halls Professorin für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften und Medizin, Indiana University, Bloomington, USA
  • 2009-2017 Professorin für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften und Medizin, Indiana University, Bloomington, USA
  • seit 2006 Außerplanmäßige Professorin für Philosophie, Indiana University, Bloomington, USA
  • 2004-2009 Assistenzprofessorin für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften und Medizin, Indiana University, Bloomington, USA
  • 2001-2004 Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Wellcome Research Fellow), Department of History and Philosophy of Science, University of Cambridge, Cambridge, UK
  • 1999-2001 Postdoktorandin, Dibner Institute for the History of Science and Technology, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA
  • 1997-1999 Postdoktorandin, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
  • 1996 Promotion in Philosophie, Universität Hamburg

  • seit 2025 Leiterin, Department of History and Philosophy of Science and Medicine, Indiana University, Bloomington, USA
  • seit 2025 Mitglied, Advisory Board, Institute for Studies of Science (ISoS), Universität Bielefeld
  • seit 2024 Mitherausgeberin, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte
  • 2020-2024 Mitglied, Governing Board, Philosophy of Science Association (PSA), Cincinnati, USA
  • 2019-2023 Leiterin, Department of History and Philosophy of Science and Medicine, Indiana University, Bloomington, USA

  • 2019-2023 Koordinatorin, Research Group „Rigor: Control, analysis and synthesis in historical and systematic perspectives“, Indiana University, Bloomington, USA, sowie Mellon Foundation, New York City, USA
  • 2019-2021 Co-Antragstellerin, Grant „From Unification to Pluralism. The Future of Integrated History and Philosophy of Science“, National Science Foundation (NSF), USA
  • 2015-2017 Co-Antragstellerin, Grant „Understanding scientists' views of good research practice“, NSF, USA
  • 2010-2011 Co-Koordinatorin, Sawyer Seminar „Rupture and Flow: The Circulation of Technoscientific Facts and Objects“, Andrew W. Mellon Foundation, New York City, USA

  • seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2024-2025 Fellow, Wissenschaftskolleg zu Berlin
  • 2017-2018 Fellow, Institute for Advanced Study, School of Historical Studies, Princeton, USA
  • 2011 Fellow, National Humanities Center, Research Triangle Park, USA
  • 2009 Paul-Bunge-Preis, Hans R. Jenemann Stiftung, Deutsche Bunsen-Gesellschaft sowie Gesellschaft Deutscher Chemiker
  • 2007-2008 Fellow, Institute for Advanced Study, School of Historical Studies, Princeton, USA
  • 2006 Outstanding Junior Faculty Award, Indiana University, Bloomington, USA

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