Prof. Dr. Karl-Heinz Leven

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  • Fachbereich Wissenschafts- und Medizingeschichte
  • Ort Erlangen, Deutschland
  • Wahljahr 2011

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Seuchen, antike und byzantinische Medizin, Fakultätsgeschichte, Medizin im Nationalsozialismus, Geschichte der Medizinethik, Medizin und Krieg

Karl-Heinz Leven ist ein deutscher Medizinhistoriker, der sich mit unterschiedlichen Epochen beschäftigt. Die antike und die byzantinische Medizin gehören ebenso zu seinen Forschungsgebieten wie die Geschichte moderner medizinischer Fakultäten und Einrichtungen oder die Medizin im Nationalsozialismus. Zudem interessiert er sich für epochenübergreifende Themen wie die Geschichte der Seuchen, der Medizinethik oder der Medizin im Krieg. 

Im Jahr 2005 hat der Forscher das erste Lexikon zur antiken Medizin herausgegeben, an dem mehr als 80 Fachleute aus Europa und den USA mitgearbeitet haben. Darin finden sich über 1.000 Artikel, die zahlreiche Facetten des Themas erläutern. Das Spektrum reicht von bedeutenden Ärzten der Antike wie Hippokrates von Kos und Galenos von Pergamon über medizinische Schriften wie den „Corpus Hippocraticum“ bis hin zu den damals verwendeten Heilpflanzen und Arzneimitteln. Auch Untersuchungstechniken und Behandlungsmethoden, Krankenpflege und Tod gehören zu den Themen. 

In der Geschichte der antiken Medizin findet Karl-Heinz Leven Anknüpfungspunkte, die bis in die Gegenwart relevant sind. So hat er sich ausführlich mit dem Hippokratischen Eid beschäftigt, der nach dem griechischen Arzt Hippokrates benannt wurde und als wichtige Grundlage der medizinischen Ethik gilt. Karl-Heinz Leven hat untersucht, wie diese Schrift das Selbstbild von Ärztinnen und Ärzten im 20. Jahrhundert beeinflusst hat. 

Auch mit praktischen medizinischen Problemen ist die Menschheit bereits seit vielen Jahrhunderten konfrontiert. Zum Beispiel mit Seuchen, die sich im Handumdrehen ausbreiteten und zahllose Opfer forderten. Schon aus der Antike gibt es Berichte über Pest und Pocken, im 14. Jahrhundert wütete der „Schwarze Tod“ in großen Teilen Europas, im 19. Jahrhundert griff die Cholera um sich. Bei der Analyse solcher Ereignisse findet Karl-Heinz Leven eine Reihe von Parallelen zu heutigen Entwicklungen wie der Coronavirus-Pandemie. So sind solche fulminanten Krankheitsausbrüche seit jeher nicht nur eine Herausforderung für Wissenschaft und Medizin, sondern auch für die Gesellschaft. So können solche zeiten den sozialen Zusammenhalt sowohl stören als auch stärken und auch – mit Blick auf künftige Krisen – Innovationsprozesse in Gang setzen. Nach der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 Millionen von Menschen getötet hat, stieg das Wissen über solche Infektionen und die damit einhergehenden Erkrankungen deutlich, so dass in den 1940er Jahren die ersten Menschen gegen Influenza geimpft werden konnten.

Bei seiner Arbeit spürt der Medizinhistoriker aber nicht nur solchen internationalen Entwicklungen nach, sondern untersucht auch die Vergangenheit einzelner Institutionen. Zum 200. Geburtstag des Universitätsklinikums Erlangen hat er zum Beispiel dessen Geschichte seit der Gründung im Jahr 1815 nachgezeichnet, von 2016 bis 2018 arbeitete er an einem Band zur Geschichte der 275 Jahre alten Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Zudem hat er in einem Forschungsteam untersucht, welche Rolle Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Nationalsozialismus gespielt haben. 

  • seit 2009 Professor für Geschichte der Medizin und Direktor, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • 2006-2009 Stellvertretender Direktor, Institut für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1999-2009 Akademischer Rat und Außerplanmäßiger Professor, Institut für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1995-1999 Oberassistent, Institut für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1993 Privatdozent für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1993 Habilitation für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1988-1995 Wissenschaftlicher Assistent, Institut für Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1987-1988 Wissenschaftlicher Angestellter, Institut für Geschichte der Medizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 1987 Promotion zum Dr. med., Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 1986-1987 Stabsarzt der Bundeswehr, Mitarbeiter, Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA), Freiburg im Breisgau
  • 1985 Approbation als Arzt
  • 1980-1985 Geisteswissenschaftliches Parallelstudium Geschichte und Klassische Philologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • 1977-1985 Studium der Humanmedizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

  • 2009-2024 Mitglied, Beirat, Mediävistikverband, Frankfurt am Main
  • 2022-2023 Senior Research Fellow, Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)
  • seit 2021 Mitglied ex officio, Wissenschaftlicher Beirat, Akademievorhaben „Ernst Haeckel (1834-1919): Briefedition“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2021 Beauftragter der Leopoldina, Akademienprogramm, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sowie Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2002 Mitherausgeber, Medizinhistorisches Journal
  • seit 1999 Herausgeber, Monographien-Reihe „Medizingeschichte im Kontext“

  • seit 2025 Leiter, Projekt „Die Siemens-Reiniger-Werke im Kontext der Medizin im Nationalsozialismus“, Siemens Healthineers, Erlangen
  • 2021-2026 Co-Leiter, Projekt „Biographische Studien zu Leopoldina-Mitgliedern im Nationalsozialismus“, VolkswagenStiftung, Hannover
  • 2020-2022 Leiter, Projekt „Die baden-württembergischen Hausärzte und ihr Landesverband (1966-2020)“, Stuttgart
  • 2019-2021 Leiter, Projekt „Humanpräparate aus der Zeit des Nationalsozialismus…“, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • 2016-2018 Leiter, Projekt „275 Jahre Medizinische Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg“
  • seit 2014 Leiter, Projekt „NS-‘Euthanasie‘ in Erlangen – T4-Aktion und B-Kost“
  • 2013-2020 Leiter, Projekt „Gruppenbiographische Studien zu KZ-Ärzten…“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2013-2015 Leiter, Projekt „200 Jahre Universitätsklinikum Erlangen“
  • 2011-2013 Leiter, Projekt „Ernst Wilhelm Baader (1892-1962)…“, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
  • seit 2008 Leiter, Projekt „Galen – Handbuch und Repertorium der galenischen Schriften“, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 2008-2009 Projekt „Krieg und medikale Kultur…“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

  • seit 2011 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

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