Prof. Dr. Katja Becker
- Fachbereich Mikrobiologie und Immunologie
- Ort Gießen, Deutschland
- Wahljahr 2009
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Infektionskrankheiten, Malaria, Tumorerkrankungen, Redoxnetzwerke, Enzymsysteme, oxidativer Stress, antioxidative Schutzmechanismen, rationales Drug-Design
Katja Becker ist Medizinerin und Biochemikerin. Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Entwicklung neuer Medikamente gegen Malaria. Grundlage dafür ist die Charakterisierung von zellulären Netzwerken, die für Reduktions-Oxidations-Reaktionen verantwortlich sind, sowie die detailgenaue Analyse von Enzymen des Malariaerregers. Katja Becker ist seit dem 1. Januar 2020 Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und wirkt als erste Wissenschaftlerin in diesem Amt.
Tropische Malaria bedroht fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Eine Herausforderung für die Medizin sind die zunehmenden Resistenzen des Erregers Plasmodium falciparum gegen bestehende Medikamente. Katja Becker sucht in den zellulären Netzwerken nach neuen Angriffspunkten für Medikamente. Sie konzentriert sich dabei auf Redox-Reaktionen, die die Grundlage für die Energiespeicherung und -umwandlung im Körper bilden. Hierbei gibt ein Stoff Elektronen ab (Oxidation), ein anderer nimmt sie auf (Reduktion). Ihre wichtigsten Arbeiten charakterisieren die Redoxnetzwerke des Menschen, der Taufliege Drosophila melanogaster sowie des Malariaparasiten Plasmodium falciparum.
Der Malariaerreger Plasmodium falciparum ist besonders anfällig für die toxische Wirkung von oxidativem und nitrosativem Stress. Die menschlichen Zellen hingegen haben eine Reihe von Antioxidationssystemen entwickelt, mit denen sie auf toxische Substanzen reagieren und sich schützen. Eine besondere Rolle in der „Verteidigungslinie“ der Zelle gegen oxidativen Stress spielen die Enzymsysteme Thioredoxinreduktase (TrxR) und Glutathionreduktase (GR). Diese Enzyme gelten als vielversprechende Zielmoleküle für die Medikamentenentwicklung. Katja Becker konnte diese molekularen Systeme aufklären und hat ihre Bedeutung für die Therapie erkannt. Durch diesen Ansatz des rationalen Drug-Designs sollen antiinfektive Substanzen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, wie beispielsweise der tropischen Malaria, entwickelt werden können.
Aufbauend auf ihren Auslandsaufenthalten setzt sich Katja Becker für die globale Vernetzung in der Wissenschaft ein, etwa durch die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden aus Afrika, und wirkt als Mentorin für junge Akademikerinnen. Als Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) setzte sie in ihrer ersten Amtszeit (2020 bis 2023) vor allem starke Akzente bei der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie sowie bei der geschlossenen Reaktion der Wissenschaftsorganisationen auf die russische Invasion in der Ukraine. Die zweite Amtszeit, die 2024 begann, gilt insbesondere der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen und der Internationalisierung deutschen Wissenschaftssystems. Von 2021 bis 2023 war Katja Becker Vorsitzende des Global Research Council.
Werdegang
- seit 2020 Präsidentin, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2005-2006 Forschungsaufenthalt, Proteomic Mass Spectrometry Lab, Scripps Research Institute, La Jolla, USA
- seit 2000 Professorin für Biochemie und Molekularbiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen
- 1999-2000 Nachwuchsgruppenleiterin, Zentrum für Infektionsforschung, Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg
- 1998 Facharztprüfung für Biochemie, Universität Heideberg
- 1996 Habilitation in Biochemie, Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg
- 1994 Forschungsaufenthalt, University of Sydney, Sydney, Australien
- 1993-1999 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Biochemie, Universität Heidelberg
- 1993 Approbation
- 1988-1993 Klinische Ausbildung und Forschungsaufenthalte im internationalen Raum (Royal Flying Doctor Service, Australien, Kantonsspital Basel, Basel, Schweiz, John Radcliffe Hospital, Oxford, UK, Nigeria, Ghana)
- 1988 Promotion, Institut für Biochemie, Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg
- 1984-1991 Studium der Humanmedizin, Universität Heidelberg
Funktionen
- 2021-2023 Vorsitzende, Global Research Council (GRC)
- 2020-2023 Vorsitzende, Interdisziplinäre Kommission für Pandemieforschung, DFG
- 2017-2018 Mitglied, Runder Tisch „Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“, Bundesregierung
- 2016-2020 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Zentrum für Infektionsforschung, JMU Würzburg
- 2015-2017 Deutsche Abgeordnete, Scientific Committee, European Cooperation in Science and Technology (COST), Brüssel, Belgien
- 2014-2019 Vizepräsidentin, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2013-2019 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Kerckhoff Herzforschungsinstitut (KHFI), Bad Nauheim
- 2009-2012 Vizepräsidentin für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Justus-Liebig-Universität Gießen
- 2007-2014 Sprecherin, Sektion „Bioressourcen und Biotechnologie“, Giessen Graduate Center for the Life Sciences (GGL), Gießen
- 2007-2010 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Zentrum für Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung, Gießen
- 2004-2005 Sprecherin, Interdisziplinäres Forschungszentrum, Justus-Liebig-Universität Gießen
Projekte
- 2018-2019 Initiatorin sowie Sprecherin, LOEWE-Zentrum „Novel Drug Targets against Poverty-related and Neglected Tropical Infectious Diseases (DRUID)“, Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE), Hessen
- 2014-2019 Initiatorin sowie Sprecherin, Schwerpunktprogramm (SPP) 1710 „Dynamics of Thiol-based Redox Switches in Cellular Physiology“, DFG
- Beteiligte Wissenschaftlerin, verschiedene Verbundprojekte, dar. SPP 1087 „Selenoproteine – Biochemische Grundlagen und klinische Bedeutung“, Sonderforschungsbereich (SFB) 535 „Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Pathogenen“, SFB 544 „Kontrolle tropischer Infektionskrankheiten“, alle DFG
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- 2010 Rudolf-Leuckart-Medaille, Deutsche Gesellschaft für Parasitologie
- seit 2009 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- 2003 Carus-Medaille und Carus-Preis (2004), Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie Stadt Schweinfurt
- 2000-2005 Mitglied, Junge Akademie, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sowie Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- 1994 Forschungsstipendium, Boehringer Ingelheimer Fonds, Mainz
- 1989 Ludolf-Krehl-Preis, Süddeutsche Gesellschaft für Innere Medizin, Schechingen
- 1984-1986 Förderung, Studienstiftung des Deutschen Volkes
- Allianz der Wissenschaftsorganisationen (ex officio)
- Vizepräsidentin, Alexander von Humboldt Stiftung, Bonn (ex officio)
- Deutsche Gesellschaft für Parasitologie
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit
- Kuratorium, Deutscher Zukunftspreis, Bundespräsident (ex officio)
- Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Frankfurt am Main
- Preisrichterkollegium, Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Stuttgart (ex officio)
- Ehrenpräsidentin, Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie, Köln (ex officio)
- General Assembly, Science Europe (ex officio)
- Society for Free Radical Research International (SFFRI)
- Mitglied, Vorstand, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (ex officio)
- Mitglied, Vorstand, Stiftung Werner-von-Siemens-Ring, Berlin (ex officio)
- Mitglied, Council sowie Board, STS forum (Science and Technology in Society forum) (ad personam)
- Kuratorium, Studienstiftung des deutschen Volkes (ex officio)
- Wissenschaftlicher Beirat, Fritz Thyssen Stiftung, Köln (ad personam)
- Wissenschaftlicher Beirat, Wissenschaft im Dialog (WiD) gGmbH Berlin (ex officio)
- Mitglied, Mitgliederversammlung, Wissenschaftskolleg (ex officio)