Lucas Schroeck (✝︎)
IV. Präsident der Leopoldina (1693-1730)
- Ort Augsburg, Deutschland
- Wahljahr 1677
Forschung
Zur Person
Lucas Schroeck wurde am 20. September 1646 als zweites Kind des Mediziners Lucas Schroeck d.Ä. und dessen Frau, Anna-Maria Welsch, in Augsburg geboren. Die Mutter starb bereits 1652.
Am 16. Mai 1678 heiratete Lucas Schroeck Anna-Catharina Pfanzelt. Das Paar bekam am 25. Januar 1679 einen Sohn, der nach kaum einem Jahr verstarb.
1687 wurde Lucas Schroeck aufgrund seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben.
Er starb am 3. November 1730 in seiner Geburtsstadt Augsburg, der er seine rund 2.000 Bände umfassende Privatbibliothek hinterließ. Sie befindet sich heute in der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek.
In Augsburg wurde eine Straße nach Lucas Schroeck benannt.
Werdegang
Lucas Schroeck studierte an der Universität Jena Medizin und erwarb 1669 in diesem Fach das Lizentiat. Im Anschluss unternahm er die zu jener Zeit als Bildungsreise für Söhne höherer Stände übliche Grand Tour. Sie führte ihn durch Deutschland und Italien.
Nach seiner Rückkehr setzte Lucas Schroeck sein Studium in Jena fort. 1669 promovierte er dort mit einer Arbeit über Moschustiere unter dem Titel „De Moscho“. Im Anschluss ließ er sich in Augsburg als praktischer Arzt nieder. Wenig später wurde er durch den Rat der Stadt Augsburg zum Medicus des städtischen Hospitals berufen.
Ab 1673 verantwortete er mehrere Ausgaben der „Pharmacopoeia Augustana“, einer Übersicht der zugelassenen Arzneimittel. In diesen Darstellungen schrieb er Regeln zur Herstellung und Lagerung von Arzneimitteln sowie zu den bei ihrer Herstellung verwendeten Stoffen, Materialien und Methoden nieder.
Im August 1677 wurde Schroeck als Mitglied in die Leopoldina aufgenommen. In der Akademie zeigte er schnell eine hohe Aktivität: 1681 wurde er Adjunkt, seit 1685 fungierte er als Herausgeber der Zeitschrift „Ephemeriden“.
1687 erhielt er die Berufung zum kaiserlichen Leibarzt. Darüber hinaus wurde er durch die Erhebung in den Adelsstand hoffähig. 1712 wurde er in Augsburg zum ersten Stadthysicus ernannt. Außerdem war er insgesamt sieben Mal Dekan des dortigen Collegium Medicum.
Präsidentschaft an der Leopoldina
Nach dem Tod des III. Präsidenten der Akademie, Johann Georg Volckamer, wurde Lucas Schroeck 1693 zu deren IV. Präsidenten gewählt. Er gab sich den Beinamen Celsus I. Mit seiner Amtsübernahme zog die Leopoldina von Nürnberg nach Augsburg um.
Lucas Schroeck gilt als einer der aktivsten und tatkräftigsten Präsidenten der Frühzeit der Leopoldina. Von Anfang an lag ihm die Dokumentation der Akademiegeschichte am Herzen. 1694 begann er das sogenannte Protocollum, in dem er chronikartig über wichtige Begebenheiten im Schaffen der Akademie berichtete. In dieser Publikation wies er Lücken in der Dokumentation der bisherigen Akademiegeschichte hin, die bereits bei seinem Amtsantritt bestanden. Diese wollte er mit seiner Arbeit ausgleichen. Insofern gehört das Protocollum im Verbund mit dem Matrikelverzeichnis und vielen überlieferten Briefen zu den bedeutendsten historischen Quellen zur frühen Geschichte der Akademie.
Zugleich stellt das Protocollum mehr als ein historisches Dokument dar. Darin sind auch die von den frühen Präsidenten niedergelegten Ansprüche und Arbeitsweisen der Akademie enthalten, deren Gültigkeit bis heute ausstrahlt. Hierzu zählt insbesondere der angestrebte Erkenntnisgewinn in Naturwissenschaft und Medizin, der – geprägt vom wissenschaftlichen Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg – darauf gerichtet ist, zum Wohle der Menschheit beizutragen.