Prof. Dr. Sir Martin Ryle (✝︎)

Nobelpreis für Physik 1974

Seite teilen

  • Ort Cambridge, Vereinigtes Königreich
  • Wahljahr 1974

Forschung

Sir Martin Ryle war ein britischer Astrophysiker. Er entwickelte ein neuartiges Radioteleskop-System, mit dem sich die Position schwacher Radioquellen genau bestimmen ließ. Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Radioastrophysik wurde er 1974 gemeinsam mit Antony Hewish mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Martin Ryle wurde am 27. September 1918 als zweites von fünf Kindern von John A. Ryle und seiner Frau Miriam Scully in Brighton geboren. Sein Vater war der erste Inhaber des Lehrstuhls für Sozialmedizin an der University of Oxford. Sein Onkel Gilbert Ryle hatte ebenfalls einen Lehrstuhl in Oxford und gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Martin Ryle, seine beiden Brüder sowie die beiden Schwestern wurden anfangs von einer Hauslehrerin unterrichtet. Später ging Martin auf die Gladstone´s Preparatory School in London. Als 13-Jähriger wechselte er ans Bradfield College in Bradfield, Berkshire, das er 1936 abschloss. Dort entwickelte sich sein Interesse für Radiotechnik. 1947 heiratete er Rowena Palmer. Das Paar bekam die Töchter Alison und Claire sowie den Sohn John. In seinen späteren Lebensjahren setzte Ryle sich für die nukleare Abrüstung ein. Er war Funkamateur und baute kleine Boote, mit denen er selbst segelte. Martin Ryle starb am 14. Oktober 1984 in Brighton. Sein Konterfei ist auf einer 2009 erschienen, zu einem Satz bedeutender Briten gehörigen Briefmarke zu sehen.

Martin Ryle begann 1936 ein Physikstudium am zur University of Oxford gehörigen College in Christchurch. Dort baute er gemeinsam mit Kommilitonen eine Amateurradiostation auf. Er schloss sein Studium 1939 ab. Während des Zweiten Weltkriegs war er an der Entwicklung des Radars beteiligt. Nach dem Krieg ging er – ausgestattet mit einem Stipendium – an das Cavendish Laboratory der University of Cambridge. Dort war er von 1948 bis 1959 Dozent. Zunächst arbeitete er über Radiowellen und konzentrierte sich später auf die Entwicklung von Radioteleskopen. 1957 wurde er Direktor des Mullard Radio Astronomy Observatory in Cambridge. 1959 erhielt er eine Professur für Radioastronomie am Trinity College der University of Cambridge. Von 1972 bis 1982 war er Königlicher Astronom.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Ryle zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Hughes Medal der Royal Society London (1954), Van der Pol Medal (1963), Gold Medal der Royal Astronomical Society, London (1964), Henry Draper Medal der U.S. National Academy of Sciences sowie den Holweck-Preis der Societé Française de Physique (beide 1965), Morris N. Liebmann Award und die Faraday Medal der Institution of Electrical & Electronic Engineers, außerdem die Popov-Medaille der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Michelson Medal, Franklin Institute (alle 1971), Royal Medal der Royal Society of London (1973) und die Bruce Medal der Astronomical Society of the Pacific (1974). Er war Mitglied vieler Akademien und wissenschaftlicher Einrichtungen, darunter der Royal Society London (1952), der Königlich-Dänischen Akademie der Wissenschaften (1968), der American Academy of Arts and Sciences (1970), der Akademie der Wissenschaften der U.d.S.S.R. (1971) und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1974). Er war Ehrendoktor der Universitäten von Strathclyde in Glasgow (1968), Oxford (1969) und der Nikolaus-Kopernikus-Universität Torun, Polen (1973).

 

Martin Ryle wollte die technischen Möglichkeiten von Radioteleskopen verbessern. Er entwickelte die Apertur-Synthese-Technik. Mit ihrer Hilfe konnten mehrere Radioteleskope zusammengeschaltet werden. So ließ sich eine hohe Auflösung erreichen, so dass auf Himmelskörpern winzige Details erkennbar wurden. Ryle arbeitete zunächst mit Parabolantennen, die wie eine Schüssel geformt sind und die Radiosignale zu einem einzelnen, zentralen Dipol reflektieren. Ihr Auflösungsvermögen wird von ihrem Durchmesser, der so genannten Apertur, bestimmt. Da die Herstellung vor allem großer Parabolantennen aufwendig und kostspielig ist, wählte Ryle einen anderen Weg. Er schaltete auf einer Strecke von fünf Kilometern mehrere räumlich verteilte Teleskope zusammen. Dieses Prinzip führte zu einer neuen Dimension der Auflösung. Inzwischen ist es möglich, Teleskope über extreme Distanzen zusammenzuschalten, so dass virtuell riesige Antennen entstehen. Durch Ryles Arbeiten wurde die physikalische Charakterisierung von Sternen und Sternsystemen enorm vorangetrieben. Für seine Arbeiten in der Radioastrophysik wurde Martin Ryle 1974 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung wurde erstmals in der Geschichte ein Nobelpreis für astronomische Forschungen verliehen.

Die Leopoldina verwendet Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig (funktionale Cookies), während andere nicht notwendig sind, uns aber helfen unser Onlineangebot zu verbessern und wirtschaftlich zu betreiben. 

Sie können in den Einsatz der nicht notwendigen Cookies mit dem Klick auf die Schaltfläche "Alle Akzeptieren" einwilligen oder per Klick individuelle Einstellungen vornehmen und diesen per “Auswahl übernehmen” zustimmen. 

Sie können diese Einstellungen jederzeit aufrufen und Cookies auch nachträglich abwählen.

Funktional

Diese Cookies sind technisch erforderlich, um folgende Kernfunktionalitäten der Website bereitstellen zu können:

  • Darstellung der Website
  • Anonymisierung von IP-Adressen innerhalb von Logfiles
  • Status-Cookie-Zustimmung
Komfort

Neben notwendigen Cookies setzen wir zudem Cookies ein, um Ihnen die Nutzung der Website angenehmer zu gestalten. Akzeptieren Sie diese Cookies, werden externe Medien ohne weitere Zustimmung von Ihnen geladen.

Tracking

Mithilfe von Statistik-Cookies können wir die Inhalte und Services unserer Website besser an Ihre Interessen und Bedürfnisse anpassen. Für Statistiken und Auswertungen setzen wir das Produkt etracker ein.

Warnung vor externen Links

Die Nutzung dieses Teildienstes erfordert ihre Einwilligung in die Verarbeitung zusätzlicher personenbezogener Daten durch einen selbständigen Verantwortlichen: Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gelten folgende Datenschutzhinweise: https://matterport.com/de/node/44. Mit der Einwilligung durch Klick auf „Ok“ kann auch eine Übermittlung von personenbezogenen Daten in ein Land außerhalb der Europäischen Union erfolgen. Die Einwilligung ist freiwillig. Eine Ablehnung führt zu keinen Nachteilen. Eine erteilte Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Ich bin damit einverstanden, dass bei Nutzung dieses Teildienstes zusätzliche personenbezogene Daten verarbeitet werden. Dabei verarbeitete Datenkategorien: technische Verbindungsdaten des Serverzugriffs (IP-Adresse, Datum, Uhrzeit, abgefragte Seite, Browser-Informationen), Daten zur Erstellung von Nutzungsstatistiken und Daten über die Nutzung der Website sowie die Protokollierung von Klicks auf einzelne Elemente. Zweck der Verarbeitung: Auslieferung von Inhalten, die von Dritten bereitgestellt werden. Rechtsgrundlage für die Verarbeitung: Ihre Einwilligung nach Art. 6 (1) a DSGVO, Art. 49 DSGVO. Verantwortlicher für die Datenverarbeitung Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gilt die Datenschutzerklärung von Matterport Inc.: https://matterport.com/de/node/44.

Seite besuchen ▸