Prof. Dr. Vladimir Prelog (✝︎)

Nobelpreis für Chemie 1975

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  • Fachbereich Chemie
  • Ort Zürich, Schweiz
  • Wahljahr 1963

Forschung

Vladimir Prelog war ein Schweizer Chemiker mit kroatischen Wurzeln. Er beschäftigte sich unter anderem mit der Systematisierung der Stereochemie und leistete umfangreiche Arbeiten über Alkaloide und Antibiotika. Für seine Arbeiten zur Stereochemie organischer Moleküle und Reaktionen wurde Prelog 1975 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Vladimir Prelog wurde am 23. Juli 1906 als Sohn des Lehrers Milan Prelog und seiner Frau Mara Cettolo in Sarajevo geboren. Am 28. Juni 1914 wurde er in Sarajevo Augenzeuge des Attentats auf den Kronprinzen Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie. Ein Erlebnis, das dafür sorgte, dass Prelog auch in späteren Jahren Massendemonstrationen mied, selbst dann, wenn sie für einen guten Zweck waren. 1915 wurde die Ehe seiner Eltern geschieden. Vladimir zog nach Zagreb und wurde dort von seiner Tante Olga Prelog, einer Lehrerin, erzogen, die auch großen Einfluss auf seine intellektuelle Entwicklung hatte. 1918 wurde Prelogs Vater Leiter eines Mädchen-Gymnasiums im kroatischen Osijek, wo dann auch Prelog das Gymnasium besuchte.

Prelog studierte ab 1924 an der Technischen Hochschule in Prag. Dort wurde er 1929 zum Dr. Ing. promoviert und arbeitete zunächst als wissenschaftlicher Assistent. 1935 wechselte er an die Universität Zagreb und arbeitete dort bis 1940 als Dozent im Bereich Chemie. 1941 lud ihn der Nobelpreisträger Leopold Ruzicka an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) nach Zürich ein. Grund dafür war auch, dass Prelog Zagreb verlassen wollte, nachdem dort die Nationalsozialisten einmarschiert waren. In Zürich war er zunächst als Dozent tätig, 1950 erhielt er dort eine Professur für Chemie. Zu Beginn der 1950er Jahre bekam er einen Ruf an die Harvard University, den er aber nicht annahm. 1957 wurde er Chef des Labors für Organische Chemie an der ETH in Zürich und trat damit die Nachfolge des Nobelpreisträgers Leopold Ruzicka an. 1976 wurde Prelog emeritiert.

Für seine Arbeiten erhielt Prelog zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Werner-Medaille und Preis der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft (1946), Stas-Medaille sowie Ehrenmedaille der William Marsh Rice University, Houston (beide 1962), Marcel-Benoist-Preis der Schweizer Marcel-Benoist-Stiftung (1965), Davy Medal (1967), August-Wilhelm-von-Hofmann-Medaille für Chemie (1968), ACS Roger Adams Medal (1969) sowie die Paracelsus-Medaille (1976). Er war Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien und Vereinigungen, darunter der Accademia dei Lincei, American Academy of Arts and Sciences, Boston (1960), US-National Academy of Sciences (1961), Royal Society London (1962), Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1963), Königlich-Dänische Akademie der Wissenschaften, Königlich Irische Akademie der Wissenschaften sowie der Russischen Akademie der Wissenschaften. Viele Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter die in Zagreb, Liverpool und Paris sowie das Weizmann-Institut in Rehovot, Israel.

Vladimir Prelog arbeitete im Bereich von Naturstoffchemie und Stereochemie. Ihm gelang unter anderem die Strukturaufklärung von Alkaloiden. Die physiologische Wirkung solcher Verbindungen ist an einen bestimmten räumlichen Aufbau der Moleküle gebunden. Dieser dreidimensionale Aufbau wiederum ist Gegenstand der Stereochemie. Dabei werden unter anderem Symmetrie und Asymmetrie von Molekülen betrachtet. Prelog war bei der Untersuchung theoretischer und experimenteller Fragen der Stereochemie sehr erfolgreich. Bereits 1944 gelang ihm mit Hilfe der Säulenchromatografie erstmals die Trennung von Enantiomeren (also Stereoisomeren von chemischen Verbindungen) mit asymmetrischem dreiwertigem Stickstoff. Die Stereochemie war bis in die 1950er Jahre ein unsystematisches „Flickwerk“. Prelog war an der Erarbeitung und Systematisierung einer ersten Nomenklatur beteiligt, die im sogenannten Cahn-Ingold-Prelog-System (auch Cahn-Ingold-Prelog-Konvention, kurz CIP) ihren Ausdruck fand. Sie diente zur eindeutigen Beschreibung der Anordnung unterschiedlicher Substituenten an Atomen und wurde 1966 von Vladimir Prelog und den beiden britischen Chemikern Robert Sidney Cahn und Christopher Kelk Ingold vorgeschlagen und später nochmals überarbeitet. Prelogs Arbeiten trugen dazu bei, die Stereochemie von traditionellem Ballast zu befreien und sie auf die Basis mathematisch-physikalischer Grundlagen zu stellen und dadurch weiterzuentwickeln. Für seine Arbeiten zur Stereochemie organischer Moleküle und Reaktionen wurde Prelog 1975 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

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