Nachricht Blackouts: Impulspapier ordnet ein und blickt in die Zukunft

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Auf der Straße, in den Medien und auf politischen Podien: Es wird diskutiert, ob die aktuelle Gasknappheit Blackouts in Deutschland verursachen kann. Wie begründet sind diese Sorgen? Die Wissenschaftsakademien acatech, Leopoldina und Akademienunion geben mit einem Impulspapier des gemeinsamen Projektes „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) einen Überblick: Was unterscheidet einen Blackout von anderen Stromausfällen? Wie ändern sich Blackout-Risiken mit dem Voranschreiten der Energiewende? Und wie kann man ihnen begegnen?

Das Impulspapier „Sind Blackouts in Deutschland wahrscheinlich?“ schildert die gravierenden Ausmaße eines Blackouts, unterscheidet ihn von anderen Stromausfällen und verneint die titelgebende Frage im Kontext der aktuellen Gaskrise. Die Fachleute erläutern, dass die Netzbetreiber Situationen, in denen eine Unterversorgung droht, erkennen würden und mit verschiedenen Maßnahmen die Kontrolle über das Netz behielten. Auch diese Maßnahmen können im schlimmsten Fall kurzfristige regionale Unterbrechungen der Stromversorgung verursachen – vor allem für wenige, ausgewählte industrielle Großverbraucher. Sie unterscheiden sich aber wesentlich von einem Blackout und dessen drastischen Auswirkungen, wie sie aktuell einige Menschen fürchten.

Dennoch sei es wichtig, etwaige Blackout-Risiken gut zu beobachten und entsprechend vorzusorgen – auch im Zuge der voranschreitenden Energiewende und der zunehmenden Digitalisierung. Wenn nicht mehr Großkraftwerke, sondern größtenteils dezentral verteilte Windparks und Photovoltaik-Anlagen und Speicher die Stromversorgung leisten, braucht es für ihre Steuerung die Digitalisierung der Anlagen und Netze. Zudem wächst die Vielfalt der Akteure im Energiebereich: Ladestationen, Prosumer sowie Hersteller von Geräten, die via Internet gesteuert werden können, wirken dann auch auf das Stromnetz ein. Das ermöglicht im Zusammenspiel mit dem Ausbau erneuerbarer Energien eine klimaneutrale Energieversorgung, verändert aber auch die Risiken für Blackouts.

Einerseits verringert sich dadurch die risikobehaftete Abhängigkeit von Energieimporten, und die Digitalisierung ermöglicht es, schneller und besser auf Probleme zu reagieren. Andererseits entstehen neue Blackout-Risiken, zum Beispiel durch Cyberangriffe. Zudem wird zunehmend Künstliche Intelligenz zur Steuerung von Anlagen und Geräten eingesetzt werden. Dies könnte zu unerwünschtem Verhalten führen („negative Emergenz“). Viele Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und der Transformation des Energiesystems sind außerdem noch ungewiss. Das erschwert den Aufbau eines zukunftssicheren elektrischen Energiesystems: Technischer Aufbau, Richtlinien, Standards und Regulierungen gründen auf Annahmen zu zukünftigen Entwicklungen.

Um diese Risiken möglichst gering zu halten und das klimafreundliche, dezentralisierte und digitalisierte Energiesystem möglichst versorgungssicher zu gestalten, gilt es, bereits jetzt aktiv zu werden. Hierfür identifizieren die ESYS-Fachleute vier Handlungsfelder:

  • Dezentralität nutzen: Mit kleinen Erzeugungsanlagen, Speichern und flexiblen Verbrauchern gezielt die Versorgungssicherheit erhöhen.  
  • Sichere und sichernde Digitalisierung gestalten: Cybersicherheitsstandards auch für Akteure außerhalb der klassischen Stromversorgung sicherstellen – etwa für Prosumer, Gerätehersteller und Plattformbetreiber – und durch Digitalisierung die Versorgungssicherheit erhöhen.
  • Die Öffentlichkeit einbinden: Risiken transparent und faktenbasiert kommunizieren und gesellschaftlich Regeln verhandeln, wie Verbraucher und Prosumer zukünftig zur Resilienz der Stromversorgung beitragen sollen.
  • Resilienzstrategie mit Monitoring institutionalisieren: Eine nationale Resilienzstrategie erarbeiten und regelmäßig evaluieren. Dafür sind zunächst Kenngrößen zu vereinbaren, um Resilienz zu quantifizieren.

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