In einer ähnlichen Position konnte sich Katherina R. von Daschkowa (1743–1810), geborene Woronzowa, bereits im 18. Jahrhundert unter Beweis stellen. Von Katherina II. trotz aller Proteste zur Direktorin der Russischen Akademie der Künste und Wissenschaften bestimmt, nutzte die Hochadelige ihren Einfluss unter anderem, um die Zahl der Veröffentlichungen zu steigern, Fachrichtungen zu ergänzen, den Nachwuchs zu fördern und ein erstes Wörterbuch der russischen Sprache herauszugeben. Katherina „die Kleine“, wie sie sich in ihren Memoiren nannte, war zuvor mehrere Jahre durch Europa gereist, korrespondierte mit Denis Diderot, Voltaire und Benjamin Franklin. Letzterer hatte die Fürstin in Paris kennengelernt und machte sie 1789 zum ersten weiblichen Mitglied der von ihm gegründeten American Philosophy Society. Als Akademiedirektorin brachte sie nun die Finanzen der Institution in Ordnung und empfahl Akademien in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern als Vorbild für eine neue Ausrichtung.
Für Reformen ist auch Jeanne Sophie Marie Gayette-Georgens (1817–1895) bekannt. Die in Kolberg geborene Schriftstellerin bereiste mit ihrem Bruder Europa und lernte dabei ihren späteren Mann Jan-Daniel Georgens kennen, mit dem sie 1856 in Baden bei Wien die Heilpflege- und Erziehungsanstalt Levana „für geistes- und körperschwache Kinder“ gründete. Im Jahr darauf wurden beide in die Leopoldina aufgenommen. Gayette-Georgens beschäftigte sich intensiv mit Sonderpädagogik. Sie war überzeugt, dass Kinder nicht nur geistig, sondern auch körperlich, emotional und moralisch zu fördern sind; Erziehung sollte ihrer Meinung nach ganzheitlich und individuell gestaltet sein. Sie gab mehrere Zeitschriften heraus, schrieb Romane und Gedichte, entwickelte eine Beschäftigungstheorie für Kinder. In ihrem „Spielbuch für Mädchen“ richtete sie den Fokus auf deren Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Denn auch Mädchen sollten eine umfassende Bildung erhalten und sich nicht nur, wie damals üblich, auf Haushalt und Familie beschränken müssen. Ebenso fortschrittlich waren ihre Ideen, die sie in ihrem Werk „Die Frauen in Erwerb und Beruf“ darlegte: Die wirtschaftliche Unabhängigkeit einer Frau, die aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnahm, hielt sie für erstrebenswert. Wie das gelingen kann, zeigte sie selbst als Autorin, Pädagogin und Wissenschaftlerin.
Einige Stufen weiter auf der akademischen Karriereleiter kam Maria Gräfin von Linden (1869–1936). Sie war Württembergs erste Abiturientin und konnte an der Universität Tübingen zunächst nur mit Sondergenehmigung studieren, als Gasthörerin und erste Frau. Doch 1895 wurde sie in den Naturwissenschaften promoviert mit ihrer Arbeit über „Die Entwicklung der Skulptur und der Zeichnung der Gehäuseschnecken des Meeres“. Nach Assistenzen an den Zoologischen Instituten in Halle und Tübingen trat sie 1899 eine Stelle in Bonn an und wurde 1902 Mitglied der Leopoldina. Im Jahr 1910 erhielt sie den Titel Professorin – als erste Frau in Preußen, wenn auch ohne Lehrbefugnis. Da leitete die Zoologin bereits zwei Jahre die neugegründete Parasitologische Abteilung des Hygienischen Instituts an der Universität Bonn. Sie beschäftigte sich zwar vor allem mit Infektionskrankheiten wie der Tuberkulose und entdeckte die antiseptische Wirkung von Kupfer. Ihr Interesse galt aber auch Naturphänomenen. So veröffentlichte sie etwa ihre Erkenntnisse über „Die Farben der Schmetterlinge und ihre Ursachen“. In ihren Erinnerungen schreibt sie: „Außer der Heimat und außer meinen Eltern gab es nun für mich noch ein Drittes, die Arbeit, um Wissen zu erwerben, vielleicht, um Wissen zu schaffen, und dieses Dritte war so mächtig, so unwiderstehlich, dass ich ihm alles andere zu opfern bereit war.“ Im Jahr 1933 wurde sie zwangspensioniert und emigrierte nach Schaan in Liechtenstein. Die Universität Bonn erinnert an sie mit dem 2022 ins Leben gerufenen Maria von Linden-Preis, der herausragendes Engagement für die Gleichstellung honoriert.