Gastbeitrag „Effektive wissenschaftliche Beratung benötigt gewachsenes Vertrauen“

Artikelserie „Politikberatung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Medien“ (Teil 4)

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  • Wissenschaftsdiplomatie
Die Molekularbiologin Mona Nemer ist Chief Science Advisor der kanadischen Regierung. Sie war am Politikberatungsprozess der G7-Wissenschaftsakademien beteiligt. Für die Artikelserie schreibt sie über Netzwerke und Partnerschaften in der Politikberatung und die Erfahrungen Kanadas in der Pandemie.

Im Sommer hatte ich die Ehre, Kanada beim Treffen der G7-Wissenschaftsministerinnen und -minister in Frankfurt am Main zu vertreten. Dort ging es unter anderem darum, wie eine sinnvolle wissenschaftliche Zusammenarbeit gestaltet werden kann, um globale Herausforderungen anzugehen und Frieden und Wohlstand auch angesichts bestehender sozialer und politischer Unruhen in vielen Teilen der Welt zu fördern. Ergebnis war ein Communiqué zur Untermauerung der gemeinsamen Verpflichtung zur Förderung von Fortschritt hin zu einer gerechten Welt sowie zum Schutz der Freiheit, Integrität und Sicherheit von Wissenschaft und Forschung.

Um Politik zu gestalten, die diesen globalen Zielen und Verpflichtungen gerecht wird, braucht es ein gut organisiertes „Ökosystem“ der wissenschaftlichen Beratung, sowohl innerhalb der Länder als auch zwischen ihnen. Hierzu gehören, neben nationalen und subnationalen wissenschaftlichen Beraterinnen und Beratern, auch wissenschaftliche Akademien, Verbände und internationale Netzwerke. 

Effektive wissenschaftliche Beratung benötigt gewachsenes Vertrauen und Kommunikation zwischen wissenschaftlichen Beratern und politischen Akteuren einerseits sowie zwischen Forschenden und der Öffentlichkeit andererseits. Die Mobilisierung der wissenschaftlichen Gemeinschaft während einer Krise ist unabdingbar für eine evidenzbasierte Politik und profitiert deutlich von Netzwerken und Partnerschaften, die in Zeiten des Friedens entstanden sind. 

In Kanada waren die Beziehungen, die vor der Coronavirus-Pandemie aufgebaut wurden, entscheidend für den Aufbau von mehr als einem Dutzend Ad-hoc-Expertenruppen. Diese berieten die Regierung über die sich ständig entwickelnden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum neuen Virus und die Konsequenzen für das Krisenmanagement. Ebenso schnell gelang es durch das stete Engagement aus der wissenschaftlichen Basis heraus, seriöses Wissen zu verbreiten, die Beratung im öffentlichen Gesundheitswesen zu verbessern und mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. 

Auf der internationalen Ebene kamen wissenschaftliche Beraterinnen und Berater zusammen, um Daten auszutauschen, Wissenslücken zu ermitteln und die bestmögliche Beratung für die jeweiligen Regierungen sicherzustellen. Bereits zu Beginn der Pandemie gab es gemeinsame Appelle an wissenschaftliche Fachzeitschriften, sämtliche COVID-19-bezogene Studien frei zugänglich zu machen. Dies wurde binnen weniger Tage umgesetzt. 

Dies alles sind Gründe dafür, dass die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft den Austausch zu Best-Practice-Beispielen und die Entwicklung universell akzeptierter Prinzipien der wissenschaftlichen Integrität und Governance fördern sollte. Unsere politischen Entscheidungen abzustimmen wird den gerechten Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten und spezifischer Infrastruktur genauso gewährleisten wie es die wissenschaftliche Erkenntnis und die Entwicklung vertrauenswürdiger Netzwerke und Partnerschaften vorantreiben wird. Davon werden wir alle bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen profitieren. Und so werden wir auch für künftige Notstände gewappnet sein.

Bei der Stärkung der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Beratung muss ein respektvoller und konstruktiver Dialog mit der Öffentlichkeit gewährleistet sein. Nur so kann deren Wissenschaftsverständnis und vor allem ihr Vertrauen in die Forschung sichergestellt werden.

 

Von Mona Nemer 
Mona Nemer ist Molekularbiologin und war Vizepräsidentin der Universität Ottawa/Kanada, bis sie 2017 Chief Science Advisor der kanadischen Regierung wurde.

Ein respektvoller und konstruktiver Dialog mit der Öffentlichkeit kann Verständnis für Wissenschaft und Vertrauen in Forschung sicherstellen."

Mona Nemer, Molekularbiologin und Chief Science Advisor der kanadischen Regierun

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