Es ist eine Rückkehr auf vertrautes Terrain: Seit 1. Januar forscht Yuliya Khrunyk am Institut für Biochemie der Universität Leipzig. Möglich gemacht hat das die Leopoldina mit ihrem Fellowship. Das Institut ist Yuliya Khrunyk bestens bekannt. Sie hat dort bereits 2017 bei Annette Beck-Sickinger, Leopoldina-Mitglied und Professorin für Biochemie, für drei Monate gearbeitet.
Yuliya Khrunyk forscht zu Schwämmen. „Schwämme sind eine spannende Organismengruppe“, sagt die 43-Jährige, die vormals als Postdoktorandin am Marburger Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und zuletzt an der Uralischen Föderalen Universität in Ekaterinburg arbeitete. „Sie zählen zu den ältesten Meeresorganismen und haben eine interessante molekularbiologische Struktur.“
Diese analysiert die Biomedizinerin über in-vitro-Experimente genauer. So will sie herausfinden, ob diese sich als Inspiration für Biomaterialien – wie zum Beispiel als Implantate in Knochenzellen – nutzen lassen. In die Routinen im Labor ist Yuliya Khrunyk bereits voll integriert: Anfang September hat sie auf der Tagung der Europäischen Gesellschaft für Biomaterialien in Davos/Schweiz ihre Ergebnisse vorgestellt, jetzt sitzt sie an einer Veröffentlichung gemeinsam mit Annette Beck-Sickinger. In Leipzig fühlt sie sich sehr wohl. „Ich kenne das Team und die Stadt, das erleichtert mir die Forschung.“
Rund 100 Kilometer Luftlinie entfernt, im sachsen-anhaltischen Gatersleben, widmet sich Anton Stepanenko seit November der Wasserlinse. Der 35-jährige Molekularbiologe forscht bei Leopoldina-Mitglied Ingo Schubert am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK). Aus Stepanenkos Perspektive kann „die Wasserlinse unterschiedlich genutzt werden: als Nahrung, als Tierfutter, als aquatische Modellpflanze der Entwicklungsbiologie, als Bioindikator oder zur Bioenergieerzeugung und Abwasserreinigung.“
Mit der Gattung hat er sich bereits während einer fünfjährigen Postdoc-Phase in China befasst. Doch noch umgeben die Pflanze viele taxonomische Geheimnisse. „Ohne die eindeutige systematische Einordnung ist es schwierig, die angewandte Forschung und damit die spätere Nutzung der Wasserlinse voranzutreiben“, so Stepanenko.
Am IPK findet er nun beste Voraussetzungen. Mit molekularbiologischen und zytogenetischen Methoden versucht er, mehr Licht in die Merkmale von einheimischen und tropischen Arten zu bekommen. Das Interesse für die Wasserlinse war es auch, das den ukrainischen Wissenschaftler mit Ingo Schubert, Honorarprofessor an der Universität Kassel, zusammengebracht hatte. Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs in der Ukraine war Anton Stepanenko als Gastforscher am IPK zu Besuch – und von dort aus bewarb er sich erfolgreich für das Leopoldina-
Stipendium.