In Zeiten von Pandemien, Kriegen und sich global zuspitzender Systemrivalitäten gewinnt der Umgang mit solch sicherheitsrelevanter Forschung immer mehr an Bedeutung, etwa die Frage, wie Forschung vor Spionage und fremder Einflussnahme geschützt und gleichzeitig die internationale Wissenschaftskooperation weiter gefördert werden kann.
Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Veränderungen im Wissenschaftssystem, die sich aus den gestiegenen nationalen Sicherheitsinteressen ergeben. Einerseits werde von der Wissenschaft zunehmend erwartet, im Sinne nationaler Sicherheitsinteressen zu forschen. Andererseits berge dies die Gefahr, dass Wissenschaft politischen Zwecken untergeordnet und internationale Wissenschaftskooperationen eingeschränkt würden, so die Autorinnen und Autoren. Mit der Verlängerung des Mandats und durch eine strategische Neubesetzung trägt der Gemeinsame Ausschuss den Entwicklungen rund um das Thema Risiken internationaler Forschungskooperationen Rechnung.
Der Bericht stellt exemplarisch sicherheitsrelevante Forschungsfelder vor: Der Gemeinsame Ausschuss bewertet dabei Forschung als „besorgniserregend“, wenn der Missbrauch unmittelbar erfolgen kann und die möglichen Schäden erheblich sind. Der Tätigkeitsbericht beinhaltet zudem auch die Ergebnisse von Umfragen des Gemeinsamen Ausschusses zur bisherigen Arbeit der Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung (KEF). Demnach wurden den KEFs zwischen 2016 und 2023 insgesamt 124 Fälle von sicherheitsrelevanten Arbeiten gemeldet, über die dann beraten wurde. Lediglich neun Fälle erhielten dabei gänzlich ablehnende Voten. Die Umfragen unter den KEFs zeigen also, dass besorgniserregende sicherheitsrelevante Arbeiten nach wie vor seltene Ausnahmen im akademischen Forschungsbetrieb darstellen, die KEFs sich aber auch mit weiteren, sich teilweise überschneidenden sicherheitsrelevanten Themenfeldern befassen.
Der Bericht informiert außerdem über die Beteiligung des GA an Veranstaltungen zum verantwortungsvollen Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung. Dazu zählte z. B. die Tagung „Sensibilisierung und Kompetenzbildung für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung (Dual Use) in der Lehre – Theorien, Methoden, Good-Practices“ im Juni 2023 und das vierte „KEF-Forum“ in München 2024. Darüber hinaus benennt der Bericht zukünftige Aufgaben und Ziele der Arbeit des GA und der KEFs. So soll z. B. die Implementierung der Empfehlungen des GA zur Integration sicherheitsrelevanter ethischer Aspekte in Forschung und Lehre vorangetrieben werden.
Der 2015 eingesetzte GA, ein Beratungsgremium der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der DFG, beobachtet kontinuierlich die Entwicklung sicherheitsrelevanter Forschung und die damit verbundenen Risiken, identifiziert Handlungsbedarf und berät die Gremien der Leopoldina und der DFG hierzu. Zudem unterstützt der GA die Einrichtung und Arbeit von KEFs und hat sich als bundesweite Kontaktstelle für Fragen zum eigenverantwortlichen Umgang mit dem Thema etabliert.