Das Institut für Theoretische Physik war ein zentraler Ort für die Entstehung der Quantenmechanik. Forscher aus aller Welt, unter anderem die Leopoldina-Mitglieder James Franck, Werner Heisenberg, Paul Dirac und Lev Landau, besuchten Bohrs Institut oder forschten an ihm. Weniger bekannt ist, dass Kopenhagen auch in der Nachkriegszeit eine herausgehobene Stellung einnahm. Aage Bohr begründete in den 1950er Jahren seine eigene „Kopenhagener Schule.“ Auf dem Feld der Kernstrukturphysik wurde die Stadt zum Sammelpunkt von Forschern aus Europa, Nordamerika und der Sowjetunion. Profitierte Aage Bohr dabei lediglich vom etablierten Prestige der von seinem Vater begründeten Institution oder schuf er einen eigenen Kontext kreativer physikalischer Forschung?
Dr. Christian Joas führt in seinem Vortrag ein in die Geschichte der Physik in Kopenhagen. Er untersucht vergleichend und aus globalhistorischer Perspektive die Forschungsbedingungen in Kopenhagen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders geht er auf die jeweilige Mittlerrolle der Stadt ein und beleuchtet schließlich die Kopenhagener Kernstrukturphysik der Nachkriegszeit als wichtigen Teil eines neuen Forschungsparadigmas.