Die Tagung verknüpft aktuelle Ansätze der Kindheits- und Wissenschaftsgeschichte und rekonstruiert dabei ethische Diskussionen der vergangenen Jahrzehnte. Die Behandlung von Kindern als Forschungsobjekte sowie die Versuche, Kindheit zu normieren und zu standardisieren, werden dabei ebenso in den Blick genommen wie der Alltag von Kindern in pädagogisch-medizinischen Institutionen wie Heimen, Psychiatrien und Krankenhäusern. So hält die Historikerin Marietta Meier (Zürich/Schweiz), die unter anderem zu Wissenschafts-, Psychiatrie- und Emotionsgeschichte forscht, einen Vortrag zum Einsatz psychoaktiver Prüfsubstanzen bei Minderjährigen in der Zeit von 1950 bis 1980. Der Geschichts- und Erziehungswissenschaftler Jens Elberfeld (Halle) referiert über den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern zwischen Pathologisierung und Pädagogisierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1960 und 2000. Über „Kinder in DDR-Heimen“ spricht die Psychologin und Psychotherapeutin Heide Glaesmer (Leipzig). Zwei Diskussionsrunden widmen sich sowohl den Methoden und Problemen kindheitshistorischer Forschung (wie dem Zugang zu Akten oder der Rolle von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen) als auch dem empathischen Umgang mit betroffenen ehemaligen Kindern.
Die wissenschaftliche Organisation der Herbsttagung haben Leopoldina-Mitglied und Medizinhistoriker Heiner Fangerau, die Historikerin Silke Fehlemann und die Pharmaziehistorikerin Sylvia Wagner übernommen.
Die Veranstaltung richtet sich an alle fachlich Interessierten und ist kostenlos. Sie wird online übertragen, für die Online-Teilnahme ist keine Anmeldung notwendig. Für die Teilnahme vor Ort wird um Anmeldung gebeten.