Nachricht Jahresversammlung der Leopoldina widmete sich Regeln und Gesetzen

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Der Begriff „Gesetz“ stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahresversammlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Der interdisziplinäre Ansatz des Programms unter dem Titel „Gesetz(e): Regeln der Wirklichkeit – Regeln für die Wirklichkeit“ zeigte, dass es bei genauerer Betrachtung viele Parallelen beim Umgang der unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen mit dem Thema „Gesetz“ gibt. Die Tagung wurde am Donnerstag, 28. September in Halle (Saale) feierlich eröffnet. Grußworte sprachen unter anderem der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff sowie Sabine Döring, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Das Thema der Jahresversammlung – Gesetze – verbindet die unterschiedlichen Wissenschaftskulturen unserer Akademie“, sagt Leopoldina-Präsident  Gerald Haug. „Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler stellen auf empirischer Grundlage Naturgesetze auf, die jedoch prinzipiell falsifizierbar sind. Im juristischen Sinne sind Gesetze normativ, sie benötigen in jedem Staat Instanzen, die sie durchsetzen. Die Sozial- und Geisteswissenschaften zeigen zudem, dass Gesetze sich in einem Spannungsfeld zwischen ethischen Ansprüchen, kulturellen Gewohnheiten und individuellen Motivationen zur Geltung bringen müssen.”

„Es lässt sich eine Gemeinsamkeit zwischen juristischen Gesetzen und Naturgesetzen erkennen: Sie sind veränderbar, geben aber eine Zeitlang Orientierung bei der Erklärung der Welt und eine Anleitung, wie mit ihr umzugehen ist“, sagt der Rechtswissenschaftler und ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle. „Wir haben es mit einem schillernden Gegenstand zu tun, der sofort seine Eindeutigkeit verliert, wenn wir etwas länger darüber nachdenken.“ Gemeinsam mit dem Romanisten Andreas Kablitz, Senator der Sektion Kulturwissenschaften, sowie dem Physiker Konrad Samwer hat Voßkuhle die wissenschaftliche Koordination der Jahresversammlung übernommen.

In den vier fachlichen Sessions der Jahresversammlung am Freitag ging es um verschiedene Aspekte von Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten in Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Zu den Vortragenden zählten die Leopoldina-Mitglieder Magnus Striet, der als Fundamentaltheologe nach verschiedenen religiösen Gesetzen fragte, sowie die Mathematikerin Hélène Esnault, die zum Konzept von „Richtig“ und „Falsch“ in der Mathematik sprach. Das Zusammenwirken von Gesetzen und Normen im Alltag stand im Vortrag der Ethnologin Ursula Rao im Mittelpunkt. Einen Blick auf die Verbindung von Natur und Gesetz warf die Rechtswissenschaftlerin Anna Katharina Mangold, die in ihrem Vortrag „Beobachtungen zur rechtlichen Geschlechterordnung“ erläuterte.

Gäste der Jahresversammlung waren auch in diesem Jahr begabte Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland. Sie verfolgten die wissenschaftlichen Vorträge der Jahresversammlung und kamen mit Forscherinnen und Forschern ins Gespräch. Das Schülerprogramm fand mit finanzieller Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung statt. Erstmals konnten sich auch (Post-)Doktorandinnen und Doktoranden auf eine Förderung ihrer Teilnahme bewerben. Die finanziellen Mittel wurden vom Leopoldina Akademie Freundeskreis e.V. und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zur Verfügung gestellt.

Impressionen von der Jahresversammlung 2023

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