Der Schwerpunkt von Julia Vorholts Arbeit liegt in der Erforschung der Pflanzenmikrobiota – Gemeinschaften von Mikroorganismen, die Pflanzen besiedeln. In Experimenten untersuchte sie künstlich zusammengestellte Gruppen von Bakterien, deren Zusammensetzung genau bekannt und kontrolliert ist. Für ihre Forschung haben Vorholt und ihr Team eine umfassende Sammlung an Bakterien aufgebaut, mit der sie gezielt Interaktion der Bakterien und Pflanzen untersuchen und Bakteriengemeinschaften identifizieren, die die Pflanze besonders bei der Resilienz und im Wachstum unterstützen. Die Forschung liefert Ansätze, um synthetische Chemikalien durch Mikroben zu ersetzen. Darüber hinaus untersucht Vorholt den Einkohlenstoff-Metabolismus von Bakterien, also die Umwandlung einfacher Moleküle mit nur einem Kohlenstoffatom – wie Kohlendioxid oder Methanol – in Zellbausteine. Dieser Prozess kann biotechnologisch für die Umsetzung von Methanol zu höherwertigen Produkten eingesetzt werden.
Julia Vorholt studierte Biologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Philipps-Universität Marburg. Ihre Promotion führte sie am Marburger Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie durch. Ihre Habilitation erfolgte 2002 im Fach Mikrobiologie an der Philipps-Universität Marburg. Als Postdoktorandin forschte Vorholt an der University of Washington in Seattle/USA. Anschließend war sie Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, bevor sie zum Laboratoire des Interactions Plantes Microorganismes (LIPME) in Toulouse/Frankreich wechselte. 2006 wurde sie außerordentliche Professorin an der ETH Zürich/Schweiz, wo sie 2012 auf eine ordentliche Professur berufen wurde. Seit 2020 ist sie zudem Co-Direktorin des Schweizer Nationalen Forschungsschwerpunkts zu Mikrobiomen. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Vorholt bereits mehrfach ausgezeichnet. Zu den Ehrungen zählen unter anderem die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (1998), die Feodor Lynen-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) sowie der International Union of Biochemistry and Molecular Biology (IUBMB) (2024). Sie ist seit 2019 gewähltes Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) und wurde 2024 zum internationalen Mitglied der US-amerikanischen National Academy of Sciences ernannt. Zudem erhielt sie zwei Advanced Grants des European Research Council (ERC).
Mit dem Novonesis Biotechnology Prize werden herausragende Forschungs- oder Technologiebeiträge gewürdigt, um das Bewusstsein für Grundlagen- und angewandte Forschung im Bereich der Biotechnologie zu stärken. Die Auszeichnung wird jährlich von der dänischen Novo Nordisk Foundation verliehen und ist mit 5 Millionen Dänischen Kronen (ca. 672.000 Euro) dotiert.
Mitglied im Fokus Julia Vorholt mit Novonesis Biotechnology Prize 2025 geehrt
Die Mikrobiologin Julia Vorholt, Professorin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich/Schweiz, erhält den mit umgerechnet 672.000 Euro dotierten Novonesis Biotechnology Prize 2025 der Novo Nordisk Foundation. Mit dem Preis wird Vorholt für ihre innovative Forschung zu Pflanzenmikrobiomen ausgezeichnet. Mit ihren Arbeiten zeigte sie, dass diese Mikroben eigenständige Ökosysteme bilden, die die Pflanze vor Krankheiten schützen oder sie bei der Nährstoffaufnahme unterstützen. Diese Erkenntnisse könnten bei der Entwicklung einer nachhaltigeren Landwirtschaft zentral sein. Mitglied der Leopoldina ist Vorholt seit 2012.