Weltweit sind zwischen 1 Million und 1,5 Millionen Kinder blind. Fast ein Viertel davon lebt in Afrika. Die häufigste Blindheitsursache ist dort der graue Star, der sich nur operativ behandeln lässt. Die Autorinnen und Autoren des Diskussionspapiers zeigen am Beispiel der Kinderblindheit, wie eine ausgewogene globale Gesundheitspolitik Prävention und Kuration verschränken kann, um positive Effekte sowohl auf die Lebenszufriedenheit als auch gesellschaftlich und ökonomisch zu erzielen. Sie stellen dar, welchen Verlauf der angeborene graue Star bei Kindern nimmt und wie durch gezielte Behandlung Kinderblindheit verhindert werden kann. Die Kinder können so eine reguläre Schule besuchen und später einen Beruf ergreifen. Im Diskussionspapier schlüsseln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, wie sich Kuration somit auch auf das Bruttosozialprodukt auswirken kann und sich die Investitionen, die für den Aufbau der Krankenversorgung nötig sind, gesellschaftlich wie wirtschaftlich rentieren.
Der „Global Clinical Care“-Ansatz zielt darauf, vor Ort Strukturen zur Selbsthilfe zu schaffen. Am Beispiel der Kinderblindheit heißt das, die betroffenen Kinder frühzeitig zu identifizieren, lokale Versorgungskapazitäten zu stärken sowie das augenärztliche Fachpersonal weiterzubilden. Aus Sicht der Autorinnen und Autoren sind institutionalisierte Partnerschaften dafür ein zentrales Instrument. Im Diskussionspapier werden zwei Partnerschaften exemplarisch vorgestellt: eine Partnerschaft zwischen Rostock und Kinshasa/Demokratische Republik Kongo sowie eine Partnerschaft zwischen Tübingen und Blantyre/Malawi. Im Rahmen der Partnerschaften wurden Versorgungsstrukturen aufgebaut. Das Fachpersonal wurde einerseits vor Ort geschult als auch bei Aufenthalten in Deutschland. Diese langfristigen Partnerschaften haben das Potenzial, eine nachhaltige Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken, so die Autorinnen und Autoren. Sie empfehlen der Bundesregierung deshalb, im Rahmen der Fortschreibung der Strategie „Globale Gesundheit“ die Verschränkung von Prävention und Kuration stärker zu reflektieren und unter anderem ein Rahmenprogramm für die staatliche Förderung institutionalisierter Partnerschaften bereitzustellen.
Publikationen in der Reihe „Leopoldina-Diskussion“ sind Beiträge der genannten Autorinnen und Autoren. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel und ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanstöße zu geben oder Diskurse anzuregen und hierfür auch Empfehlungen zu formulieren. Die in Diskussionspapieren vertretenen Thesen und Empfehlungen stellen daher keine inhaltliche Positionierung der Akademie dar.