Prof. Dr. Nicola A. Spaldin ist eine britische Chemikerin und Materialforscherin, die die Erforschung sogenannter Multiferroika revolutioniert hat. Multiferroika sind Materialien, die sich gleichzeitig ferromagnetisch und ferroelektrisch verhalten. Das heißt, sie reagieren wahlweise auf magnetische und elektrische Felder. Das macht sie sehr vielversprechend für die Entwicklung neuer Datenspeicher oder hochpräziser Magnetfeldsensoren. Nicola Spaldin hat mit ihren Forschungsarbeiten die theoretischen Grundlagen für diese neue Materialklasse gelegt. Dank ihrer Arbeit forschen heute weltweit zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Multiferroika, in Bereichen von der Nanoelektronik bis hin zur Kosmologie. Spaldins Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Multiferroika wurden bereits mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, unter anderem mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und dem James C. McGroddy-Preis für neue Materialien der American Physical Society.
Nicola Spaldin studierte Naturwissenschaften an der University of Cambridge in Cambridge/UK. Nach ihrer Promotion in Chemie an der University of California in Berkeley/USA forschte sie als Postdoktorandin am Applied Physics Department der Yale University in New Haven/USA. Ab 1997 war sie an der University of California in Santa Barbara/USA tätig, zunächst als Assistenzprofessorin, später als außerordentliche und schließlich als ordentliche Professorin am Materials Department. Nach Gastprofessuren in Bangalore/Indien, Cambridge/UK, Berkeley/USA und Uppsala/Schweden ist sie seit 2011 Professorin für Materialtheorie an der ETH Zürich/Schweiz im Department of Materials. Seit 2021 ist Spaldin Mitglied des Wissenschaftsrats des Europäischen Forschungsrats (ERC). 2022 wurde sie in die Leopoldina gewählt.
Die Carus-Medaille wurde anlässlich des 50. Professorenjubiläums des XIII. Präsidenten der Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789–1869), gestiftet und erstmals im Jahr 1896 vergeben. Sie würdigt bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen oder Forschungsleistungen jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet. Zu den bisherigen Preisträgern und -trägerinnen gehören Prof. Dr. Jacques Monod (1965), der im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt wurde, Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (1989), die 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt, und Prof. Dr. Stefan Hell (2013), der im Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Seit 1961 ist sie mit dem von der Stadt Schweinfurt – Gründungsort der Leopoldina – gestifteten Carus-Preis verbunden. Bislang wurde die Carus-Medaille im Rahmen eines Symposiums in Halle (Saale) verliehen. Ab 2025 wird die Carus-Medaille gemeinsam mit dem Carus-Preis in der Stadt Schweinfurt an die Preisträgerinnen und Preisträger überreicht.