Nachricht Leopoldina verleiht Carus-Medaille an Frank Glorius und Nicola Spaldin

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Herausragende Arbeiten im interdisziplinären Gebiet der Materialwissenschaften sowie zur Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Katalyse – hierfür sind die Leopoldina-Mitglieder Nicola Spaldin und Frank Glorius mit der Carus-Medaille der Leopoldina ausgezeichnet worden. Die feierliche Preisverleihung fand am 22. Mai 2025 in Schweinfurt statt, wo die Auszeichnung gemeinsam mit dem Carus-Preis der Stadt Schweinfurt überreicht wurde.

Die britische Chemikerin und Materialforscherin Nicola Spaldin gilt als Pionierin in der Erforschung sogenannter Multiferroika. Dabei handelt es sich um Materialien, die sich gleichzeitig ferromagnetisch und ferroelektrisch verhalten. Das heißt, sie reagieren wahlweise auf magnetische und elektrische Felder. Das macht sie sehr vielversprechend für die Entwicklung neuer Datenspeicher oder hochpräziser Magnetfeldsensoren. Nicola Spaldin hat mit ihren Forschungsarbeiten die theoretischen Grundlagen für diese neue Materialklasse gelegt. Dank ihrer Arbeit forschen heute weltweit zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Multiferroika, in Bereichen von der Nanoelektronik bis hin zur Kosmologie. Spaldins Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Multiferroika wurden bereits mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, unter anderem mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und dem James C. McGroddy-Preis für neue Materialien der American Physical Society. Seit 2011 hat Nicola Spaldin die Professur für Materialtheorie an der ETH Zürich/Schweiz im Department of Materials inne. Der Leopoldina gehört sie seit 2022 in der Sektion Chemie an.

Ebenfalls mit dem Carus-Preis der Leopoldina ausgezeichnet wird der deutsche Chemiker Frank Glorius. Er entwirft Moleküle mit besonderen Eigenschaften, die unter anderem in den Materialwissenschaften eingesetzt werden. Sein Ziel ist es, die Herstellung organischer Moleküle zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Diese Moleküle finden in vielen Bereichen Anwendung, zum Beispiel in der chemischen Industrie, Energieversorgung, Werkstoffkunde, Landwirtschaft (Pflanzenschutz) sowie in der Herstellung von Medikamenten, Duft- und Aromastoffen. Ein besonderes Augenmerk legt Glorius darauf, diese Prozesse möglichst effizient zu gestalten. Dabei spielt die Katalyse eine zentrale Rolle. Er und sein Team konzentrieren sich insbesondere auf die C-H-Aktivierung, Photokatalyse, Aromatenhydrierung und Organokatalyse. Zudem entwerfen sie Moleküle, die in der Biologie und den Materialwissenschaften gesuchte Funktionen haben, der Veränderung von Oberflächen und Materialien dienen oder in Membranen und Batterien eingesetzt werden können. Für seine Forschung hat Glorius bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter der Otto-Bayer-Preis für Chemie und Biochemie der Bayer Foundation, der Arthur C. Cope Scholar Award der American Chemical Society (ACS) sowie der Gottfried Wilhelm Leibniz‐Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 2007 ist er Professor für Organische Chemie an der Universität Münster. Die Leopoldina nahm ihn 2021 in die Sektion Chemie auf.

Die Carus-Medaille wurde anlässlich des 50. Professorenjubiläums des XIII. Präsidenten der Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789–1869), gestiftet und erstmals im Jahr 1896 vergeben. Sie würdigt bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen oder Forschungsleistungen jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet. Zu den bisherigen Preisträgern und Preisträgerinnen gehören Jacques Monod (1965), der im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt wurde, Christiane Nüsslein-Volhard (1989), die 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt, und Stefan Hell (2013), der im Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Seit 1961 ist sie mit dem von der Stadt Schweinfurt – Gründungsort der Leopoldina – gestifteten Carus-Preis verbunden. Bislang wurde die Carus-Medaille im Rahmen eines Symposiums in Halle (Saale) verliehen. Seit 2025 wird die Carus-Medaille gemeinsam mit dem Carus-Preis in der Stadt Schweinfurt an die Preisträgerinnen und Preisträger überreicht.

Die Auszeichnungen wurden vom Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt, Sebastian Remelé, gemeinsam mit Leopoldina-Präsidentin Bettina Rockenbach überreicht. Spaldin und Glorius hatten die Gelegenheit, im Rahmen der Preisverleihung Vorträge zu ihren Forschungsschwerpunkten zu halten und Einblicke in ihre bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten zu geben.

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