Nachricht Leopoldina verleiht Cothenius-Medaille an Jürgen Troe

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Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina würdigt ihr Mitglied Jürgen Troe mit der Cothenius-Medaille. Der Physiker erhält die Ehrung für sein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk auf dem Gebiet der chemischen Reaktionskinetik. Die Medaille wurde Jürgen Troe im Rahmen der Leopoldina-Jahresversammlung 2023 am Donnerstag, 28. September in Halle (Saale) verliehen.

Prof. Dr. Jürgen Troe (Jahrgang 1940) forscht auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie, insbesondere der chemischen Reaktionskinetik. Er hat elementare Schritte wichtiger chemischer Reaktionen analysiert, wie sie zur Beschreibung großer Reaktionssysteme nötig sind. Zu solchen Systemen zählen zum Beispiel Verbrennungsvorgänge oder Reaktionen in der Atmosphäre, aber auch Reaktionen in interstellaren molekularen Wolken. Die Erkenntnisse sind Teil der Diskussion der Entstehung von Schadstoffen. Auch gingen sie in die Debatte um die Ozonschicht ein. Mit seiner Forschung hat Jürgen Troe wesentlich zum Verständnis der molekularen Grundlagen von Reaktionsprozessen beigetragen. Es gelang ihm, die Kinetik von unimolekularen Zersetzungsreaktionen von mehratomigen Molekülen und Ionen in kompakter Form zu beschreiben. Diese molekularen Grundlagen sind für viele Bereiche von Bedeutung, wie zum Beispiel die Atmosphärenchemie, die Photochemie, astrophysikalische Reaktionen, Verbrennungsvorgänge bis hin zur Plasmachemie und Katalyse.

Jürgen Troe studierte in Göttingen und Freiburg Mathematik, Physik und Chemie. Er wurde 1965 an der Universität Göttingen zum Dr. rer. nat. promoviert und habilitierte sich 1968 ebenfalls in Göttingen im Fach Physikalische Chemie. 1971 berief die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) in Lausanne/Schweiz Jürgen Troe als Professor für Physikalische Chemie. 1975 wechselte er nach Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 Professor für Physikalische Chemie und Direktor am Institut für Physikalische Chemie war. Von 1990 bis 2008 war er zudem Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (heute Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften) in Göttingen. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1971 den Bodenstein-Preis der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, 1993 den Max-Planck-Forschungspreis der Max-Planck-Gesellschaft und 2015 den Otto-Hahn-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Stadt Frankfurt am Main. Seit 1979 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. 1995 erhielt er die Carus-Medaille der Leopoldina.

Die Cothenius-Medaille geht auf eine Stiftung des Leopoldina-Mitglieds und Leibarztes des Preußenkönigs Friedrich II., Christian Andreas von Cothenius (1708–1789), zurück. Sie wurde im Jahr 1792 zum ersten Mal verliehen. Anfänglich wurden die Preisträger für die Bearbeitung medizinischer Forschungsfragen ausgezeichnet. Seit 1954 vergibt die Leopoldina die Cothenius-Medaillen für das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk der Geehrten. In der Regel werden die Auszeichnungen an Mitglieder der Akademie verliehen. Zu den Trägern gehören unter anderem der Mediziner und Zoologe Ernst Haeckel (1864) und Konrad Zuse (1985), der Entwickler des ersten Computers.

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