Nachricht Leopoldina weist erneut auf Einhaltung von Schutzmaßnahmen in Schulen hin

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Die hohen Zahlen an gemeldeten Infektionen als auch die Zunahme der stationär und intensivmedizinisch versorgten Patientinnen und Patienten zeigen das gegenwärtig hoch dynamische Infektionsgeschehen der Coronavirus-Pandemie. Schülerinnen und Schüler sind ein wesentlicher Teil des Infektionsgeschehens – das zeigen die Zahlen in anderen europäischen Ländern wie auch aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts für Deutschland.

Die Leopoldina erinnert deshalb nochmal an ihre Empfehlungen vom 5. August („Coronavirus-Pandemie: Für ein krisenresistentes Bildungssystem“) und vom 23. September („Coronavirus-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“), in denen entsprechende Maßnahmen für Schulen vorgeschlagen wurden.

Im weit überwiegenden Teil Deutschlands liegt die Inzidenz deutlich über dem kritischen Schwellenwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Das exponentielle Wachstum wurde durch die derzeit geltenden Beschränkungen abgeschwächt, trotzdem bleiben die Fallzahlen weiterhin hoch und die Rahmenbedingungen der kalten Jahreszeit lassen für die kommenden Wochen keine nachhaltige Entspannung erwarten.

Bei Schülerinnen und Schülern hat die Inzidenz in allen Altersgruppen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Der Schwellenwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen ist deutlich überschritten, besonders deutlich bei den 10-19jährigen. Selbst die Inzidenz der Grundschülerinnen und Grundschüler ist mit einem Wert von 88,8 in Kalenderwoche 45 überaus hoch. Dabei ist eine hohe Dunkelziffer zu beachten, d.h., de facto dürften die Inzidenzen deutlich höher sein.

Es gibt sehr gute Gründe dafür, Schulen dennoch nicht zu schließen: Vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung a) für das Wohlergehen der den Schulen anvertrauten Kinder und Jugendlichen und b) für das Infektionsgeschehen insgesamt müssen Schulen aber jetzt in die Lage versetzt werden, konsequent alle dringend notwendigen Schutzmaßnahmen unbürokratisch zu ergreifen.

Das psychosoziale Wohl vieler Kinder und Jugendlicher sowie die Möglichkeiten des fachspezifischen und fächerübergreifenden Lernens hängen in hohem Maße davon ab, dass so lange wie möglich Präsenzunterricht gewährleistet wird - das haben auch die Erfahrungen dieses Frühjahrs gezeigt.

Es wird noch einmal mit Nachdruck auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu Präventionsmaßnahmen in Schulen in der Fassung vom 12. Oktober 2020 hingewiesen – vor allem auf Tabelle 1.

Hier erinnert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina an ihre Empfehlungen in Stellungnahmen „Coronavirus-Pandemie: Für ein krisenresistentes Bildungssystem“ und „Coronavirus-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“ und ergänzt diese um eine Empfehlung für Grundschulen:

  • Das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge sowie Lehrerinnen und Lehrer auf dem Schulgelände und während des Unterrichts. Das Tragen eines adäquaten Mund-Nasen-Schutzes muss die Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht darstellen, es sei denn, im Einzelfall sprechen medizinische Gründe gegen das durchgängige Masken-Tragen. Das muss beim derzeitigen Infektionsgeschehen auch zwingend für Grundschulen gelten.
  • Die Bildung von ausnahmslos festen Gruppen und sofortige Quarantänemaßnahmen für alle Personen in diesen Gruppen bei Auftreten eines Infektionsfalls; die Ermöglichung von Distanzlernen während der Quarantäne.
  • Bei Infektionsfällen oder Verdacht auf eine Infektion in einer Familie müssen die Verantwortlichen vor Ort schnell über die Quarantäne von Klassen bzw. festen Gruppen entscheiden. Zum Beispiel: Ist ein Kind oder eine im gleichen Haushalt lebende Person infiziert, muss das Kind der Familie zu Hause bleiben und die Klasse bzw. Gruppe unter Quarantäne gestellt werden, bis geklärt ist, ob das Kind zum Zeitpunkt seines Schulbesuchs infiziert war. Gleiches gilt für Lehrkräfte.
  • Die Gewährleistung einer räumlichen Distanz zwischen den einzelnen Gruppen, etwa durch Verlegung der Schulaktivitäten in andere Räume.
  • Die Ermöglichung eines regelmäßigen Lüftens in allen Unterrichtsräumen und ggf. der Einsatz von technischen Lösungen.

Dabei reicht es nicht, nur einzelne Maßnahmen isoliert zu ergreifen. Alle Maßnahmen können ihre volle Schutzwirkung vielmehr nur im Zusammenspiel erreichen. Mit Blick auf die besonders hohen Inzidenzen bei den 15-19jährigen sollten Schulen für die kommenden Monate ermuntert werden, in der Sekundarstufe II vollständig in den Distanz-, zumindest in den Hybridmodus zu wechseln.

Es wird eine große Herausforderung bleiben, das Infektionsgeschehen in den nächsten Wochen und Monaten unter Kontrolle zu bringen und die angestrebte Inzidenz von weniger als 50 zu erreichen. Gleichzeitig gilt es, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte vor Infektionen zu schützen und so viel Präsenzunterricht wie möglich zu organisieren.

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