Nachricht Neue Mitglieder in die Leopoldina-Klasse II – Lebenswissenschaften

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Am Dienstag, 9. April überreichte Leopoldina-Präsidentin Bettina Rockenbach den neuen Leopoldina-Mitgliedern der Klasse II – Lebenswissenschaften ihre Mitgliedsurkunden. Im Rahmen der Veranstaltung im Leopoldina-Hauptgebäude in Halle (Saale) fand auch die Übergabe der Schleiden-Medaille an die Biochemikerin Elly Tanaka statt. Der traditionelle Abendvortrag wurde in diesem Jahr von dem Molekularbiologen Jürgen Knoblich gehalten.

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Im Rahmen der Veranstaltung erhielt Neumitglied Elly Tanaka für ihre wegweisenden Erkenntnisse auf dem Gebiet der Regenerationsbiologie die Schleiden-Medaille. Diese nach dem Akademie-Mitglied Matthias Jacob Schleiden (1804–1881) benannte Auszeichnung wird von der Leopoldina seit 1955 für hervorragende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Zellbiologie vergeben. Die Biochemikerin Tanaka untersucht die Regeneration von komplexen Körperstrukturen, insbesondere am Beispiel von Salamandern. Mithilfe ihrer Arbeit können Strategien zur Wiederherstellung von Säugetiergewebe entwickelt werden. Hieraus ergeben sich auch für die Humanmedizin vielversprechende Möglichkeiten.

In der Leopoldina-Vorlesung zur Urkundenübergabe stellte Neumitglied Jürgen Knoblich die eigene Forschungsarbeit zu Hirnorganoiden vor. Der Biochemiker und Molekularbiologe erläuterte, wie er und sein Team mit diesen dreidimensionalen Gewebekulturen den Prozess der menschlichen Gehirnentwicklung im Labor nachbilden können und wie sie dabei auch mit ethischen Fragen umgehen.

Folgende Mitglieder sind im Jahr 2024 in die Klasse II der Leopoldina gewählt worden:

  • Dirk Bumann ist Chemiker und Biologe. Zusammen mit seinem Team untersucht er bakterielle Infektionen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf zellulären und molekularen Vorgängen in Geweben von infizierten Tieren und Menschen. Die Erkenntnisse dieser Arbeiten liefern Ansatzpunkte für neue Impfstoffe und antimikrobielle Wirkstoffe. 
  • Anne Ephrussi ist eine französisch-amerikanische Molekularbiologin, deren Studien darauf abzielen, die Mechanismen der Zellpolarität und der Eizellentwicklung zugrundeliegenden Mechanismen aufzuklären. Anhand des Modellorganismus‘ der Fruchtfliege untersuchen sie und ihr Team, wie RNA-Moleküle transportiert werden und wie ihre Translation in Proteine während der Entwicklung reguliert wird. Anne Ephrussis Forschung hat die Transportmechanismen, die an diesem Prozess beteiligt sind, aufgeklärt und gezeigt, dass fehlerhafter RNA-Transport und -Translation zu Defekten bei der Gametenbildung und in der Embryonalentwicklung führen. 
  • Eileen E. M. Furlong ist eine irische Genetikerin und Entwicklungsbiologin. Ihr besonderes Interesse ist auf die Regulierung des Genoms innerhalb des komplexen dreidimensionalen Zellkerns gerichtet und darauf, wie dies wiederum die Embryonalentwicklung reguliert. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Untersuchung der Kontrollelemente, sogenannter Enhancer, die den Beginn der Genexpression regulieren. Die Wissenschaftlerin hat innovative Methoden entwickelt, um zu entschlüsseln, wie Enhancer funktionieren und wie sie die Gewebeentwicklung regulieren. Mit dieser grundlegenden Forschung trägt sie maßgeblich zum Verständnis der biologischen Pfade bei, die von genetischen Varianten zur Erkrankung führen. 
  • Ute Hentschel-Humeida ist eine deutsche Mikrobiologin. Sie beschäftigt sich insbesondere mit marinen Wirt-Mikroben-Symbiosen und Mechanismen der Interaktion zwischen Meeresschwämmen und den mit ihnen assoziierten mikrobiellen Konsortien und Viren. 
  • Jürgen Knoblich ist ein Biochemiker und Molekularbiologe. Er analysiert die Mechanismen der menschlichen Gehirnentwicklung. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch die erstmalige Etablierung eines Hirn-Organoids in vitro. Mit dieser künstlichen und sehr kleinen 3-D-Gewebestruktur konnte sein Team den Prozess der menschlichen Gehirnentwicklung im Labor nachbilden. Zusammen mit weiteren Methoden der Molekularbiologie und Zellbiologie geht Jürgen Knoblich damit neurologischen Erbkrankheiten oder schweren neuropsychiatrischen Störungen, wie Epilepsie oder Autismus, auf den Grund. 
  • Alessandra Moretti ist eine italienische Chemikerin und Pharmazeutin. Ihre Forschung zielt darauf ab, die Mechanismen menschlicher Herzerkrankungen zu identifizieren und die Prinzipien der Herzentwicklung zu entschlüsseln. Auf dem Gebiet der Modellierung menschlicher Herzerkrankungen hat sie Pionierarbeit geleistet. Mit den Erkenntnissen aus der Forschung von Alessandra Moretti lassen sich neue therapeutische Strategien für die Wiederherstellung der Funktion kranker Herzen und für die Herzregeneration nach Verletzungen entwickeln. 
  • Volker Müller ist ein deutscher Mikrobiologe und Bioenergetiker. Er untersucht, wie im Prozess der Fixierung von Kohlendioxid zu Acetat durch anaerobe, acetogene Bakterien zelluläre Energie (ATP) gewonnen wird. Gleichzeitig etabliert er diese Bakterien als Plattform für die biotechnologische Herstellung von Basis- und Feinchemikalien aus CO2 und für die biologische Wasserstoffspeicherung. Zudem erforscht er die molekulare Basis der Adaptation des humanpathogenen Bakteriums Acinetobacter baumannii an den menschlichen Wirt. 
  • Andreas Nieder ist ein deutscher Tierphysiologe und Neurobiologe, der die neuronalen Grundlagen höherer kognitiver Leistungen erforscht. In seinem Fokus steht die Repräsentation von Zahlen, Kategorien, Konzepten und Regeln sowie das Entstehen von Sprache und Bewusstsein. Mittels eines vergleichend-evolutionären Ansatzes untersucht er das Verhalten und die neuronalen Mechanismen bei verschiedenen intelligenten Tierarten sowie beim Menschen. 
  • Sarah O´Connor ist eine US-amerikanische Chemikerin. Sie entwickelt Methoden und Ressourcen, um die enzymatischen Grundlagen für die Biosynthese komplexer kleiner Moleküle aufzudecken, die von Pflanzen produziert werden. Sarah E. O‘Connor entdeckte die Biosynthesewege zahlreicher Moleküle wie Vinblastin und Strychnin, beschrieb den Mechanismus, der diesen enzymatischen Umwandlungen zugrunde liegt, und entwickelte innovative Strategien der Stoffwechseltechnik für die Produktion dieser Verbindungen. 
  • Holger Puchta ist Molekularbiologe. Weltweit ist er der erste Wissenschaftler, der Gene Editing zur Genomveränderung bei Pflanzen eingesetzt und für die Anwendung in der Pflanzenzüchtung optimiert hat. Kürzlich hat er auch die gezielte Veränderung von Pflanzenchromosomen etabliert. 
  • Chiara Romagnani ist eine italienische Immunologin, die sich auf die angeborene Immunität spezialisiert hat. Ihr besonderes Interesse gilt den angeborenen Lymphoidzellen (ILCs) und ihrer dualen Rolle bei der Wundheilung sowie bei Entzündungsprozessen. Ihrer Arbeitsgruppe ist es gelungen, Signale zu identifizieren, die entweder entzündungsfördernde oder -hemmende Programme in ILCs steuern. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf den natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), Lymphozyten, die zur angeborenen Immunantwort beitragen. 
  • Simone Sommer ist eine deutsche Biologin. In ihrer Forschung befasst sie sich mit den Auswirkungen anthropogener Störungen auf die Ökologie, die genetische Vielfalt und Veränderungen des bakteriellen Mikrobioms sowie deren Konsequenzen für die Gesundheit von Wildtieren. Ihre Forschung trägt zum Verständnis der Zusammenhänge bei, wie anthropogene Stressoren wie Landnutzungsänderungen und Umweltverschmutzung die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit von Wildtieren beeinträchtigen und das Risiko zoonotischer Infektionen erhöhen können. 
  • Elly Margaret Tanaka ist eine amerikanische Biochemikerin. Ihr Forschungsgebiet ist die Regeneration von komplexen Körperstrukturen, wie dem Nervensystem und den Gliedmaßen bei vierbeinigen Tieren, sowie deren molekulare und zelluläre Grundlagen. Ihr Hauptmodellorganismus ist der regenerationsfähige Salamander Ambystoma mexicanum, der Axolotl. Sie hat die Molekulargenetik dieses Tieres verfeinert und setzt für Ihre Forschung auch Organoide ein. Mit ihren Forschungsprojekten verfolgt sie zentral die Frage, warum einige Arten über die Fähigkeit zur Regeneration verfügen und andere nicht. 
  • Kai Tittmann ist ein deutscher Biochemiker. Im Zentrum seiner Forschung steht die Analyse der molekularen Reaktionsmechanismen von Enzymen, die als natürliche Katalysatoren im menschlichen Organismus wirken. Dazu verwendet er biochemische und biophysikalische Methoden wie Röntgenkristallografie, Kernspinresonanzspektroskopie und kinetische Analysen. Neben der Grundlagenforschung ist es Ziel, Enzyme für biokatalytische Anwendungen zu optimieren und Arzneimittel zu entwickeln. Hohen Bekanntheitsgrad erlangte Kai Tittmann insbesondere durch die Entdeckung eines neuen universalen Redoxschalters in Proteinen, der unter anderem als „Schutzschalter“ im Coronavirus nachgewiesen werden konnte. Diese Erkenntnisse dienen genauso als Ansatzpunkte für therapeutische Entwicklungen wie seine Erkenntnisse zu einer neuen Antibiotika-Klasse und zur Alzheimer-Erkrankung. 
  • Christian Ungermann ist ein deutscher Biochemiker, der molekulare Abläufe der lysosomale Biogenese und der Autophagie erforscht. Lysosomen sind als zellulärer Magen für das zelluläre Gleichgewicht essenziell. Sie bauen überflüssige oder beschädigte Zellbestandteile ab, die über die Autophagie dorthin gelangen, und stellen sie als Bausteine der Zelle bereit. Defekte in Lysosomen oder der Autophagie sind Grundlage zahlreicher Erkrankungen.
  • Christian Wirth ist ein deutscher Pflanzenökologe und Biodiversitätsforscher. Sein Fokus liegt auf den Konsequenzen natürlicher und anthropogener Änderungen der pflanzlichen Biodiversität für Ökosystemprozesse wie Kohlenstoffspeicherung, Wasserverbrauch und Energiehaushalt. 
  • Rudolf Zechner ist ein österreichischer Chemiker. Er erforscht die Lipolyse, den Abbau von Fetten durch Enzyme. Seine Entdeckung des Enzyms ATGL (Adipose Triglyceride Lipase) hat maßgeblich zum Verständnis dieses Prozesses beigetragen. Im Fokus seiner aktuellen Arbeiten stehen Studien zur Aufklärung des molekularen Zusammenhangs zwischen Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ II Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und Krebs sowie die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Lipolyse und krebs-assoziierter Kachexie. 
  • Marino Zerial ist ein italienisch-deutscher Zellbiologe und Biochemiker. Er forscht zu den molekularen Mechanismen der Endozytose und des intrazellulären Transports. Es ist ihm gelungen, den Funktionsmechanismus der Rab-GTPasen zu erklären. Diese Enzyme regulieren die Bildung und Entwicklung von Organellen und die Vesikelmembranfusion, das heißt die Fusion von Vesikeln mit Endosomen. Marino Zerials Arbeit liefert Erkenntnisse über die Mechanismen, die an der Entstehung von Lebererkrankungen und RNA-Therapeutika beteiligt sind. 

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