Die Weltmeere und die Eismassen auf der Erde enthalten die größten und größtenteils unbekannten genetischen Ressourcen der Erde. Polar- und Tiefseeökosysteme sind jedoch schwer zugänglich: Sie sind weit entfernt von Land, und die physikalischen Bedingungen sind extrem mit Temperaturen am oder unter dem Gefrierpunkt, Dunkelheit und hohem Wasserdruck. Dies begrenzt die Möglichkeiten für die wissenschaftliche Erkenntnis über die Entwicklung, Verbreitung, Dynamik und Funktionsweise von Polar- und Ozeansystemen. Darum fehlen ökologische Bestandsaufnahmen, um die menschlichen Auswirkungen auf diese Lebensräume wissenschaftlich zu messen und zu bewerten.
Antje Boetius wird neueste Beobachtungen zur Veränderung der Ökosysteme in der Tiefsee und den Polarregionen vorstellen und erläutern, wie die unbekannte Natur nachhaltig geschützt werden kann.
Die Meeresforscherin und Mikrobiologin Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven und seit 2009 Mitglied der Leopoldina. Sie erforscht Mikroorganismen, die Teile des Meeresbodens besiedeln und großen Einfluss auf das globale Klima haben. Für ihre Forschungen und für ihr Engagement in der öffentlichen Vermittlung von Wissenschaft wurde sie zuletzt 2018 mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.