Nachricht Symposium „Altern und Arbeitswelt“ in München

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Beim Symposium „Altern und Arbeitswelt“ diskutierten am 9. Dezember 2010 in München etwa 200 Vertreter aus Wissenschaft, Gewerkschaften, Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Auswirkungen einer alternden Gesellschaft auf die Arbeitswelt. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina, skizzierte in seinem Grußwort die gesellschaftlichen Konsequenzen einer alternden Gesellschaft. „Wir müssen die Institutionen unseres Landes transformieren, dass sie helfen, die Potenziale des länger gewordenen Lebens zu erschließen.“

Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer forderte eine neue Arbeitnehmerkultur, die älteren Arbeitnehmern bessere Chancen bietet: „Die Wirtschaft muss sich von dem jahrelang vorherrschenden Jugendwahn verabschieden. Von den Erfahrungen, dem Know-how und der Arbeitsleistung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können alle Unternehmen nur profitieren.“ 

„Kultur verändert Biologie!“ – mit dieser griffigen Formel appellierte Ursula M. Staudinger, Vizepräsidentin der Leopoldina, an die Zuhörer, Altersprozesse nicht als Naturgesetz hinzunehmen. Sie verwies zum Beispiel auf Studien, die die Auswirkungen sportlicher Betätigung auf die kognitiven Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer zeigen. Altersstereotypen wie verminderter Offenheit und sinkender Produktivität könnte wirkungsvoll durch wechselnde Arbeitsumgebungen und vorbereitendes Training begegnet werden.Für Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts für Ökonomie und demografischen Wandel, lautet die Kernfrage: „Können die gewonnen Jahre eine Ressource sein, die aus der Bedrohung durch den demografischen Wandel eine Chance machen?“ Er zeigte eindrucksvoll, dass in Deutschland die Produktivität ab dem Jahr 2030 auf Grund des demografischen Wandels um 30 Prozent sinken wird. Seine Antwort lautete folgerichtig: „Wenn wir uns nicht ändern, wird dies uns Lebensstandard kosten!“ Die höhere Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer könne das Bedrohungspotenzial des demografischen Wandels zu einem großen Teil abfangen.

Für Börsch-Supan ist es das „Desaster der deutschen Politik, dass die Rente mit 67 negativ kommuniziert wurde“. Internationale Studien zeigten, dass die subjektive Einschätzung der Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer in Deutschland viel niedriger eingeschätzt werde als in anderen Ländern und dass dies der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und dem Potenzial älterer Arbeitnehmer nicht entspräche. Börsch-Supan warb eindringlich für ein dynamisches Renteneintrittsalter und eine intensivere Vorbereitung und Begleitung älterer Arbeitnehmer.

Das Symposium fand in der BMW-Welt in München statt und wurde von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech, dem Bayerischen Staatministerium für Arbeit und Soziales und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina organisiert.

(Christian Anton / Leopoldina)

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