In dem Vortrag spricht Pääbo über seine Arbeit an der Sequenzierung der Genome von Neandertalern und Denisovanern. Der Denisova-Mensch ist mit den Neandertalern verwandt. Durch Pääbos Forschung konnte nachgewiesen werden, dass es sich um eine eigenständige dritte Menschengruppe neben dem Neandertaler und dem Homo sapiens handelt. Bewohnerinnen und Bewohner von Ozeanien tragen etwa vier Prozent Denisovaner-DNA in ihrem Erbgut. Pääbo wird erläutern, inwiefern archaische Genvarianten zum Beispiel die Schmerzempfindlichkeit oder das Risiko einer schweren Erkrankung bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 beeinflussen. Darüber hinaus wird er beschreiben, wann und wie es zu den genetischen Variationen kam, die den modernen Menschen von seinen Vorfahren unterscheiden.
Svante Pääbo ist ein schwedischer Molekularbiologe und Paläogenetiker. Er gilt als Begründer der Paläogenetik, die genetische Proben fossiler und historischer Überreste analysiert. Pääbo entwickelte Analysetechniken, mit denen er unter anderem das Genom des Neandertalers entschlüsseln konnte. Für die Ermittlung des Anteils von Genen des Neandertalers und anderer ausgestorbener Hominiden im Erbgut des heutigen Menschen erhielt er 2022 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Pääbo lebt seit 1997 in Leipzig und ist Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Seit 1999 arbeitet er als Honorarprofessor an der Universität Leipzig im Lehrbereich Genetik und evolutionäre Biologie. Schon vor Erhalt des Nobelpreises wurde Pääbo für seine Forschung vielfach ausgezeichnet. Seit 2001 ist er Mitglied der Leopoldina in der Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin.