„Andersartigkeit“ und Identität in menschlichen Gesellschaften

  • Symposien
  • Halle (Saale)
Workshop und Herbsttagung des Studienzentrums 2016
  • Startdatum
  • Enddatum
  • Ort Halle (Saale)

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Die Unterscheidung nach körperlichen Merkmalen hat in menschlichen Gesellschaften eine lange und schwierige Tradition. Mit physischen Kennzeichen werden oft verallgemeinernde Annahmen und Stereotypen verknüpft. Auch die Wissenschaft trug hierzu ihren Teil bei.

Schon im 18. Jahrhundert suchten Forscher wie Carl von Linné und Georges-Louis Leclerc de Buffon eine vermeintlich universal gültige Gliederung von Menschengruppen aufgrund von Hautfarbe, Temperament und Abstammung zu etablieren, mit den bekannten Folgen für „Rassentheorie“ und Rassismus in den folgenden Jahrhunderten. Daraus ergibt sich für die Wissenschaft auch heute die eminente Verantwortung, die eigene Rolle bei der Herstellung, Plausibilisierung und Autorisierung gesellschaftlich relevanter physischer „Andersartigkeit“ zu reflektieren. Erkenntnisse aus einer solchen Analyse müssen in die eigene wissenschaftliche Praxis integriert und für öffentliche Debatten verfügbar gemacht werden. Das Thema erfordert auf wissenschaftlicher Seite das Zusammenwirken vieler Disziplinen.

Der Workshop sucht daher naturwissenschaftliche, wissenschaftshistorische, ethnologische, politikwissenschaftliche sowie epistemologisch-erkenntnistheoretische Zugänge zu vereinen.

Im Rahmen dieser Veranstaltung sollen unter anderem folgende Fragen erörtert werden:

  • In welchen spezifischen historischen, politischen, sozialen Konstellationen werden genau welche der vielen möglichen körperlichen Merkmale ausgewählt und als relevant für die Definition für Gruppen-Identität bzw. zur Abgrenzung von „Anderen“ wahrgenommen?
  • Warum werden in einer spezifischen historischen, politischen, sozialen, kulturellen und ethnischen Situation gerade diese körperlichen Merkmale (und nicht andere biologische oder nicht-biologische Indikatoren) als besonders relevant und als „natürliche“ Unterscheidungsmerkmale verstanden?
  • Mit welchen Argumenten oder (nicht weiter begründeten) Überzeugungen wird diese jeweilige Auswahl plausibel und relevant gemacht?
  • Welche Autoritäts-Instanzen werden hierzu angerufen (Tradition, Religion, Wissenschaft, Intuition, etc.)?
  • Wie genau – aufgrund von welchen wissenschaftlichen Vorbefunden, „selbstverständlicher“ Vorannahmen, Erwartungshaltungen von Forschungsinstitutionen, Geldgebern, politischen Instanzen – erfolgt bei spezifischen wissenschaftlichen Unternehmungen die Auswahl von „relevanten“ Parametern und die Abgrenzung von Studienpopulationen

Das Symposium wird durch die Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.

Bild: Abb. aus Tafelband von Karl Ernst von Baer

Weitere Informationen und Anmeldung

Das Symposium richtet sich an alle Interessierten. Der Eintritt ist frei. Für die Führung durch die Meckelschen Sammlungen ist eine verbindliche Anmeldung per E-Mail bis zum 20. September 2016 erforderlich.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
Leiter des Studienzentrums
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 472 39 115

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