Der erfolgreichste Al-Chemist. Karl Ziegler und die Entdeckung des Normaldruck-Polyethylens

  • Wissenschaftshistorische Seminare
  • Halle (Saale)
Ein Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminars von Prof. Dr. Manfred Rasch (Bochum)
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  • Ort Halle (Saale)

Die Entdeckung der sogenannten Ziegler-Katalysatoren auf aluminiumorganischer Basis Anfang der 1950er-Jahre am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr war einem Zufall geschuldet und sollte sich zur erfolgreichsten Wissenschaftsentdeckung der Chemie des 20. Jahrhunderts entwickeln.

Als Karl Ziegler 1943 zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung gewählt wurde, war das Institut in die deutsche Rüstungsforschung zur Gewinnung flüssiger Kohlenwasserstoffe aus den Gasen Wasserstoff und Kohlenmonoxid (Fischer-Tropsch-Synthese) eingespannt. Dennoch konnte Karl Ziegler für sich in seinem Anstellungsvertrag – unterstützt vom damaligen Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, dem Industriellen Albert Vögler – die zweckfreie Grundlagenforschung mit Kohlenstoff-Atomen, und nicht etwa mit Kohle, aushandeln. Dadurch schuf er sich und seinem Institut die juristische Möglichkeit der umfangreichen finanziellen Nutzung seiner zukünftigen Erfindung. Durch das in den 1930er-Jahren entwickelte Hochdruck-Polyethylen-Verfahren der britischen ICI existierte schon ein Markt für Kunststoffprodukte, als es Karl Ziegler 1953 gelang, Polyethylen bei Normaldruck herzustellen. Dies bedeutete eine enorme Senkung der Produktionskosten, zugleich bestand schon ein Markt für seine Erfindung, sodass die Phase zwischen Erfindung und erster industrieller Umsetzung äußerst kurz war. Heute werden jährlich 30 Mio. Jahrestonnen Polyethylen und 45 Mio. Jahrestonnen Polypropylen hergestellt.

Ohne die besondere Situation am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, das über eine Patentverwertungsgesellschaft verfügte, die es Karl Ziegler und seinen Miterfindern aufgrund ihres Know-hows und ihrer finanziellen Ressourcen ermöglichte, ihre Schutz- und Lizenzrechte in zum Teil jahrzehntelagen Prozessen weltweit durchzusetzen, wäre der finanzielle Erfolg nicht möglich gewesen. 40 Jahre lang, bis 1995, konnte sich das Institut aus eigenen Patenteinnahmen vollständig selbst finanzieren.

Prof. Dr. Rainer Godel und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann laden Sie herzlich ein.

Foto: Wikimedia Commons

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
Leiter des Studienzentrums
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -115

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Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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