Die Neurobiologie der Schizophrenie: Eine progressive Enzephalopathie oder eine Störung der regenerativen Kapazität des zentralen Nervensystems
- Vorträge & Diskussionen
- Halle (Saale)
Peter Gaston Falkai ML, Göttingen
- Startdatum
- Enddatum
- Ort Halle (Saale)
Monatssitzung der Leopoldina
Vortragsgebäude der Akademie
Emil-Abderhalden-Str. 36, 06108 Halle (Saale)
Mit der Einführung des Krankheitsbildes Schizophrenie von Kraepelin, die er Dementia precox nannte, wurde der Grundstein gelegt zu der Vorstellung, dass es grundsätzlich mit einer schlechten Prognose verbunden sei, und dass ihm ein neurodegenerativer Prozess zugrunde liege. So gibt es eine recht konsistente Literatur auf der Grundlage bildgebender Verfahren, die eine Reduktion des Gehirnvolumens im Verlauf der Erkrankung nahelegen. Andererseits bestätigen systematische postmorten-Untersuchungen eine subtile Aktivierung der Mikroglia, geben aber keine Hinweise auf einen klassisch degenerativen Prozess. Weder kommt es zu einem signifikanten Verlust von Makroneuronen, noch zu einer signifikanten Erhöhung der Astroglia. Wir haben dieses Phänomen selber systematisch für den Hippokampus untersucht, der bei der Schizophrenie eine signifikante Volumenreduktion zwischen 5 und 10% aufweist. Ist diese Volumenreduktion nicht auf einen Neuronenverlust zurückzuführen, so sind logischerweise hierfür nicht-neuronale Prozesse, d.h. eine Reduktion der Dendriten, Axone oder synaptischer Proteine anzuschuldigen. Unter der Vorstellung, dass dem Volumenverlust nicht eine irreversible sondern eine reversible Veränderung zugrunde liegt, haben wir eine kontrollierte Studie bei Patienten mit einer chronischen Schizophrenie durchgeführt, die für 3 Monate wöchentlich á 30 Minuten auf dem Fahrradergometer trainieren mussten und verglichen diese mit zwei Kontrollgruppen, zum einen einer Kontrollgruppe bestehend aus schizophrenen Patienten, die 3mal pro Woche 30 Minuten Tischfussball spielten und einer zweiten Kontrollgruppe aus gesunden Probanden, die ebenfalls fahrradergometrisch trainierten. In der Gruppe der Patienten, die mit dem Fahrradergometer trainierten fand sich, dass die Volumenreduktion des Hippokampus wettgemacht werden konnte und, dass das hiermit assoziierte kognitive Defizit sich besserte. Parameter aus der Magnetresonanzspektroskopie (NAA/Kreatin-Verhältnis) wiesen daraufhin, dass dieses 3monatige Fahrradergometertraining zu einer Verbesserung der neuronalen Integrität führt, das in der Literatur mit einer Verbesserung der neuronalen Plastizität erklärt wird.
Zusammengefasst weisen unsere Untersuchungen in den letzten Jahren daraufhin, dass die Schizophrenie nicht, wie ursprünglich angenommen, eine primär degenerative Erkrankung ist, sondern vielmehr Mechanismen gestört sind, die die Regenerationsfähigkeit des menschlichen Gehirns gewährleisten. Genexpressionsstudien in unserem Labor weisen darauf hin, dass möglicherweise dieser Dysfunktion eine Störung von immunmodulatorischen Genen zugrunde liegt, die auch an der Steuerung der synaptischen Plastizität beteiligt sind.
Vortragsgebäude der Akademie
Emil-Abderhalden-Str. 36, 06108 Halle (Saale)
Mit der Einführung des Krankheitsbildes Schizophrenie von Kraepelin, die er Dementia precox nannte, wurde der Grundstein gelegt zu der Vorstellung, dass es grundsätzlich mit einer schlechten Prognose verbunden sei, und dass ihm ein neurodegenerativer Prozess zugrunde liege. So gibt es eine recht konsistente Literatur auf der Grundlage bildgebender Verfahren, die eine Reduktion des Gehirnvolumens im Verlauf der Erkrankung nahelegen. Andererseits bestätigen systematische postmorten-Untersuchungen eine subtile Aktivierung der Mikroglia, geben aber keine Hinweise auf einen klassisch degenerativen Prozess. Weder kommt es zu einem signifikanten Verlust von Makroneuronen, noch zu einer signifikanten Erhöhung der Astroglia. Wir haben dieses Phänomen selber systematisch für den Hippokampus untersucht, der bei der Schizophrenie eine signifikante Volumenreduktion zwischen 5 und 10% aufweist. Ist diese Volumenreduktion nicht auf einen Neuronenverlust zurückzuführen, so sind logischerweise hierfür nicht-neuronale Prozesse, d.h. eine Reduktion der Dendriten, Axone oder synaptischer Proteine anzuschuldigen. Unter der Vorstellung, dass dem Volumenverlust nicht eine irreversible sondern eine reversible Veränderung zugrunde liegt, haben wir eine kontrollierte Studie bei Patienten mit einer chronischen Schizophrenie durchgeführt, die für 3 Monate wöchentlich á 30 Minuten auf dem Fahrradergometer trainieren mussten und verglichen diese mit zwei Kontrollgruppen, zum einen einer Kontrollgruppe bestehend aus schizophrenen Patienten, die 3mal pro Woche 30 Minuten Tischfussball spielten und einer zweiten Kontrollgruppe aus gesunden Probanden, die ebenfalls fahrradergometrisch trainierten. In der Gruppe der Patienten, die mit dem Fahrradergometer trainierten fand sich, dass die Volumenreduktion des Hippokampus wettgemacht werden konnte und, dass das hiermit assoziierte kognitive Defizit sich besserte. Parameter aus der Magnetresonanzspektroskopie (NAA/Kreatin-Verhältnis) wiesen daraufhin, dass dieses 3monatige Fahrradergometertraining zu einer Verbesserung der neuronalen Integrität führt, das in der Literatur mit einer Verbesserung der neuronalen Plastizität erklärt wird.
Zusammengefasst weisen unsere Untersuchungen in den letzten Jahren daraufhin, dass die Schizophrenie nicht, wie ursprünglich angenommen, eine primär degenerative Erkrankung ist, sondern vielmehr Mechanismen gestört sind, die die Regenerationsfähigkeit des menschlichen Gehirns gewährleisten. Genexpressionsstudien in unserem Labor weisen darauf hin, dass möglicherweise dieser Dysfunktion eine Störung von immunmodulatorischen Genen zugrunde liegt, die auch an der Steuerung der synaptischen Plastizität beteiligt sind.