Elfenbeinturm, Straße oder Talkshow – Gesellschaftliche Räume und Rollen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Angesicht globaler Krisen
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Der solipsistische Wissenschaftler brütet bei Kerzenschein über seinen Experimenten und Berechnungen – ausschließlich seiner Forschung verpflichtet. Die Wissenschaftlerin versammelt sich mit anderen auf einer Demo hinter einem „Scientists for Future“-Transparent. Der abwägende und gut informierte Forscher erklärt in Talkshow oder Podcast, was nun geboten ist, um eine Krise abzuwenden.
In Zeiten multipler Krisen wird neben vielem anderen auch die öffentlichen Rollen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vielfältiger. Als Expertinnen bzw. Experten in ihren Fachgebieten haben sie oft jahrelang und öffentlich finanziert zu Fragen geforscht, die die gesamte Bevölkerung betreffen. Das Wissen, das sie dabei erzeugt haben, soll nun gesellschaftlich wirksam werden. Aber welche Rolle kommt ihnen dabei zu? Sind sie neutrale Kommunikatorinnen und Kommunikatoren ihrer Ergebnisse? Oder werfen sie sich zur Lösung des Problems selbst in das Feld gesellschaftlicher Auseinandersetzungen? Welche Optionen liegen zwischen diesen beiden Polen?
Große Themen gesellschaftlicher Transformation, die auf lange Sicht angegangen werden müssen, machen diese Fragen umso drängender. Einerseits liegt im Wissen um die Komplexität von Krisen wie Klimakatastrophe, Verlust von Biodiversität, Zoonosen und demographischer Wandel eine wachsende Verantwortung, bei der Bewältigung zu helfen. Andererseits kann ein zu aktivistischer Ansatz in den Verdacht geraten, parteilich zu sein. Schließlich können in einer hochspezialisierten Wissenschaftswelt einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kaum umfassende Handlungsanweisungen geben.
Die Podiumsdiskussion des Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung diskutiert die Fragen nach gesellschaftlichen Räumen und Rollen wissenschaftlicher Intervention am Beispiel des Diskurses um die schwindende Biodiversität. Die Veranstaltung fragt danach, welche Formate Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heutzutage nutzen soll(t)en, um ihre Erkenntnisse in die Gesellschaft einzubringen und ob und wie sie sich politisch und gesellschaftlich mit einem Lösungsvorschlag einmischen.
Auf dem Podium werden unterschiedliche Disziplinen und Perspektiven fruchtbar ins Gespräch gebracht, bevor das Publikum sich aktiv selbst an der Diskussion beteiligen kann. Es diskutieren:
- Helen Ahner (Wien), Kulturwissenschaftlerin und Europäische Ethnologin, Mitglied der Jungen Akademie
- Katrin Böhning-Gaese ML (Leipzig), Biodiversitätsforscherin, Direktorin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)
- Jürgen Renn ML (Jena), Wissenschaftshistoriker, Direktor am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie
- Helmuth Trischler ML (München), Wissenschafts-, Technik- und Umwelthistoriker, Gründungs-Kodirektor des Rachel Carson Center for Environment and Society
Moderiert wird die Veranstaltung von Joachim Müller-Jung (Frankfurt).
Weitere Informationen
Die Veranstaltung richtet sich an alle fachlich Interessierten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Kontakt
Ronja Steffensky
Kommissarische Leiterin des ZfW
lzfw(at)leopoldina.org
0345 47 239 118
Livestream
Die Veranstaltung wird online via Zoom übertragen.
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