Impfstoffentwicklung gegen Tuberkulose: Ein altes, aber noch immer aktuelles Thema.

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Prof. Dr. Stefan H. E. Kaufmann, Berlin
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Vor über 100 Jahren überraschte Robert Koch, der Entdecker des Tuberkulose-Erregers, die Welt mit der Ankündigung, dass er einen Impfstoff gegen die Tuberkulose entwickelt hatte, an der zu jener Zeit mehr Menschen starben als an irgendeinem anderen Krankheitsbild. Zu seinem Bedauern musste er bald darauf einsehen, dass er mit dieser Ankündigung unrecht hatte. Seitdem haben viele Wissenschaftler, Mediziner und Politiker behauptet, dass die Tuberkulose unter Kontrolle sei. Nichts desto trotz sterben heute mehr Menschen an Tuberkulose als zu Kochs oder irgendeiner anderen Zeit und heute ist Mycobacterium tuberculosis für mehr Todesfälle verantwortlich als irgendein anderer bakterieller Krankheitserreger. Mit BCG steht zwar ein Impfstoff gegen Tuberkulose zur Verfügung, der auch gegen die Kleinkind- Tuberkulose schützt, aber gegen die häufigste Form der Krankheit, nämlich die Lungentuberkulose des Erwachsenen, keinen befriedigenden Schutz bewirkt. Ein neuer, besser wirksamer Impfstoff wird daher dringend benötigt. Etwa zwei Milliarden Menschen, also ein Drittel der Weltbevölkerung, sind mit diesem Keim infiziert. Weniger als 10% aller Infizierten erkranken daher an Tuberkulose. Dies zeigt, dass bei den meisten die natürliche Infektion eine zufriedenstellende Immunantwort auslöst, die den Keim unter Kontrolle hält. Die Immunantwort ist aber nicht in der Lage, den Erreger auszurotten und das Risiko bleibt bestehen, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Krankheit ausbricht. Die rationale Entwicklung eines neuen Impfstoffs kann daher von der durch natürliche Infektion hervorgerufenen Immunantwort lernen. Dabei werden im Prinzip zwei Strategien verfolgt: Die Entwicklung einer Spaltvakzine, die aus definierten protektiven Antigenen besteht oder eines rekombinanten Lebendimpfstoffs, der eine verbesserte Immunantwort auslöst. Kaufmann gibt Auskunft über den aktuellen Stand der Forschung.

Stefan H. E. Kaufmann studierte Biologie und promovierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit summa cum laude (1977). Nach einer Assistentenzeit am Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie an der Ruhr- Universität Bochum wurde er Hochschulassistent an der Freien Universität Berlin und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für Immunbiologie in Freiburg. An der Universität Ulm war er zunächst C3-Professor für medizinische Mikrobiologie und Immunologie (1987-1991), danach C4-Professor für Immunologie (1991-1998). Parallel dazu wurde er 1993 zum Gründungsdirektor des MPI für Infektionsbiologie in Berlin berufen, dessen Geschäftsführender Direktor er heute ist. Kaufmann ist Mitglied vielfältiger wissenschaftlicher Kommissionen, ist national wie international gutachterlich tätig und Herausgeber zahlreicher internationaler Zeitschriften. Seine Arbeiten zur Immunabwehr von Bakterien wurden vielfach ausgezeichnet (Krupp-Preis für Junge Wissenschaftler, 1987; Aronson Preis des Landes Berlin, 1988; Smith-Kline Beecham Wissenschaftspreis für Medizinische Grundlagenforschung, 1991; Pettenkofer Preis der Stadt München, 1992; Hauptpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, 1993). Er gehört zu den weltweit meist zitierten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Immunologie. Sein Forschungsschwerpunkt liegt seit über 25 Jahren im Bereich der antibakteriellen Infektabwehr. Insbesondere bemüht er sich um die rationale Entwicklung eines neuen Impfstoffs gegen Tuberkulose. Im Jahr 2000 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Stefan H. E. Kaufmann zum Mitglied (Sektion Mikrobiologie und Immunologie).

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