Kleinstaat versus Supermacht: Forschung und Geopolitik in Grönland im Kalten Krieg

  • Wissenschaftshistorische Seminare
  • Halle (Saale)
Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Prof. Dr. Matthias Heymann
  • Datum
  • Ort Halle (Saale)

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Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte Grönland in das Zentrum strategischen Interesses der USA, denn die dänische Kolonie lag exakt auf kürzester Linie zwischen den neuen Supermächten USA und UdSSR. Die amerikanischen Streitkräfte hatten bereits während des Zweiten Weltkriegs Militärbasen und Wetterstationen auf Grönland errichtet. Während Dänemark nach dem Krieg auf den raschen Abzug der amerikanischen Streitkräfte hoffte, intensivierten diese ihre Aktivitäten. Formal behielt Dänemark die Souveränität über Grönland, sah sich aber einer drastisch wachsenden Einflussnahme der USA gegenüber, gegen die sich die dänische Regierung zu wehren suchte. Ein zentrales Element in dem Ringen um Einflussnahme und Kontrolle in Grönland waren Forschungsaktivitäten. Für die Streitkräfte der USA war Forschung in Feldern wie Glaziologie, Geologie, Meteorologie und Ionosphärenforschung einerseits militärische Notwendigkeit, um die schwierigen und lebensfeindlichen Bedingungen in den Griff zu bekommen und militärische Einrichtungen errichten und Operationen durchführen zu können. Andererseits repräsentierten Forschungsaktivitäten auch eine geopolitische  Strategie, um möglichst weite Teile des Landes zu „besetzten“ und für militärische Zwecke nutzbar zu machen. Die dänische Regierung erkannte diese Doppelfunktion von Forschung. Sie stellte zum einen eigene, ausdrücklich national ausgerichtete Forschungsaktivitäten dagegen und beobachtete zum anderen die amerikanischen Aktivitäten aufmerksam und versuchte ihnen nicht ohne Erfolg Grenzen zu setzen. Der Vortrag präsentiert Ergebnisse aus einem dänisch-amerikanischen Forschungsprojekt über Forschung in Grönland im Kalten Krieg. Er leistet einen Beitrag zur bisher vernachlässigten Geschichte der Verschränkung von Forschung und Geopolitik in der Arktis im Kalten Krieg. Es laden Sie herzlich ein: Prof. Dr. Rainer Godel, Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Florian Steger.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -115

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