Krebsentstehung durch Viren
- Vorträge & Diskussionen
- Halle (Saale)
Vortrag von Harald zur Hausen, Heidelberg - Nobelpreis für Medizin 2008
- Startdatum
- Enddatum
- Ort Halle (Saale)
im Audimax der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsplatz 1, 06108 Halle (Saale)
Etwa 20 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit sind durch Infektionen bedingt: Viren, Bakterien und Parasiten sind an der Krebsauslösung beteiligt. Unter den Viren verursachen Epstein-Barr-Viren u. a. proliferative Erkrankungen des hämatopoetischen Systems; das humane Herpesvirus Typ 8 ist für das Kaposi-Sarkom verantwortlich und zahlreiche humanpathogene Papillomavirus-Typen vor allem für Krebserkrankungen im Anogenitalbereich. Eine herausragende Rolle spielen diese Infektionen als Ursache des Gebärmutterhalskrebses. Hepatitis B- und C-Viren verursachen einen erheblichen Anteil der Leberzellkrebse und das humanpathogene T-lymphotrope Retrovirus I induziert eine T-Zell-Leukämie des Erwachsenenalters, die bevorzugt in Ostasien auftritt.
Der Beitrag dieser Infektionen zur jeweiligen Krebsentstehung unterscheidet sich sehr deutlich zwischen den einzelnen Infektionserregern. Mehrere onkogene Viren lassen sich als direkte Karzinogene charakterisieren: Hier erfordert die maligne Transformation der infizierten Zellen die ständige Aktivität spezifischer viraler Onkogene. Andere tragen offensichtlich indirekt zur Krebsentstehung bei, indem sie onkogene Veränderungen beispielsweise durch Immunsuppression (bei HIV) fördern. Für eine dritte Gruppe legen die verfügbaren Daten nahe, dass sie partiell direkt, aber auch indirekt zum Krebsgeschehen beitragen können (Hepatitis B-Viren).
Die zunehmende Kenntnis von Infektionen als Krebserreger führt zu weitreichenden klinischen Konsequenzen: Mit Hepatitis B- und Papillomvirus-Impfstoffen sind erstmalig spezifische Immunisierungen zur Vorbeugung bestimmter Krebserkrankungen möglich. Darüber hinaus werden die Krebsdiagnostik und Therapie zunehmend von diesen Entwicklungen beeinflusst.
Da die meisten dieser Erkenntnisse erst innerhalb der vergangenen 25 Jahre zustande kamen, ist nicht auszuschließen, dass künftig ein weiterer Anteil von Krebserkrankungen des Menschen mit Infektionserregern in Zusammenhang gebracht werden kann.
Harald zur Hausen war bis 2003 Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Seit 1987 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin) und seit 2003 Vizepräsident der Akademie. Im Dezember 2008 wurde er mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.
Etwa 20 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit sind durch Infektionen bedingt: Viren, Bakterien und Parasiten sind an der Krebsauslösung beteiligt. Unter den Viren verursachen Epstein-Barr-Viren u. a. proliferative Erkrankungen des hämatopoetischen Systems; das humane Herpesvirus Typ 8 ist für das Kaposi-Sarkom verantwortlich und zahlreiche humanpathogene Papillomavirus-Typen vor allem für Krebserkrankungen im Anogenitalbereich. Eine herausragende Rolle spielen diese Infektionen als Ursache des Gebärmutterhalskrebses. Hepatitis B- und C-Viren verursachen einen erheblichen Anteil der Leberzellkrebse und das humanpathogene T-lymphotrope Retrovirus I induziert eine T-Zell-Leukämie des Erwachsenenalters, die bevorzugt in Ostasien auftritt.
Der Beitrag dieser Infektionen zur jeweiligen Krebsentstehung unterscheidet sich sehr deutlich zwischen den einzelnen Infektionserregern. Mehrere onkogene Viren lassen sich als direkte Karzinogene charakterisieren: Hier erfordert die maligne Transformation der infizierten Zellen die ständige Aktivität spezifischer viraler Onkogene. Andere tragen offensichtlich indirekt zur Krebsentstehung bei, indem sie onkogene Veränderungen beispielsweise durch Immunsuppression (bei HIV) fördern. Für eine dritte Gruppe legen die verfügbaren Daten nahe, dass sie partiell direkt, aber auch indirekt zum Krebsgeschehen beitragen können (Hepatitis B-Viren).
Die zunehmende Kenntnis von Infektionen als Krebserreger führt zu weitreichenden klinischen Konsequenzen: Mit Hepatitis B- und Papillomvirus-Impfstoffen sind erstmalig spezifische Immunisierungen zur Vorbeugung bestimmter Krebserkrankungen möglich. Darüber hinaus werden die Krebsdiagnostik und Therapie zunehmend von diesen Entwicklungen beeinflusst.
Da die meisten dieser Erkenntnisse erst innerhalb der vergangenen 25 Jahre zustande kamen, ist nicht auszuschließen, dass künftig ein weiterer Anteil von Krebserkrankungen des Menschen mit Infektionserregern in Zusammenhang gebracht werden kann.
Harald zur Hausen war bis 2003 Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Seit 1987 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin) und seit 2003 Vizepräsident der Akademie. Im Dezember 2008 wurde er mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.