Nur ein philosophischer „Sonntagsjäger“? - Der Naturforscher Ernst Mach als Grenzgänger und Grenzüberschreiter
- Wissenschaftshistorische Seminare
- Halle (Saale)
Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Prof. Dr. Friedrich Stadler
- Datum
- Ort Halle (Saale)
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Um diese Frage zu beantworten, muss man auf Machs geistige Sozialisation zurückgehen: sein Schlüsselerlebnis bei der Lektüre Kants, die Prägung durch den Kantianer Friedrich Beneke, sowie seine Auseinandersetzung mit den philosophischen Zeitgenossen: von Franz Brentano ausgehend, über Wilhelm Jerusalem, hin zu Theodor und Heinrich Gomperz. Nicht zuletzt spiegelt die pluralistische und differenzierte Rezeption Machs im Wiener Kreis (mit Wittgenstein und Popper) dessen (anti-)philosophisches Erbe, das sich nicht nur in der Aktivität des Vereins Ernst Mach manifestierte. Die späte Entdeckung Machs durch Paul Feyerabend polarisierte genauso wie dessen Streitschrift „Wider den Methodenzwang“. Vor dem Hintergrund dieser breiten und starken Wirkungsgeschichte in der Philosophie ist Machs pessimistisches Resümee erstaunlich, wonach am Beginn des 20. Jahrhunderts wieder eine dominante aprioristische Wende eingetreten sei.
Im Vortrag werden die Umstände seiner Berufung beschrieben und Machs autobiografische Bestandsaufnahme im Vergleich zu seiner pluralistischen Wirkungsgeschichte aus heutiger Sicht neu bewertet – was ihn als einem Vorläufer einer aktuellen historischen Epistemologie und Wissenschaftsphilosophie jenseits von traditioneller „Schulphilosophie“ erscheinen lässt.
Prof. Dr. Rainer Godel, Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Florian Steger laden Sie herzlich ein.
Kontakt
Prof. Dr. Rainer Godel
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -115