Robert Kochs Cholera-Publikationen von 1884: Die Geburt der Wissenschaftserzählung aus dem Geist der Abenteuerliteratur
- Wissenschaftshistorische Seminare
- Halle (Saale)
Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von PD Dr. Martina King
- Datum
- Ort Halle (Saale)
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Auf diesen literarischen Spuren bewegt sich auch Koch, wenn er die gefahrvolle Mikrobenforschung als Kampf zwischen Jäger und Bestie inszeniert. Im Zentrum steht dabei der Bazillus, der nach dem Modell der kolonialen Jagderzählung als Bösewicht und Eindringling erscheint. Willenlose einzellige Wesen als absichtsvolle Akteure zu konzipieren birgt allerdings das Risiko epistemologischer Fehlschlüsse, das zeigen Kochs Cholerapublikationen: Hier zerstören Bakterien die Darmwände ihrer Opfer wie Raubtiere und erzeugen für Kochs literarisch imprägnierten Blick das Bild der totalen Destruktion. Gleichwohl wirken Cholerabakterien auf ganz andere Weise, und Kochs wissenschaftlichem „Tunnelblick” wird bereits von zeitgenössischen Medizinern widersprochen. Solche Ungereimtheiten ändern freilich nichts daran, dass Kochs „Erzählung” in den Zeitschriften der Zeit hundertfach nacherzählt wird und zum großen Wissenschaftsmythos der Epoche avanciert. Spuren davon halten sich bis heute in dem mitunter reißerischen Medieninteresse an den neuen viralen Seuchen des 21. Jahrhunderts.
Prof. Dr. Rainer Godel, Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Florian Steger laden Sie herzlich ein.
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Prof. Dr. Rainer Godel
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
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