Ungarische Wissenschaftsemigranten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

  • Wissenschaftshistorische Seminare
  • Halle (Saale)
Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Prof. Dr. Tibor Frank. Eine gemeinsame Veranstaltung der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Leopoldina.
  • Datum
  • Ort Halle (Saale)

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Die deutsch-ungarischen wissenschaftlichen Beziehungen waren schon immer sehr eng, da Ungarn Teil der Habsburger Monarchie war. Generell orientierte sich das ungarische akademische Leben stark an Deutschland. Viele Professoren der ungarischen Gymnasien und Universitäten hatten ihre Ausbildung an einer deutschen oder deutschsprachigen Universität erworben — so der prominenteste ungarische Physiker Loránd Eötvös und seine Studenten. Nach 1919 waren viele Wissenschaftler jüdischer Herkunft gezwungen, Ungarn zu verlassen, meistens weil sie an den Revolutionen von 1918-1919 beteiligt waren, aber oft auch, weil sie als unschuldige Opfer der darauf folgenden antisemitischen Bewegung und Gesetzgebung das Land verlassen mussten. Die ungarischen wissenschaftlichen und kulturellen Eliten waren im vorhitlerischen Deutschland willkommen. Ungarische Gelehrte, darunter zahlreiche Juden wie die Naturwissenschaftler oder Mathematiker Theodor von Kármán, John von Neumann, Michael Polanyi, Leo Szilard, Edward Teller oder Eugene Wigner, genossen in Deutschland hohe Anerkennung. Wichtige Bücher von Georg von Lukács, Ludwig von Hatvany und Béla Balázs wurden zuerst in deutschen Verlagen publiziert.

Die nationalsozialistische Machtübernahme und das Aufkommen des Antisemitismus erinnerten die jüdischen Ungarn in Deutschland an ihre konterrevolutionären Erfahrungen in Ungarn aus den Jahren 1919-1920 und veranlassten sie, früher zu handeln als viele Deutsche. Eine ganze Reihe von prominenten Ungarn emigrierten bald nach Amerika. Diese „Doppelemigration“ – zunächst aus Ungarn, dann aus Deutschland – steht im Zentrum dieses Vortrags (vgl. Tibor Frank: Double Exile Oxford 2009; Kettős kivándorlás, Budapest 2012, 2015).

Der Vortrag wird unterstützt durch die Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Prof. Dr. Rainer Godel, Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Florian Steger sowie die Alexander-von-Humboldt-Stiftung laden Sie herzlich ein.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
E-Mail: rainer.godel(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -115

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