Abraham Flexner (✝︎)
- Wahljahr 1927
Forschung
-manager. Großen Einfluss nahm er auf die Verbesserung des höheren Bildungswesens in den USA sowie auf die akademische Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Vereinigten Staaten und Kanada. Er war Gründungsdirektor des Institute for Advanced Study (IAS), das 1930 als private Forschungseinrichtung in Princeton begründet wurde; unter anderem gewann er den deutschen Physiker Albert Einstein, ebenfalls Mitglied der Leopoldina, für das Institut.
Zur Person
Abraham Flexner kam am 13. November 1866 als sechstes von neun Kindern des aus Deutschland eingewanderten jüdischen Ehepaars Esther und Moritz Flexner in Louisville (Kentucky) zur Welt. Der Vater war Kaufmann, die Mutter war als Näherin tätig. Abraham Flexner wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf, wurde aber selbst frühzeitig zum Agnostiker.
Die Flexners waren vom hohen ideellen Wert der Bildung überzeugt, jedoch beendeten in der Finanzkrise von 1873 erlittene finanzielle Verluste zunächst die Hoffnung der Eltern, ihre Kinder auf ein College schicken zu können.
Durch die finanzielle Hilfe seines bereits verheirateten ältesten Bruders Jacob, der einen Drugstore betrieb, bekam Abraham als erstes Mitglied seiner Familie schließlich doch die Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen und einen akademischen Abschluss zu erwerben. Seine Erfolge als Bildungsforscher gaben ihm später die finanziellen Möglichkeiten, die akademische Ausbildung seiner jüngeren Geschwister zu finanzieren.
1896 heiratete Abraham Flexner seine frühere Schülerin Anne Laziere Crawford, die später in den USA als Kinderbuchautorin und Bühnendramatikerin berühmt wurde. Das Paar unterstützte die Frauenbewegung jener Zeit und den damit einhergehenden Kampf um das Frauenwahlrecht.
Abraham und Anne Flexner Crawford bekamen zwei Töchter, Jean (1899) und Eleanor (1908), die sich später als eine der Ersten der Frauenforschung widmete; Ihre Schwester Jean war Angestellte in einer Regierungsbehörde für Arbeitsnormen in Washington D.C.
Abraham Flexner starb am 21. September 1959 in Falls Church, Virginia. Er wurde auf dem Cave Hill Cemetery in Louisville, Kentucky beigesetzt.
In Louisville, Kentucky, wurde im November 1978 mit dem Abraham Flexner Way eine Straße im Krankenhausviertel nach dem Pädagogen benannt.
Werdegang
Abraham Flexner studierte an der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland), die er nach zweijährigem Studium 1886 mit dem Bachelorgrad in „Classics“ abschloss. Weil ihm Stipendien für ein weiteres Studium versagt blieben, ging er im Anschluss zurück in seine Heimatstadt Louisville, um dort an der Louisville High School Griechisch und Latein zu unterrichten.
1890 gründete er in Louisville eine Privatschule. Während dieser Tätigkeit entwickelte Flexner ein starkes Interesse an Bildungsfragen und begann, sich mit der Verbesserung der schulischen Ausbildung auseinanderzusetzen. Er setzte eigene pädagogische Ideen um, dabei zielten seine Reformbestrebungen vor allem auf einen hohen Praxisanteil im Unterricht sowie auf eine intensive Betreuung in kleineren Schülergruppen.
1905 folgten Studienaufenthalte an der Harvard University in New Jersey und an der Humboldt-Universität zu Berlin, die jedoch nicht in weitere akademische Abschlüsse mündeten.
1908 veröffentlichte Flexner sein erstes Buch „The American College“ über seine pädagogische Arbeit. Darin kritisierte er die höhere Schuldbildung jener Zeit, was die Aufmerksamkeit der mit Bildungsfragen befassten Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching erregte. Deren Präsident Henry S. Pritchett beauftragte Flexner im gleichen Jahr mit der Erstellung eines Berichts zur medizinischen Ausbildung, den Flexner – ohne selbst eine medizinische Ausbildung genossen zu haben – umsetzte. Der „Flexner Report“ erschien 1910 und führte letztlich zu umfangreichen Reformen in der Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Vereinigten Staaten. Außerdem wurden im Nachgang des Reports zahlreiche vor allem ländlich gelegene Ausbildungsstätten geschlossen, und in den verbliebenen Einrichtungen wurden personelle Veränderungen umgesetzt.
1930 wurde Flexner Gründungsdirektor des Institute for Advanced Study (IAS) an der Princeton University. Möglich wurde die Gründung durch eine Spende von fünf Millionen Dollar, die der Geschäftsmann Louis Bamberger und seine Schwester Caroline Bamberger Fuld zur Verfügung gestellt hatten. Das IAS war ein privates Forschungsinstitut, das zwar nicht direkter Teil der Universität war, doch durch die räumliche Nähe viele Möglichkeiten zur Kooperation bot. Es wurde schnell zu einem der weltweit führenden Zentren für von wissenschaftlicher Neugier getriebene Grundlagenforschung. Dank der hervorragenden finanziellen Ausstattung konnten die Ständigen Mitglieder ihre Studienrichtung stets frei bestimmen. Dadurch wurde das IAS zu einem Vorbild für die Förderung unabhängiger Forschung.
Seine Existenz unterstrich zugleich die Bedeutung der akademischen Freiheit und führte darüber hinaus zur Gründung ähnlicher Institute weltweit, darunter 1936 des Tata Institute of Fundamental Research in Bombay und 1958 das Institut des hautes études scientifiques (IHES) bei Paris.
Unter der Leitung von Abraham Flexner wurde das IAS auch zu einer bedeutenden Zufluchtsstätte für von den deutschen Nationalsozialisten verfolgte europäische Gelehrte. Unter ihnen war auch Albert Einstein, seit 1932 Mitglied der Leopoldina, den Flexner 1933 an das Institut holte. Im gleichen Jahr kamen außerdem der Mathematiker David Hilbert (seit 1932 Mitglied der Leopoldina) und der Physiker und Mathematiker Hermann Weyl (seit 1923 Mitglied der Leopoldina) nach Princeton. Darüber hinaus warb IAS-Direktor Flexner den in Ungarn geborenen Mathematiker John von Neumann an, der zuvor aus Europa geflohen war und sich bereits als Gastprofessor an der Princeton University aufhielt. Wenig später kamen weitere renommierte Forscher aus Europa hinzu, unter ihnen der österreichische Physiker Wolfgang Pauli und die deutsche Mathematikerin Emmy Noether.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Für seine wissenschaftliche Tätigkeit wurde Abraham Flexner zahlreich geehrt, darunter mit dem Frank H. Lahey Memorial Award (1956) sowie mit der posthumen Aufnahme in die Health Care Hall of Fame (1990). Darüber hinaus war Flexner Rhodes Lecturer der University of Oxford in Großbritannien (1927 und 1928).
Zahlreiche Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter die Humboldt-Universität zu Berlin, die Princeton University sowie die Johns Hopkins University. 1927 wurde Flexner zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.