Bernardino Ramazzini (✝︎)
- Wahljahr 1693
Forschung
Bernardino Ramazzini studierte Philosophie und Medizin und promovierte im Jahr 1659. Anschließend war er als Arzt in Rom, Canino und Carpi tätig. 1671 wechselte er nach Modena. Dort ernannte ihn Herzog Francesco II. d’Este zum Professor medicinae theoricae und beauftragte ihn mit dem Aufbau einer medizinischen Abteilung der Accademia San Carlo. Ramazzini wirkte als Arzt und Professor in Modena und Padua sowie als Leibarzt des Herzogs von Modena.
Sein bedeutendstes Werk veröffentlichte Ramazzini 1700 mit der Schrift „De morbis artificum diatriba“, der ersten grundlegenden Abhandlung zur Arbeitsmedizin. Darin beschrieb er zahlreiche Berufskrankheiten von Männern und Frauen. Ramazzini gilt daher auch als „Vater der Gewerbemedizin“. Im selben Jahr wurde er von der Republik Venedig zum Professor medicinae berufen.
Neben seinen Studien zur Arbeitsmedizin verfasste Ramazzini epidemiologische und seuchenhygienische Schriften. In seinen meteorologisch-epidemiologischen Jahresbeschreibungen Modenas für die Jahre 1690 bis 1695 beschrieb er akribisch die epidemischen Krankheiten von Menschen und Vieh in den ländlichen Regionen um Modena. Eine besondere Rolle spielten dabei die in den Sommer- und Herbstmonaten regelmäßig wiederkehrenden Malariafieber. Ramazzini ist damit ein Klassiker der vorbakteriologischen Epidemiologie und Hygiene.
Ramazzini korrespondierte mit den bedeutendsten Ärzten und Gelehrten seiner Zeit, darunter auch mit dem deutschen Universalgelehrten und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz. Dieser war es auch, der ihm die Veröffentlichung seiner epidemiologischen Beobachtungen empfahl. Außerdem regte Leibniz an, die Leopoldina solle vergleichbare Berichte für Deutschland sammeln und in ihrer Zeitschrift veröffentlichen. Diese Anregung griff der IV. Leopoldina-Präsident Lucas Schroeck Ende 1695 mit Erfolg auf. So erschienen zwischen 1696 und 1719 in der Akademiezeitschrift unter dem Titel „Historia Epidemica Germaniae“ Abhandlungen über epidemische Krankheiten. Dies zeigt die Leopoldina im fünften und sechsten Jahrzehnt ihres Bestehens als Gelehrtengesellschaft, deren Ziel nicht mehr nur die Sammlung, Ordnung und Nutzbarmachung des tradierten Wissens ist, sondern der europaweite Transfer aktuell gewonnenen, empirisch gesicherten Wissens.
Zur Person
Bernardino Ramazzini wurde am 5. November 1633 im italienischen Carpi geboren und verstarb am 5. November 1714 in Padua. Zeitgenossen beschrieben ihn als zurückhaltenden und ernsten Charakter, der sich im Freundeskreis zugewandt und humorvoll gab. Im Jahr 1987 wurde in Bologna nach ihm benannte Ramazzini Institute gegründet – eine gemeinnützige Genossenschaft mit mehr als über 35.000 Mitgliedern organisiert ist, die sich im Kampf gegen umweltbedingte Krankheiten und Krebs engagiert.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
1693 wurde Bernardino Ramazzini unter dem akademischen Beinamen „Hippocrates III.“ in die Leopoldina aufgenommen. Sein internationales Ansehen zeigt sich auch in seiner Aufnahme in die römische Accademia degli Arcadi 1706 sowie in die Königliche Preußische Societät zu Berlin im selben Jahr.