Prof. Dr. Christian Weinheimer
- Fachbereich Physik
- Ort Münster, Deutschland
- Wahljahr 2026
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Neutrinophysik, Dunkle Materie, (Astro-)Teilchenphysik, Kernphysik, Instrumenten- und Detektorentwicklung
Christian Weinheimer ist ein deutscher Experimentalphysiker. Er erforscht die Eigenschaften der Neutrinos, der leichtesten und häufigsten Elementarteilchen im Universum, und sucht nach der Dunklen Materie. Beide Forschungsgebiete sind von zentraler Bedeutung für offene Fragen der Teilchenphysik und für das Verständnis der Entwicklung des Universums vom Urknall bis zu seiner heutigen Struktur und seinem Materieinhalt. Die von Christian Weinheimer entwickelten Methoden und Technologien für hochempfindliche Experimente finden auch in anderen Bereichen Anwendung.
Ein Schwerpunkt von Christian Weinheimer ist die direkte Bestimmung der Neutrinomasse mit dem „Karlsruhe Tritium Neutrino Experiment“ (KATRIN-Experiment) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), von dem er über 21 Jahre lang einer der beiden wissenschaftlichen Leiter war. Beim radioaktiven Zerfall von Tritium teilt sich die freigesetzte Energie zwischen einem Elektron und einem Neutrino auf. Am Endpunkt des dabei entstehenden Betaspektrums – also dort, wo das Elektron nahezu die gesamte Energie trägt – lässt die genaue Form der Spektrumskurve Rückschlüsse auf die Neutrinomasse zu. Diese Messungen erfordern extreme Präzision und ermöglichen zugleich eine hochempfindliche Suche nach neuen Teilchen und bisher unbekannten Wechselwirkungen. Mit dem Zukunftsprojekt „KATRIN++“ soll die Empfindlichkeit auf die Neutrinomasse mit einer atomaren Tritiumquelle und neuartigen differentiellen Kryodetektor- oder Flugzeitspektroskopie-Methoden nochmals deutlich gesteigert werden.
Darüber hinaus sucht Christian Weinheimer mit den XENON-Experimenten im italienischen Untergrundlabor Laboratori Nazionali del Gran Sasso (LNGS) nach Dunkler Materie. Die Detektoren bestehen aus mehreren tausend Kilogramm flüssigen Xenons: Kollidiert ein Dunkle-Materie-Teilchen mit einem Xenon-Atom, erzeugt dies ein messbares Signal. Christian Weinheimer entwickelt dazu neue Verfahren, um Spuren radioaktiver Edelgase aus dem Xenon zu entfernen, die andernfalls Störsignale erzeugen und die Suche nach den extrem seltenen Wechselwirkungen mit Dunkler Materie überdecken würden. Die dadurch erreichte extrem niedrige Zahl an Störsignalen erlaubt es zudem, nach solaren Neutrinos, sehr seltenen Zerfällen und hypothetischen neuen Teilchen zu suchen. Die Forschungsgruppe um Christian Weinheimer lieferte so entscheidende Beiträge zum ersten Nachweis eines doppelten Elektroneneinfangs. Die von Christian Weinheimer zur Zeit im Rahmen seines Advanced Grants des Europäischen Forschungsrates ERC weiterentwickelten Reduktionsverfahren von Spuren radioaktiver Edelgase aus dem Xenon werden auch für das zukünftige Projekt XLZD eine große Rolle spielen.
Die von Christian Weinheimer entwickelten Detektor-, Hochspannungs- und Reinigungstechnologien finden über die Grundlagenforschung hinaus Anwendung etwa in Experimenten der Atomphysik mit hochgeladenen Ionen an Teilchenbeschleunigern sowie bei der Entwicklung eines neuartigen Detektors für die medizinische Bildgebung.
Werdegang
- seit 2025 Geschäftsführender Direktor, Institut für Kernphysik, Universität Münster
- 2016-2022 Geschäftsführender Direktor, Institut für Kernphysik, Universität Münster
- 2014-2016 Dekan, Fachbereich Physik, Universität Münster
- 2012-2014 Prodekan, Fachbereich Physik, Universität Münster
- 2007-2012 Geschäftsführender Direktor, Institut für Kernphysik, Universität Münster
- seit 2004 Professor für Physik, Institut für Kernphysik, Universität Münster
- 2001-2004 Professor für Physik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
- 2000-2001 Hochschuldozent, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- 2000 Habilitation in Experimentalphysik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- 1997-2000 Hochschulassistent, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- 1995-1996 CERN-Fellow, CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire), Genf, Schweiz
- 1993-1994 Postdoktorand, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- 1989-1993 Promotion in Physik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- 1982-1989 Studium der Physik (Diplom) und Mathematik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Funktionen
- seit 2026 Vorsitzender, International Scientific Advisory Committee, Arthur B. McDonald Canadian Astroparticle Physics Research Institute, Kingston, Kanada
- 2025-2029 Mitglied, Advisory Board, Arthur B. McDonald Canadian Astroparticle Physics Research Institute, Kingston, Kanada
- seit 2023 Mitglied, Scientific Council, Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY), Hamburg
- seit 2023 Mitglied, Forschungsbeirat, Rektorat, Universität Münster
- 2021-2026 Mitglied, Senats- und Bewilligungsausschuss für Sonderforschungsbereiche, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- seit 2021 Mitglied, International Advisory Board, Nuclear Physics Institute, Czech Academy of Sciences, Tschechien
- seit 2020 Mitglied, Science Advisory Committee, Astroparticle Physics European Consortium (APPEC)
- 2020-2024 Stellvertretender Sprecher, Graduiertenkolleg (GRK) 2149 „Starke und schwache Wechselwirkung - von Hadronen zu Dunkler Materie“, DFG
- seit 2019 Mitglied, International Scientific Advisory Committee, Arthur B. McDonald Canadian Astroparticle Physics Research Institute, Kingston, Kanada
- 2019-2022 Vorsitzender, Astroparticle Physics Committee (APC), DESY, Hamburg
- 2017-2019 Mitglied, Physics Review Committee (PRC), DESY, Hamburg
- 2015-2021 Mitglied, Beirat, Fachverband Teilchenphysik, Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)
- 2015-2020 Sprecher, GRK 2149 „Starke und schwache Wechselwirkung - von Hadronen zu Dunkler Materie“, DFG
- 2013-2019 Mitglied, Scientific Committee, Laboratori Nazionali del Gran Sasso (LNGS), Gran Sasso, Italien
- 2013-2019 Vorsitzender, Komitee für Astroteilchenphysik (KAT), Deutschland
- 2012-2019 Vorsitzender, Wissenschaftlicher Beirat, Exzellenzcluster (EXC) 1098 „Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter (PRISMA)“, DFG
- 2012-2016 Mitglied, Fachkollegium 309 „Teilchen, Kerne und Felder“, DFG
- 2011-2012 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg
- 2010-2019 Mitglied, KAT, Deutschland
- 2010-2012 Vertreter des KAT, Komitee für Hadronen- und Kernphysik (KHuK), Deutschland
- 2009-2011 Stellvertretender Vorsitzender, Gutachterausschuss „Hadronen- und Kernphysik“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- 2008-2010 Vorsitzender, Collaboration Board, International Research School „Fundamental and Applied Nuclear and aTOMic physics (FANTOM)“, Europäische Kommission
- 2007-2008 Mitglied, Fachkollegium 309 „Teilchen, Kerne und Felder“, DFG
- 2006-2011 Mitglied, Gutachterausschuss „Hadronen- und Kernphysik“, BMBF
- 2005-2010 Mitglied, Komitee für Hadronen- und Kernphysik (KHuK), Deutschland
- 2005-2010 Mitglied, Gutachterausschuss „Erdgebundene Astrophysik und Astroteilchenphysik“, BMBF
- 2001-2022 Co-Sprecher, Karlsruhe Tritium Neutrino Experiment (KATRIN), Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Projekte
2022-2027 Principal Investigator, Advanced Grant „Low radon and low internal radioactivity for dark matter and rare event xenon detectors (LowRad)“, European Research Council (ERC)
2024-2025 Co-Vorsitzender, Collaboration Board, XENON Collaboration
seit 2011 Mitglied, Verbundprojekt „Direkte Suche nach Dunkler Materie“, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) (bis 2025 Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF))
2011-2014 Leiter, Projekt „Direkte Suche nach Dunkler Materie mit dem XENON100-Experiment und ultrareines Xenon“, DFG
2009-2021 Mitglied, Verbundprojekte „SPARC Stored Particles Atomic Physics Research Collaboration“ sowie „APPA Atomic, Plasma Physics and Application“, BMBF
seit 2005 Koordinator, Verbundprojekt KATRIN, BMFTR (bis 2025 BMBF)
2003-2005 Leiter, Projekt „Baryonspektroskopie mit polarisierten Photonen und Aufbau eines neuen Vorwärtsdetektors für den Crystal-Barrel-Detektor am Bonner Elektronenbeschleuniger ELSA“, DFG
2002-2005 Mitglied, Verbundprojekt „KATRIN KArlsruhe TRItium Neutrino“, BMBF
Auszeichungen und Mitgliedschaften
seit 2026 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
2019 Highlights of the Year (KATRIN-Collaboration), American Physical Society (APS), USA
2019 DOE Appreciation Award (KATRIN-Collaboration), U.S. Department of Energy (DOE) Office of Science, USA
2001 Helmholtz-Preis, Helmholtz-Fonds und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
1994 CERN-Fellowship, CERN, Genf, Schweiz
1994 Dissertationspreis, Freunde der Universität Mainz