Georg Uschmann (✝︎)
- Fachbereich Wissenschafts- und Medizingeschichte
- Wahljahr 1964
Forschung
Zur Person
Georg Uschmann kam am 18. Oktober 1913 als einziger Sohn des Schneidermeisters Bruno Uschmann und dessen Frau Margarete Anna, geborene Claus, in Naumburg (Saale) zur Welt. 1920 wurde er dort in die Vorschule des Reformrealgymnasiums eingeschult.
Seine ersten Lebensjahre waren von den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs und der folgenden Inflationszeit geprägt. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und trat dem Ruderverein seiner Schule bei. Das Hobby betrieb er intensiv bis zum Ende seiner Schulzeit und machte es später auch zum Bestandteil seines Studiums (Leibesübungen) an der Universität Jena.
Am 18. März 1933 legte er an der Oberrealschule in Naumburg die Reifeprüfung ab und absolvierte im Anschluss einen freiwilligen Arbeitsdienst in Ostpreußen. 1937 trat er in die NSDAP ein.
Am 4. März 1940 heiratete Uschmann seine Kommilitonin Käte Fränsemeier und wurde direkt im Anschluss zur Wehrmacht einberufen. Das Paar bekam zwei Töchter (Ursula, 1941 und Ingeborg, 1943).
Ab 1970 war Uschmanns Leben stark von Erkrankungen geprägt. Schübe von Allergien, Depressionen und Asthma raubten ihm einen Teil seiner Schaffenskraft. Er starb kurz vor seinem 73. Geburtstag nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster) am 23. September 1976 in Jena. Er wurde in Dessau, dem Wohnort seiner Tochter, beerdigt.
Das Wissenschaftler-Ehepaar Eugen und Ilse Seibold aus Freiburg im Breisgau stiftete 1997 den Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte. Er wird alle zwei Jahre für eine hervorragende Dissertation auf den Gebieten der Wissenschafts- und Medizingeschichte durch die Leopoldina vergeben.
Werdegang
1933 begann Georg Uschmann zunächst ein Studium der Philosophie an der Universität Jena. Die Ausbildung wurde ergänzt durch die Fächer Geschichte und Sport (Leibesübungen) für das höhere Lehramt. Im Herbst 1934 wechselte er das Fach und studierte fortan Biologie (Zoologie und Botanik). 1939 wurde Uschmann an der Universität Jena mit einer Dissertation zum Thema „Der morphologische Vervollkommnungsbegriff bei Goethe und seine problemgeschichtlichen Zusammenhänge“ zum Dr. rer. nat. promoviert und arbeitete im Anschluss als Assistent am Ernst-Haeckel-Haus in Jena.
1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und diente zuletzt als Hauptmann. Aus sowjetscher Kriegsgefangenschaft kehrte er 1950 zurück und nahm seine Tätigkeit am Ernst-Haeckel-Haus wieder auf. 1951 erhielt er dort einen Lehrauftrag und wurde Geschäftsführender Oberassistent.
Zunächst begann er mit einer Habilitationsschrift über den französischen Biologen Jean-Baptiste de Lamarck und dessen evolutionsbiologische Konzeptionen. Als Uschmann klar wurde, dass ihm aufgrund der politischen Verhältnisse in der DDR die Recherchen in französischen Archiven versagt bleiben würden, änderte er sein Thema und konzentrierte sich fortan auf noch weitgehend unerschlossene Archivbestände im Ernst-Haeckel-Haus zur Geschichte der Zoologie in Jena.
In jene Jahre fällt auch die Erschließung und Bearbeitung der historischen Bestände des Ernst-Haeckel-Hauses. Bereits 1953 konnte ein Teil der Katalogisierung abgeschlossen und die Erfassung der historischen Brief- und Fotosammlung eingeleitet werden. Damit legte Uschmann zugleich den Grundstein für spätere Forschungen zur Geschichte der Biologie.
Im Juni 1959 habilitierte er sich mit einer Arbeit zur „Geschichte der Zoologie und der zoologischen Anstalten in Jena 1779 bis 1919“. Im Anschluss wurde er zum Dozenten für Geschichte der Biologie berufen und nur wenige Monate später, am 1. November, zum Direktor des Ernst-Haeckel-Hauses ernannt. Unter seiner Führung erlangte die Einrichtung als Institution der Universität Jena öffentliche Anerkennung, dazu zählten auch populärwissenschaftliche Aktivitäten wie öffentliche Vorträge, Lichtbild-Reihen und Beiträge in Zeitschriften. Wichtiger Beleg für die überregionale Strahlkraft war die Konzeption und Gestaltung einer Wanderausstellung über Ernst Haeckel, die Uschmann 1964 in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, eröffnete.
Ab 1962 war er in Jena als Professor mit Lehrauftrag für Geschichte der Naturwissenschaften tätig. Am 1. September 1965 wurde er dort auf einen neu geschaffenen Lehrstuhl für Geschichte der Naturwissenschaften berufen und zum Ordinarius ernannt.
Sich zuspitzende ideologische Auseinandersetzungen an der Universität Jena, auf deren Höhepunkt am Ernst-Haeckel-Haus schließlich ein Philosophie-Lehrstuhl für Atheismus eingerichtet werden sollte, hoffte Uschmann, an die Universität Halle wechseln zu können. Dort lehrte der ihm eng verbundene Wissenschaftshistoriker Rudolph Zaunick, der 1960 emeritiert wurde.
Als diese Wechselpläne durch die Streichung des Lehrstuhls in Halle (Saale) fehlschlugen, erreichte Zaunick, der zu jener Zeit auch Director Ephemeridum an der Leopoldina war, einen Kompromiss: Er sorgte dafür, dass Georg Uschmann ab 1964 Vorlesungen in Halle (Saale) halten konnte. Darüber hinaus holte er ihn in die Leopoldina, wo Uschmann mit Arbeiten zu ihrer Geschichte der Akademie begann. Nach Zaunicks Tod im Jahr 1967 wurde Uschmann dessen Nachfolger und begann mit der räumlichen Einrichtung eines Archivs, das bis dato eher provisorisch untergebracht war.
Nach Abschluss dieser Neukonstituierung wurde Uschmann 1967 zum Direktor des Archivs der Leopoldina berufen, was sein Aufgabenfeld deutlich erweiterte: So wurde er Mitglied des Präsidiums und Herausgeber der zuvor von Rudolph Zaunick geführten Schriftenreihen „Acta historica Leooldina“ sowie „Lebensdarstellungen deutscher Naturforscher“. Unter Uschmanns Leitung wurde das Archiv ausgebaut und in einem renovierten Gebäude untergebracht.
Georg Uschmanns wissenschaftliche Tätigkeit fiel in eine Zeit zunehmender politischer Konfrontationen: An den Universitäten der DDR nahm nach 1966 die Abgrenzung gegen westliche Einflüsse weiter zu. Internationale Kontakte und die Teilnahme an wissenschaftlichen Veranstaltungen im westlichen Ausland wurden immer schwieriger. Vor diesem Hintergrund boten Uschmann seine Ämter bei der Leopoldina auch Gelegenheit, sich dieser Situation zu entziehen. Viele seiner über die Gelehrtenakademie bestehenden Kontakte mit dem Ausland nutzte er zur Beschaffung internationaler Literatur und zur Begegnung mit Kollegen im westlichen Ausland. Einen Großteil dieser Verbindungen konnte Uschmann auch für das Ernst-Haeckel-Haus nutzbar machen.
1979 wurde Georg Uschmann emeritiert.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Georg Uschmann zahlreich geehrt, darunter mit der Aufnahme in die Akademie der Naturforscher Leopoldina (1964) und in die Académie internationale d’ Histoire des Sciences (1971). Für seine Verdienste beim Aufbau des Archivs der Leopoldina erhielt Georg Uschmann 1978 die Verdienst-Medaille der Leopoldina. 1987 ernannte ihn die Biologische Gesellschaft der DDR posthum zum Ehrenmitglied.