Karl Freiherr von Fritsch (✝︎)

XVI. Präsident der Leopoldina (1895-1906)

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  • Ort Halle (Saale), Deutschland
  • Wahljahr 1877

Forschung

Karl Georg Wilhelm Freiherr von Fritsch war ein deutscher Geologe und Paläontologe. Er lieferte unter anderem Beiträge zur Geologie der Kanaren. Seine Exkursionen durch das Schweizer Gotthard-Massiv mündeten in eine geologische Karte, die als Voraussetzung für den später erfolgten Durchstoß dieses Gebirges und den Bau des 1882 eröffneten Gotthard-Tunnels gilt. 
Von Fritsch prägte mehr als 30 Jahre die geowissenschaftliche Forschung an der Universität Halle. Unter seiner Leitung erlebten die geowissenschaftlichen Sammlungen eine erste Blütezeit. Er war der XVI. Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Während seiner Amtszeit setzte er für die dauerhaft sesshaft gewordene Gelehrtenvereinigung einen Bibliotheksneubau um.
Karl Freiherr von Fritsch wurde am 11. November 1838 als Sohn des Großherzoglich-Sächsischen Kammerherrn und Oberforstmeisters Georg August Freiherr von Fritsch und seiner Frau Nanci von Rosenbach in Weimar geboren. Da seine Mutter bei der Geburt verstarb, wuchs er bei seiner Tante mütterlicherseits, Gräfin Santi, auf. 
Von Fritsch besuchte zunächst die von Friedrich Fröbel gegründete Erziehungsanstalt Keilhau bei Rudolstadt in Thüringen. 1854 trat er in das Gymnasium Weimar ein und legte dort 1858 das Abitur ab. Bereits frühzeitig wurde bei ihm, angeregt durch einen Freund der Familie, die Begeisterung für die Geologie geweckt. Schon 1859 veröffentlichte er eine „Geognostische Skizze der Umgegend von Ilmenau“. 
1867 heiratete Karl Freiherr von Fritsch in Zürich die Tochter des Zürcher Mineralogie-Professors Gustav Adolf Kenngott, Elisabeth Kenngott. Das Paar bekam drei Söhne und vier Töchter, von denen fünf Kinder ihren Vater überlebten.
Er war der Enkel des Politikers Karl Wilhelm Freiherr von Fritsch, der in Goddula bei Merseburg ein Gut besaß. In Goddula bei Merseburg starb Karl Freiherr von Fritsch am 9. Januar 1906. Sein wissenschaftlicher Nachlass befindet sich im Archiv für Geographie des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig. Auf dem Gelände des Weinberg-Campus der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) wurde eine Straße nach ihm benannt.

Einer Familientradition folgend absolvierte Karl Freiherr von Fritsch zunächst eine forstwirtschaftliche Lehre und studierte an der Forstakademie Eisenach. 1860 schrieb er sich an der Universität Göttingen ein, um Mineralogie und Geologie zu studieren. Am 28. Juni 1862 wurde er dort mit der Arbeit „Über die Mitwirkung der elektrischen Ströme bei der Bildung von Mineralien“ promoviert.
Im Anschluss unternahm er eine wissenschaftliche Reise auf die kanarischen Inseln. Nach der Rückkehr habilitierte er sich am Eidgenössischen Polytechnikum, der heutigen Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. In der Schweiz unternahm er Exkursionen ins Gotthard-Massiv. Er verbesserte die geologische Karte des Massivs und schuf damit die Voraussetzung für den später erfolgten Durchstoß dieses Gebirges und den Bau des 1882 eröffneten Gotthard-Tunnels.
1867 wurde von Fritsch von der Senckenbergschen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt am Main als Dozent für Geologie berufen.
1873 wechselte er an die Universität Halle. Mit seiner Berufung wurde das dort bereits bestehende Mineralienkabinett in den Rang eines Mineralogischen Instituts erhoben, dessen Direktor von Fritsch zugleich wurde. 1875 wurde er zum Ordinarius ernannt. Unter seiner Leitung erlebten die geowissenschaftlichen Sammlungen in Halle eine erste Blütezeit. Durch gezielte Erwerbungen und Schenkungen wuchsen die Sammlungsbestände beträchtlich an. Auch seine wertvolle Privatsammlung und Bibliothek überließ von Fritsch dem Institut als Geschenk.
Darüber hinaus schuf er an der Universität Halle – angeregt durch den Agrarwissenschaftler Julius Kühn – zu Lehrzwecken ein etwa 30 Meter langes geologisches Profil, das aus mehr als 200 verschiedenen Natursteinen zusammengesetzt war und einen informativen Gang durch die Erdgeschichte ermöglichte.
Da von Fritsch in Halle eine reichhaltige Sammlung fossiler Pflanzen vorfand, widmete er sich hier vor allem phytopaläontologischen Studien. Außerdem untersuchte er gemeinsam mit der Preußischen Geologischen Landesanstalt die Steinkohlengebiete des Saaletals und erkundete im Auftrag der Halleschen Pfännerschaft die Salzlagerstätten westlich von Halle. Neben zahlreichen Einzeluntersuchungen veröffentlichte er auch eine „Allgemeine Geologie“ (1888), die als Lehrbuch Verbreitung fand.
1905 erlitt von Fritsch einen Schlaganfall und ließ sich von der Vorlesungstätigkeit entbinden.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde von Fritsch zahlreich geehrt, darunter mit dem Roten Adler-Orden 4. Klasse. 1877 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen.

Im Jahr 1895 wurde von Karl Freiherr von Fritsch, der bis dahin langjährige Vertreter Hermann Knoblauchs, zum XVI. Präsidenten der Akademie Leopoldina gewählt. Bereits vor seiner Wahl hatte er innerhalb der Akademie mehrere Ämter inne: So war er vom 21. Mai 1885 bis 20. Mai 1905 Adjunkt, ab 31. März 1888 Mitglied des Präsidiums sowie ab 17. Juni 1902 Obperson. Beide Ämter endeten mit seinem Tod am 9. Januar 1906.
Als Präsident wagte von Fritsch eine vorsichtige Modernisierung der Akademie. Sein besonderes Verdienst war die Umsetzung eines Neubaus für die Bibliothek. Dafür gab es bei der Leopoldina gute Gründe: Bereits unter seinem Vorgänger Hermann Knoblauch hatte die Akademie 1878 ihren Sitz aus der Residenzstadt Dresden in die aufstrebende mitteldeutsche Industrie- und Universitätsstadt Halle verlegt. Mit dem Umzug war die Leopoldina zugleich aus dem Königreich Sachsen in die Provinz Sachsen des Königreichs Preußen übergesiedelt. Damit einher ging auch der Umzug der zuvor in Dresden ansässigen Bibliothek. Doch in Halle fehlte eine passende Unterbringung für den Bestand.
Hinzu kam die Entscheidung, die Akademie künftig dauerhaft in Halle anzusiedeln. Erst unter der Präsidentschaft Karl Freiherr von Fritschs kam in das Projekt Bewegung. Schließlich gelang es, mit dem Bau eines damals hochmodernen Gebäudes für die Bibliothek zu beginnen. In der heutigen August-Bebel-Straße wurde so ein neues und angemessenes Domizil für den wertvollen Bestand geschaffen.
Von Fritsch hatte das Amt des Präsidenten der Akademie bis an sein Lebensende inne. Zu seinem Nachfolger wurde 1906 der Mathematiker Albert Wangerin bestimmt.

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